Xiaomi Mi A1 und Android One im Test: Pures Android für alle

Aktuell sieht es doch so aus: Wer ein Smartphone sucht, das auch im nächsten Jahr noch Software- und Sicherheitsupdates bekommt, der kauft sich entweder ein teures Oberklasse-Handy von LG, Samsung und HTC oder direkt ein Google-Phone. Wer hingegen keine Lust hat, mehrere hundert Euro auszugeben, der greift zu Einsteiger- und Mittelklassegeräten. Die sehen mittlerweile zwar auch richtig schick aus und bieten immer mehr Technik fürs Geld, schauen in Sachen Softwaresupport und Sicherheit aber meist schnell in die Röhre. Bisher gab es dafür eigentlich nur eine Lösung. Man installiert sich in Eigenverantwortung Dritt-Betriebssysteme wie Lineage OS. Die Nachteile sind bekannt: Möglicher Garantieverlust, teilweise komplizierte Installation und die Tatsache, dass eben nicht jedes Gerät auch offiziell unterstützt wird.

Wäre es nicht herrlich, wenn es auch im unteren Preissegment Geräte gäbe, die langfristiger und zuverlässig mit Updates versorgt werden? Tatsächlich gibt es so etwas eigentlich schon, und zwar seit 2014 unter dem Namen „Android One„. Mit Android One hatte sich Google vorgenommen, in Kooperation mit Herstellern standardisierte Geräte auf den Markt zu bringen, die dank sehr ähnlicher Technik günstig produziert werden konnten und zentral durch Google mit Updates versorgt werden. So richtig Fahrt hat das – bisher nur für wirtschaftlich schwächere Regionen vorgesehene – Android One Programm aber nicht aufgenommen. Es fehlte bisher schlicht an Geräten, die es mit den hochwertigeren und günstigen Fernost-Fertigern aufnehmen konnten. Vor die Wahl gestellt, ein tiefpreisiges Huawei, Oppo oder Xiaomi ohne Aussicht auf Softwaresupport zu kaufen oder zu einem klapprig Plastik-Phone aus dem Android One Programm zu greifen, entschieden sich viele Käufer anscheinend eher für die äußeren Werte. So traurig es ist: Softwaresupport kann es in Sachen Relevanz bei der Kaufentscheidung eben noch lange nicht mit Design, Leistungsdaten oder Features aufnehmen.

Und das bringt uns zu diesem Artikel. Anfang September stellte Xiaomi, einer der drei größten Smartphone-Hersteller in China, das Xiaomi Mi A1 vor: Ein Xiaomi-typisch hochwertiges Gerät, das aber erstmals nicht mehr mit Xiaomis hauseigener Android-Variante („MIUI“) läuft, sondern – dank Android One – mit unverändertem Google-Android. Was das Gerät kann und was Android One für Android Puristen zu bieten hat, schaue ich mir in diesem Testbericht an.

Android One im Überblick

Android One ist kein eigenes Betriebssystem, sondern ein Label für den Versuch von Google, einen gewissen Hard- und Softwarestandard zu definieren. Konkrete Angaben zum Verfahren und den genauen Vorgaben der Standardisierung durch Google konnte ich leider nicht recherchieren, aber so wie ich das verstehe (und so lese ich auch den entsprechenden Wikipedia-Eintrag), spezifiziert Google eine Reihe an Hardware- und Softwareelementen, denen ein Android One Gerät gerecht werden muss. Um Teil des Android One Programms zu werden, muss sich ein Hersteller an die vordefinierten Bauteile halten und das Gerät wird dann von Google entsprechend zertifiziert. Von da an versorgt Google das Gerät mit Updates und übernimmt teilweise auch das Marketing und den Verkauf über den Google Store.

Die Hardware-Vorgaben von Google dürften auch einer der Gründe für das mäßige Interesse an den bisherigen Geräten sein: Google spezifizierte bisher nämlich eher schwache Hardware für Android One wie günstige Chips von MediaTek und mittelmäßig auflösende Displays. Das Resultat waren Geräte der ersten und zweiten Generation, die rein technisch wirklich niemanden hinterm Ofen hervorlockten.

Das große Argument sollte ja auch eher die Software sein: Auf Geräten aus dem Android One Programm läuft (mehr oder weniger) das gleiche Android wie auf den Google-Smartphones der Pixel- und Nexus-Reihe: Keine Bloatware, keine Anpassung der Bedienoberfläche durch den Hersteller und keine Veränderung der wesentlichen Software-Features. Vor allem aber sorgt Google selbst für verhältnismäßig zügigen und andauernden Softwaresupport. Ein Beispiel: Das für umgerechnet 83 € in Indien veröffentlichte Micromax Canvas A1 startete im September 2014 mit Android 4.4.4 „KitKat“ und erhielt bis Oktober 2015 Aktualisierungen bis auf Android 6 „Marshmallow“ sowie danach weitere Sicherheitspatches. Offiziell verspricht Google auf seiner diesbezüglichen Software-Update-Seite garantierte Updates für 18 Monate ab Kaufdatum.

Das Xiaomi Mi A1

Bühne frei also für das Xiaomi Mi A1. Es ist nicht nur das erste Android One Smartphone, das optisch wirklich etwas her macht, sondern es wird auch erstmals in Teilen Europas verkauft. Zu den offiziell belieferten Märkten gehören laut GSMArena beispielsweise die Niederlande, Griechenland und Polen. Ich selbst habe mein Gerät wie schon beim letzten Xiaomi-Artikel (damals zum Redmi Note 4) wieder von Gearbest bezogen. Anders als letztes Mal wurde mir das Gerät diesmal aber nicht für den Test bereitgestellt, sondern ich habe bei einer Rabattaktion mit eigenem Geld zugegriffen und letztlich knapp 180 € bezahlt. Derartige Angebote findet man bei den einschlägigen Schnäppchen-Portalen aktuell alle Nase lang.

So konnte ich mir auch erstmals einen Eindruck vom gesamten Bestellprozess bei Gearbest machen. Besonders viel gibt es dazu allerdings nicht zu sagen. Unter der Domain de.gearbest.com/ gibt es ein maschinell übersetztes deutsches Portal, das trotz Übersetzungspatzer eigentlich jedem die Bestellung ermöglicht. Geliefert wurde die Bestellung direkt aus China via „Germany priority mail“ und traf nach unter zwei Wochen im Hermes-Verteilzentrum in Rendsburg ein. Dass der Artikel erst jetzt online geht, liegt daran, dass es Hermes fertig brachte, für den Weg von Rendsburg nach Kiel (sic!) dann nochmal zwei weitere Wochen (sic!!) zu brauchen. Mein Tipp an dieser Stelle: Gebt als Adresse bei Gearbest weder Paketstation noch Postfiliale ein (das scheint bei Hermes zum sofortigen Implodieren jeder Tätigkeit zu führen). Mittlerweile tauchen von anderen Fernost-Importen aber bereits ähnliche Angebote auf, teilweise sogar mit Artikelstandorten in Europa.

Design, Handhabung und Technik

Rein technisch ist das Xiaomi Mi A1 ein Klon des Xiaomi Mi 5X und äußerlich sieht das Ganze dem iPhone 6/6S/7/8 Plus extrem ähnlich. Ob einem der Look zusagt oder nicht, ist wie immer Geschmacksache. Ich persönlich bin weder ein Fan großer Smartphones noch halte ich die rundliche Bauform für besonders handlich. Mit 5,5 Zoll Display und knapp 76 mm Breite ist das Gerät definitiv nur noch schwer einhändig zu bedienen. Den aktuellen Trend mit extra langen Displays im 18 : 9 Format macht Xiaomi hier auch noch nicht mit. Stattdessen gibt es ein ganz klassisches Display im 16 : 9 Format und reichlich Displayrand an allen Seiten (insbesondere oben und unten).

Ähnlichkeiten zu den großem „Plus“ iPhones sind unverkennbar.

USB-C und 3,5 mm Klinke

Typisch Xiaomi: Hardware Navigationstasten

Das Äußere ist ansonsten aber tadellos verarbeitet. Nichts wackelt, klappert oder knarrzt, die Spaltmaße sind einwandfrei und beide Tasten am rechten Rand haben einen klaren Druckpunkt. Abseits persönlicher Vorlieben gibt es hier rein gar nichts auszusetzen und das Mi A1 hält problemlos mit all den anderen Vollmetall-Smartphones der Mittel- und Oberklasse mit.

Wirklich stark ist dagegen die Technik im Inneren: Mit 4 GB RAM, 64 GB internem Speicher, Snapdragon 625, USB-C und Dual-nano-SIM (oder nano-SIM plus SD-Karte) lässt das Mi A1 im Grunde alles weit hinter sich, was in dieser Preisklasse um Aufmerksamkeit buhlt. Dazu kommt dann noch der einwandfrei arbeitende Fingerabdrucksensor auf der Rückseite, ein angemessener 3080 mAh Akku und der vom Aussterben bedrohte 3,5 mm Klinkenstecker. Stereo-Lautsprecher bietet das Mi A1 leider nicht. Stattdessen nutzt es den Platz unter dem Display für On-Screen-Tasten, was den effektiv nutzbaren Displayplatz vergrößert. Puristen werden sich vermutlich daran stören, dass die Tasten seitenverkehrt sind, sich also die Zurück- und Menü-Taste rechts und links befinden (wie bei Samsung), nicht links und rechts wie bei purem Android. Ich persönlich habe mich aber schnell umgewöhnt.

Das Display gefällt, ist aber in einem üppigen Gehäuse verbaut.

Das Display löst mit Full HD auf und kommt damit auf knapp über 400 PPI. Mir persönlich kann es gar nicht scharf genug sein, aber die meisten Käufer dürften an der Displayschärfe nichts auszusetzen haben. Unregelmäßige Ausleuchtung oder Lichtspalte weist mein Gerät nicht auf und auch Kontrast, Farbdarstellung und Blickwinkel gehen in Ordnung. Wer allerdings einmal AMOLED-Displays genutzt hat, wird natürlich merken, dass das LCD des Mi A1 nicht ganz so knackiges Schwarz und bunte Farben schafft.

Einzig einen Kritikpunkt habe ich. Wie schon beim LG G6 fällt mir zunehmend auf, dass ich die etwas längere Reaktionszeit bei LCD-Panels mittlerweile störend empfinde. Scrolle ich durch die Einstellungen, den Twitter-Feed oder ziehe auch nur die schwarze Benachrichtigungsleiste herunter, nehme ich deutlich war, wie helle Objekte vor dunklem Grund etwas nachziehen. Motion Blur, Reaktionsträgheit oder Ghosting: Das ganze hat viele Namen. Das AMOLED meines Oneplus X verhält sich in der Hinsicht jedenfalls reaktionsschneller, was ich deutlich angenehmer empfinde. Das gilt zwar für die allermeisten LCD-Displays, aber das LCD im iPhone SE weist im Vergleich eindeutig das ruhigere Bild bei Bewegungen auf. Wirklich stören wird es wohl aber die Wenigsten.

Über jeden Zweifel erhaben ist hingegen die restliche Ausstattung. Allein die Kombi aus 4 GB RAM und 64 GB internem Speicher beeindruckt. Wie viele Flaggschiffe kommen immer noch mit 32 GB internem Speicher auf dem Markt und welches Smartphone um die 200 € bietet Arbeitsspeicher auf High-End-Niveau? Der Snapdragon 625 Chip ist ebenfalls eine lobende Erwähnung wert, einfach weil er eine gelungene Balance zwischen Performance und Effizienz bietet (nicht umsonst habe ich ihn sogar für mein persönlich „Traum-Smartphone“ in Erwägung gezogen). Die Bedienung jedenfalls ist flüssig, flott und reaktionsschnell. Trotzdem kam ich problemlos auf weit über 4 h Display-On-Time und mit reichlich Restakku bis in den Feierabend. Die Ausstattung dürfte ohne Mühen den Ansprüchen fast aller Smartphone-Käufer mehr als genügen. Nimmt man dann noch den USB-C Anschluss, den Dual-SIM-Einschub (bzw. SIM und SD-Slot) und den rückseitig ideal positionierten Fingerabdruck-Scanner dazu (und entscheidet sich, ihn entgegen guter Gründe auch zu nutzen), fällt mir eigentlich kaum etwas ein, was viermal so teure Smartphones dem Mi A1 voraus haben. Sogar eine Benachrichtigungs-LED bringt das Mi A1 mit.

Der Fingerabdruckscanner auf der Rückseite ist genau da, wo er hingehört

Aber natürlich gibt es – wie immer – Kleinigkeiten, bei denen man dem Mi A1 seine günstige Herkunft anmerkt. Der Vibrationsmotor z.B. zeichnet sich durch ein extrem unangenehmes, aggressives Schnarren aus und macht definitiv wenig Freude. Auch fehlt dem Gerät jede Form von Quick-Charging. Beides sind angesichts der Preises aber mehr als verkraftbare Schwächen, würde ich sagen.

Zwei Kameras zum Preis von einer

Das vermeintliche Standout-Feature des Mi A1 soll die Kamera mit zwei Linsen sein. Beide nehmen Fotos mit 12 Megapixel auf, die Hauptkamera greift dabei aber auf einen Sensor mir  f/2.2 Blende und 1.25μm großen Pixeln zurück, während die sekundäre Linse mit f/2.6 und 1.0μm die geschlossenere Blende und kleineren Pixel liefert, dafür aber die doppelte Brennweite mitbringt. Kurz gesagt: Die primäre Linse macht bessere Fotos, während die zweite – ganz im Sinne des Telephoto-Trends – näher an entfernte Objekte heran zoomt. Mit Hilfe der Doppellinse will Xiaomi auch einen hardware-basierten Tiefenunschärfe-(„Bokeh“)-Effekt realisieren. Das alles liest sich schrecklich beeindruckt, ist am Ende aber doch nichts anderes als eine sehr durchschnittliche und dem Preis ganz und gar angemessene Fotoleistung.

Im Portrait-Modus wird sofort deutlich, dass die zweite Kamera für den Tiefeneffekt genutzt wird, denn aufgrund der höheren Brennweite kann man nicht ganz so nah an das Objekt ran, wie man es vielleicht manchmal will. Trotzdem kämpft der Portrait-Effekt teilweise mit unklarer Abgrenzung zwischen scharfem und verschwommenem Bereich. Für mich bleibt das ein witziges Extra, aber kein überzeugendes Kaufargument.

Mit etwas Glück und bei gutem Licht kommen bei der Hauptkamera aber brauchbare Bilder zustande. Gegenüber hochpreisiger Konkurrenz (im Vergleich unten z.B. gegenüber dem Google Pixel 2) fehlt es aber eindeutig an dynamischer Reichweite und Kontrast. Anders als bei der technischen Ausstattung im Übrigen bietet Xioami hier meiner Meinung nach „nur“ preisangemessene Kost. Im Verhältnis zur Weitwinkel-Lösung beim LG G6 habe ich für die Zoom-Funktion der Telephoto-Linse zudem auch einfach keinerlei Verwendung. Gegenüber normalem Software-Zoom bietet sie meinem Eindruck nach auch kaum Vorteile.

Wer einfach nur hin und wieder nette Fotos von Freunden, Bekannten und Familie machen will und dafür ein klein bisschen mehr Spielerei möchte, bekommt aber eine Kamera, die in den meisten Situationen zufriedenstellende bis sehr gute Resultate liefert.

Oh, du reines Android

Der eigentliche Grund, warum ich mir das Mi A1 überhaupt so genau ansehe, ist natürlich die Software. Anders als das – meiner Ansicht nach ziemlich scheussliche – Xiaomi-Android („MIUI“) läuft auf dem Mi A1 pures Google-Android; Aktuell in Version 7.1.1. mit dem Oktober 2017 Security-Patch. Und genau das ist auch das entscheidende Detail, das das Mi A1 für mich so empfehlenswert macht. Nicht nur läuft auf dem Gerät sehr aktuelle Software mit dem – meiner Meinung nach – ausgesprochen gelungenen puren Google Look, sondern (den Aussagen von Xiaomi zur Folge) wird es sehr bald auch das Update für Android 8 „Oreo“ geben und sogar ein Update auf Android 9 „P“ wurde auf dem Launch-Event zugesichert.

Damit adressiert diese Android One Version eines Xiaomi-Smartphones auch gleich zwei weitere Schwachpunkte der Fernost-Ware: Absehbare Software-Obsoleszenz und intransparenter Datenabfluss. Gerade ersteres ist mit Blick auf Nachhaltigkeit bei der Techniknutzung ein wichtiges Thema (siehe dazu unseren Artikel zum Fairphone 2). Mit versprochenen Updates bis mindestens Anfang 2019 ist das Mi A1 eben nicht in wenigen Monaten potentiell outdated, sondern auch für längerfristige Nutzung geeignet. Bezüglich der bereits von mir im Artikel zum Redmi Note 4 diskutierten Tracking- und Mitlese-Vorwürfe gegenüber Xiaomi kann man bei Android One Geräten zudem davon ausgehen, dass die Hersteller deutlich weniger derartigen Unsinn treiben können. Allerdings: Ob man nun Google mehr traut als Xiaomi, sei dahingestellt und als Besonderheit muss erwähnt werden, dass anders als bei Android One üblich, nicht Google selbst für die Updates sorgen wird, sondern Xiaomi verantwortlich bleibt. So berichtet Android Central:

„Although the Mi A1 is a part of the Android One initiative, Xiaomi will be handling the updates.“

– Android Central

Was das für die verlässliche Versorgung mit Plattform- und Sicherheitsupdates bedeutet und wie tief Xiaomi seine Finger doch noch in der Anpassung der Software im Spiel hat, werden wir sehen. Aktuell geht die allgemeine Erwartung aber dahin, dass diese Abweichung von der normalen Vorgehensweise nicht dafür sorgen wird, dass sich die Updates merklich verzögern. Letztlich gebe ich zu, dass ich deutlich weniger Bedenken habe, dem Mi A1 meine Daten anzuvertrauen, einfach weil ich sehr viel versierter darin bin, Android so anzupassen, dass ich Googles Datenzugriffe reduzieren kann als ich es bei MIUI war.

So ganz richtig ist übrigens auch nicht, dass auf dem Mi A1 reines Google-Android läuft (und ich sage bewusst „reines Google-Android“, nicht reines AOSP-Android). Erstens wird das Mi A1 nicht mit dem Pixel Launcher ausgeliefert, sondern mit einem dem Pixel-Launcher sehr ähnlicher Startbildschirm mit dem generischen Titel „Launcher 3“. Die optischen Unterschiede sind allerdings minimal. Ansonsten gleicht die Oberfläche Eins-zu-Eins dem reinen Google-Look. Einstellungen, App-Drawer, Benachrichtigungsleiste sind optisch ganz und gar unverändert und sehen so modern und frisch aus, wie Android nun einmal mittlerweile ist. Dazu gehört auch, dass keinerlei unnötige Software im Auslieferungszustand vorinstalliert. Lediglich drei Apps finden sich zusätzlich zur normalen Google-Suite: Die Mi-Kamera-App, die App zur Kontrolle des Infrarot-Senders und eine Mi-Feedback-App. Das durch letztere ermöglichte Senden „anonymer Nutzungsdaten“ kann man glücklicherweise deaktivieren.

Die Kamera-App ist übrigens deshalb notwendig, weil die offizielle Google Kamera-App bis heute keine Unterstützung für Dual-Kameras kennt. Das musste ich leider auch beim LG G6 feststellen, wo dieses kleine Detail derzeit dazu führt, dass man beim Umstieg auf Lineage OS ein paar Kompromisse in Sachen Dual-Kamera-Fertigkeiten eingehen muss. Es gibt daneben leider hier und da noch weitere kleine Software-Funktionen, die mir fehlen. So kann man das Display nicht per Double-Tap aufwecken und es findet sich keine Blaufilter-Einstellung („Night Mode“), die das Display abhängig von der Tageszeit farblich wärmer macht. Erfreulicherweise ist aber immerhin der Fingerabdrucksensor ganz wie bei den Google Pixel Geräten als Mini-Touchpad nutzbar, um die Benachrichtigungsleiste herunter zu fahren. Alles in allem ist das Mi A1 softwareseitig also genau das, was ich erwartet habe: Ein erfreulich flottes, unverfälschtes Android-Erlebnis mit der (hoffentlich berechtigten) Erwartung zeitnaher Software-Updates.

Funknetz, LTE-Band 20 und die „Global Version“

Eines der Hauptprobleme mit Fernost-Importen ist in aller Regel die Kompatibilität mit den bei uns verbreiteten LTE-Frequenzen. Meist fehlt das für Deutschland notwendige Band 20, so dass viele Xiaomi Geräte nicht im LTE-Netz funken können. Mit dem Mi A1 ist das kein Thema. Der verbaute Snapdragon 625 sowie das offizielle Datenmaterial lassen keinen Zweifel daran, dass das Mi A1 mit allen in Deutschland nötigen LTE-Frequenzen klar kommt. Tatsächlich hatte ich hier auch keine Probleme. Das Mi A1 buchte sich in Kiel ohne Weiteres in das LTE-Netz von Vodafone sowie von E-Plus/O2 ein. Bei einer manuellen Netzsuche wurde auch das LTE-(4G)-Netz der Telekom ohne Weiteres angezeigt. Die bei Gearbest als „Global Version“ verkaufte Version hält hier also all seine Zusagen.

Daneben ist mir noch positiv aufgefallen, dass das Mi A1 nicht nur im 2,4 GHz, sondern auch im 5 GHz WLan-Netz funkt. Das ist oder war bei Geräten dieser Preisklasse nicht immer selbstverständlich. Zusammen mit der verfügbaren WLan-n und -ac Kompatibilität konnte ich so die volle Bandbreite meiner 200 MBit-Leitung ausnutzen.

Die neue Standard-Empfehlung unter 200 €

Im Grunde bleibt mir abschließend nicht mehr viel zu sagen als das: Das Xiaomi Mi A1 ist meine neue Standard-Empfehlung für um die 200 €. Nur all zu oft fragen mich Bekannte und Familie, ob ich nicht mal was für Tante X oder Bekannten Y empfehlen könnte und nur zu oft, muss ich dann zähneknirschend eingestehen, dass für unter 200 € einfach nichts zu finden, was meinen(!) Ansprüchen an Software-Support gerecht wird und muss dann zu den üblichen Verdächtigen aus der Motorola Moto G Serie oder zu gebrauchten ehemaligen High-End-Geräten raten.

Das Xiaomi Mi A1 kommt da wie gerufen. Es sieht hinreichend schick aus, bietet Technik jenseits aller Bedürfnisse der meisten Normalnutzer, verspricht eine auf absehbare Zeit sorglose Software-Situation und überschreitet dabei nicht die für Viele relevante Schmerzgrenze von 200 €. Ich hoffe jetzt natürlich auf mehr Kooperationen dieser Art, ganz im Geiste der ehemaligen Google-Play-Editions. Ein bisschen umweht das Mi A1 auch die Aura der früheren Nexus-Smartphones, denn wie das Nexus 4 oder Nexus 5 bietet Google so pures Android mit Update-Garantie unterhalb der Premium-Preisklasse. Wie es derzeit aussieht, scheint mein Wunsch tatsächlich auch in Erfüllung zu gehen, denn mit dem HTC U11 Life hat HTC erst vor wenigen Tagen ebenfalls ein hochwertigeres Android One Smartphone angekündigt, das sogar in Deutschland verkauft werden soll (allerdings zu einem deutlich höheren Preis und mit weniger imposanter Ausstattung). Damit wird Android One so langsam wirklich interessant und mausert sich für mich zum geheimen Themen-Highlight des Technik-Jahres 2017. Das Xiaomi Mi A1 ist dabei der derzeit mit Abstand interessanteste Ableger und aktuell mein neuer Benchmark für Smartphones in seiner Preisklasse.

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