Test: Das Galaxy S22 als Pixel 5 Nachfolger?

Ich mag mein Pixel 5. Sehr sogar. Es hat eine ungewöhnlich handliche Größe, ein 90Hz Display, eine der (immer noch) besten Smartphone-Kameras und die verbaute Technik ist mit Stand Herbst 2020 ziemlich aktuell. Design und Verarbeitung des Pixel 5 waren allerdings immer eher zweckmäßig und auch ein 120 Hz Display reizt mich. Ich hab mir seit dem Pixel 5 deshalb immer wieder andere Geräte angesehen, aber keines hat mich überzeugt. Im Februar 2022 zog dann Samsung nach und bietet mit dem Galaxy S22 einen neuen heißen Kandidaten für ein Upgrade meines Pixel 5. Nach drei Wochen im Test bin ich allerdings nicht sicher, was ich davon halten soll. Let me explain 👇

Warum überhaupt ein Upgrade?

Der Vorteil der Pixel Geräte ist, dass sie ziemlich lange mit Updates versorgt werden. Mein Pixel 5 ist deshalb noch auf der Höhe der (Software-) Zeit. Und abgesehen von kleinen Macken in der Bluetooth-Verbindung und dem bald zwei Jahre alten Akku, habe ich auch an der Hardware des Pixel 5 nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Ein Upgrade brauche ich definitiv nicht. Dass ich trotzdem zu neuer Technik schiele, liegt einzig an der Freude an neuer Technik, Interesse am Fortschritt und modernen Features. Nachhaltig ist das natürlich nicht.

Dass ich trotzdem ein Galaxy S 22 testen konnte, liegt daran, dass mir Samsung für 3 Wochen ein Leihgerät bereitgestellt hat. So habe ich mir immerhin mit vielen anderen Redaktionen „nur“ ein Gerät geteilt. Ohne jetzt völlig das Thema dieses Artikels zu verlassen: Das Thema Ressourcenverschwendung bewegt mich. So sehr, dass ich mir die letzten Jahre alternative Möglichkeiten der Techniknutzung angeschaut habe, zum Beispiel Mietmodelle von Grover. Dazu mache ich eventuell später noch einen Artikel. Aber erstmal zurück zum Galaxy S22. Das hat mein Interesse geweckt, weil es einem alten Idealbild ziemlich nahe kommt. 2017 habe ich mal gebloggt, wie mein „perfektes Smartphone“ aussähe: Ein (halbwegs) handliches Android Smartphone mit toller Kamera, tollem Display und einem Design nahe am klassischen iPhone Look. Das Pixel 5 kam dem schon ziemlich nahe, aber insbesondere das Design war nie seine Stärke.

Deshalb und vor allem wegen des neuen 120 Hz Displays hatte ich mir Ende 2021 das iPhone 13 Pro genauer angeschaut und mehrere Wochen im Einsatz gehabt. Einen Artikel gab es damals nicht (nur ein paar Tweets), weil es einfach nicht viel Spannendes zu sagen gab. Am Ende ging es aus einem einfachen Grund an den Verkäufer zurück: Es war mir schlicht zu schwer. Die Größe und das 120 Hz Display waren schon ziemlich schön. Wenn es Android gehabt hätte, hätte ich eventuell ein Auge zugedrückt, aber iOS ist und bleibt für mich eine krasse Bremse, was mein Bedienverhalten angeht. Das Google Pixel 6 habe ich mir ebenfalls länger angesehen und eine hochwertigere Verarbeitung und noch bessere Fotos erwartet. Mit dem Pixel 5 konnte es aber – wie ich im Testbericht erklärt habe – nicht mithalten.

Was bietet das Galaxy S22

Wenige Monate später kam mit dem Galaxy S22 dann ein Gerät, von dem Luxus-Youtuber sagen, es sei das „iPhone of Android„. Woher dieses Label kommt, ist ziemlich klar. Das Galaxy S22 sieht dem iPhone 13 einfach sehr ähnlich, weil es deutlich kantiger als die Samsung-Vorgänger ist und auch kein gekurvtes Display mehr hat. Außerdem ist das Galaxy S22 das „kleinste“ Galaxy seit Langem und kommt dem iPhone 13 auch in den Ausmaßen (aber zum Glück nicht im Gewicht) sehr nahe.

Und natürlich läuft auf dem Galaxy S22 Android. Zwar immer noch in einer von Samsung optisch und funktional angepasste Version, aber immerhin Android. Das Display ist auf dem Papier dem iPhone 13 Pro ebenfalls (fast) ebenbürtig und dank 120Hz jedenfalls dem Pixel 5 überlegen. Auch die Kamera des S22 kann – jedenfalls auf dem Papier – das Pixel 5 toppen, denn zur Weitwinkel- und Standardlinse (Pixel 5) gibt es beim Galaxy S22 noch ein Teleobjektiv oben drauf.

Taugt es als Pixel 5 Nachfolger?

Um es kurz zu machen: Das Galaxy S22 bezaubert zwar mit seiner Hardware, aber in der Bedienung zog es mich sehr schnell zum Pixel 5 zurück.

Kommen wir erstmals zu den positiven Punkten: Verarbeitung, Größe und Design sind toll. Das Gerät wirkt wie eine modernisierte Version des iPhone 13 Pro, wiegt aber spürbar weniger. Der Vibrationsmmotor (ein sehr unterschätzter Teil des Bediengefühls) ist Samsung ebenfalls tadellos gelungen. Das Display ist ein weiteres Highlight. Samsung typisch scharf und farbgewaltig gab es da in der S-Serie nie was zu meckern. Wirklich toll ist, dass Samsung innerhalb der S22-Serie allen Modellen das 120 Hz Display spendiert. Von 90 Hz auf 120 Hz ist der Sprung zwar nicht mehr so enorm, wie von 60 Hz auf 90 Hz, aber doch wahrnehmbar. Während ich von meinem ersten > 60 Hz Display nicht überzeugt war, habe ich mich mittlerweile so sehr daran gewöhnt, dass ich selbst die 120 Hz Bildwiederholrate sehr genieße.

Damit endet mein positives Feedback allerdings auch schon und ich muss zu den Mankos kommen. Das sind für mich die Bedienoberfläche, die Kamera und – vor allem – der Fingerabdrucksensor.

Es ist lange her, dass ich ein Samsung Gerät im Alltag genutzt habe und ich habe die Entwicklung von Samsungs Android-Version nur am Rande verfolgt. Früher™ war der Ruf ziemlich schlicht („TouchWiz“), mittlerweile höre ich aber viel Gutes über die unter „OneUI“ zusammengefassten Bemühungen von Samsung, eine moderne und eigenständige Android-Oberfläche zu entwickeln. Vor allem das Updateversprechen von vier(!) Generationen an Android-Updates setzt einen neuen Standard und überholt sogar Google.

Aber was soll ich sagen: Mir gefällt der Look einfach noch immer nicht. Es gibt keine runden Icons, die Schrift ist tendenziell kleiner als im Pixel-Android, es gibt viele kleine Symbole und insgesamt wirkt die Oberfläche immer noch zu verspielt. Viele dieser Kritikpunkte teilt sich Samsung übrigens mit iOS. Hier ein paar Screenshots vom S22 und Pixel 5 im Vergleich, damit ihr euch selbst eine Meinung bilden könnt (S22 jeweils links, mit Pixel Launcher, rechts das Pixel 5).

Der Eindruck von der Kamera war gut, aber nicht überragend. Vielleicht ist es eine Geschmacksfrage, aber die Art und Weise, wie Google seit dem ersten Pixel dynamische Reichweite und Kontrast in Fotos bewahrt, ist für mich schlicht unerreicht. Im Vergleich neigt das S22 zu einer etwas intensiveren Belichtung, was zum Verlust von Details führt. Aber immerhin: So unangenehm, wie beim iPhone 13 (Mini) ist es nicht. Don’t get me wrong: Die Fotoqualität des S22 ist toll, nur eben nicht auf dem Niveau, das ich vom Pixel (5) gewohnt bin. Hier ein Vergleichsfoto (hier in voller Auflösung):

Letztlich das größte Ärgernis war am Ende leider der Fingerabdruckscanner unter dem Display. Ich halte Samsung zu Gute, dass man statt (kritischer) Gesichtsbiometrie noch auf datensparsamere Fingerbiometrie setzt, aber was hilft das, wenn der Sensor unzuverlässig und langsam ist? Ich weiß nicht, ob ich Pech hatte oder mich blöd angestellt habe, aber trotz mehrfach neu eingescannten Fingern war das Entsperren so unzuverlässig und langsam, dass allein das mir das S22 im Dauereinsatz verderben würde. Im Grunde war der Sensor kaum besser als beim – in der Hinsicht ziemlich miesen – Pixel 6.

Fazit

Alles in allem hat das S22 zwar echtes Potential als Pixel 5 Nachfolger, vor allem wegen der Größe und des besseren Designs und Displays. Aber die Kompromisse bei Bedienoberfläche und Kamera machen es schwer. Wirklich unmöglich machte es mir dann wie gesagt der Fingerabdrucksensor.

Trotzdem anerkenne ich, was Samsung mit dem S22 bietet. Ein Topmodell in so einem handlichen Format mit einem tollen Design und so langem Softwaresupport verdient Lob. Wäre der Fingerabdruckscanner unter dem Display zuverlässiger, wäre ich schwer versucht, bei Gelegenheit zu wechseln. Vielleicht besinnt sich Samsung ja einfach auf bewährte (und einfacher zu wartende) Technik zurück und spendiert dem Nachfolger einen zuverlässigen Sensor auf der Rückseite. Im S22 ist Samsung hingegen Opfer von „Form über Funktion“.

Sad.

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