Das Google Pixel 5 – Überzeugt im Langzeittest

Das Google Pixel 5 ist seit Mitte Oktober 2020 mein täglicher Begleiter. Es hat das Pixel 3 abgelöst. Davor war ich regelmäßig mit dem Pixel 2 (XL) und den Vorgängern, den Nexus-Smartphones, unterwegs. Ich mag das „pure“ (Google-) Android. Das liegt vor allem an dem minimalistischen und flüssigen Software-Erlebnis, das Google seinen Android-Vorzeigegeräten spendiert. Seit dem Nexus 6P mauserten sich die Google Handys dann auch noch zu echten Kameratalenten, was meiner Vorliebe natürlich weiteres Futter bescherte.

Dieser Testbericht hat deshalb wohl eine etwas persönlichere Note. Trotzdem habe ich (ganz generell) keinerlei Anlass, irgendeinem Hersteller nach dem Mund zu reden. Das Pixel 5 aus diesem Review habe ich mit meinem Geld zum Vollpreis gekauft und als Google- oder Android-Fanboy würde ich mich auch nicht bezeichnen. Im Gegenteil: Zur Frage, ob Google Freund oder Feind ist, habe ich schon genauso gebloggt wie zu dessen (nicht nur) aus Datenschutz-Sicht hochproblematischem Geschäftsmodell.

Aber trotz alledem: Ich schätze die Pixel-Reihe von Google und empfehle die Geräte im Freundeskreis auch oft weiter; Aus guten Gründen, denke ich natürlich. Wer sich dafür interessiert, was diese Gründe sind und warum ich das Pixel 5 nach zwei Monaten Dauertest für ein wirklich gelungenes Gerät halte, ist in diesem Testbericht genau richtig.

Die Vorgeschichte

Das Pixel 5 ist – wie der Name erahnen lässt – das fünfte Smartphone aus der Pixel-Reihe. Mit dieser Produktreihe versucht Google – der Android-Hauptsponsor – seit 2013 für das „eigene“ Betriebssystem das zu imitieren, was Apple für iOS mit dem iPhone geschafft hat: Einen hochwertigen und begehrenswerten Archetypus zu präsentieren, der Käuferinnen in das jeweilige Ökosystem lockt. Googles Versuch, im Premium-Segment auf Apples Niveau mitzuspielen, scheiterte allerdings. Die Verkaufszahlen waren mau, die „Google Pixel“ Marke erreichte kaum Bekanntheit und an vielen Stellen konnten die Pixel Geräte auch schlicht technisch nicht mithalten, weder mit den iPhones noch mit der Android-Konkurrenz. Selbst bei wichtigen Basics wie dem Softwaresupport patzte Google (zunächst).

Das ganze änderte sich erst mit einem Strategiewechsel und dem hoch gelobten Google Pixel 3A (XL), das die Google-Stärken – primär die grandiose Kamera der Pixel-Reihe – mit einem günstigen Preis kombinierte. Das Pixel 3A, so wird spekuliert, sorgte dann auch erstmals für einen nennenswerten Absatz an Pixel-Geräten. Mit dem Pixel 4A hat Google das dann Mitte 2020 noch einmal wiederholt.

Mittlerweile scheint sich Google im Mittelklasse-Segment derart wohl zu fühlen, dass auch das aktuelle Pixel 5 nicht mehr mit Flaggschiff-Anspruch daher kommt. Stattdessen ist auch das diesjährige „Premium“-Pixel ein Gerät der (gehobenen) Mittelklasse mit einem Preis um die 600 €.

Die Stärken des Pixel 5

Das Pixel 5 ist ein 6 Zoll Smartphone mit Metallgehäuse; So weit nichts weltbewegendes. Es hat allerdings einige „einzigartige“ Stärken und dazu zähle ich

  • die – wieder einmal – tolle Fotokamera,
  • die „handliche“ Größe,
  • das herrliche 90 Hz Display,
  • die phänomenale(!) Akkulaufzeit
  • und natürlich die üblichen „Pixel-Vorteile“.

Im Einzelnen:

Zur Kamera der Pixel Reihe muss ich wohl nicht mehr viel sagen. Seit Jahren führt Google hier mehr oder weniger das Feld an. Der Abstand der Konkurrenz ist mittlerweile zwar kleiner geworden (das iPhone 12 Pro scheint mit dem neuen ProRaw Format z.B. Beeindruckendes zu schaffen). Das ändert allerdings nichts daran, dass das Google Pixel 5 in allen Lebenslagen verlässlich so hervorragende Fotos schießt, wie es derzeit nur wenige Smartphones können. Egal ob bei Nacht, mit Gegenlicht, im Portrait-Modus oder mit Stativ gen Sternenhimmel: Das Pixel 5 enttäuscht nie:

Das war bei allen bisherigen Pixel Smartphones so und ist beim Pixel 5 nicht anders. Neu ist nur, dass nun auch – endlich – eine Weitwinkel-Linse dabei ist. Die hatten sich viele schon beim (enttäuschenden) Pixel 4 gewünscht. Damals schwor Google noch Stein und Bein, dass ein Teleobjektiv wichtiger als ein Weitwinkel sei. Diese Entscheidung hat Google mit dem Pixel 5 nun revidiert und eingesehen, dass eine Weitwinkel-Linse für die meisten Käuferinnen einfach sinnvoller ist als eine Zoom-Linse. Ich sehe das genauso: Die zusätzliche Weitwinkel-Linse ermöglicht es mir bei Gruppenfotos oder Aufnahmen von Sehenswürdigkeiten und Landschaft, mehr aufs Bild zu bekommen:

Eine weiterer Pluspunkt ist für mich auch die verhältnismäßig handliche Größe des Pixel 5. Mit seiner Displaydiagonale von 6 Zoll klingt es zwar immer noch nach einem amtlichen Brett. Da die Ränder um das Display aber (endlich) sehr geschrumpft sind, kann Google das Pixel 5 trotz 6 Zoll Display in Ausmaße quetsche , die ich als gerade noch komfortabel empfinde. Meine persönliche Schmerzgrenze ist vor allem ein Breite von nicht mehr als 70 mm. Und die schafft das Pixel 5 mit 70,4 mm noch gerade so. Das Ergebnis ist ein Smartphone, das gut einhändig handhabbar ist und dennoch viel(!) Displayfläche bietet.

Das Display im Pixel 5 ist eine weitere Stärke. Für um die 600 € bekommt man ein angenehm scharfes (430 Pixel/Zoll) OLED-Display mit kräftigen Schwarzwerten, guter Farbdarstellung und konkurrenzfähiger Helligkeit. Das Highlight ist aber natürlich die 90 Hz Bildwiederholrate. Während übliche Displays aktuell oft noch mit 60 Hz arbeiten, liefert das Pixel 5 ein sehr viel flüssigeres und reaktionsschnelleres Bediengefühl. Animationen, Bewegungen und vor allem scrollender Text bleiben so selbst bei sehr flotter Bedienung für das menschliche Auge ruhiger und klarer. Nach einigen Wochen mit dem 90 Hz Display möchte ich jedenfalls nicht wieder dauerhaft zu 60 Hz Displays zurück und merke das aktuell z.B. bei meinem neuen iPad Air (2020) ziemlich deutlich (Review folgt).

Noch umwerfender als das Display ist die Akkulaufzeit. Hier hat Google definitiv aus den Fehlern des Pixel 4 gelernt und dem Pixel 5 einen richtig fetten Akku mit 4080 mAh spendiert. Das Resultat ist eine über jeden Zweifel erhabene – ich würde sogar sagen: phänomenale – Laufzeit. Während ich mit meinem Pixel 3, dem iPhone SE (2020) oder anderen Smartphones gern vor dem Feierabend nach der Steckdose suchte, komme ich mit dem Pixel 5 derart entspannt in die Nacht oder den nächsten Tag, das ich angefangen habe, zu vergessen, wann ich das Ding eigentlich das letzte mal geladen habe. Klar, es gibt immer noch ausdauerndere Handys, aber was das Pixel 5 in Sachen Akku abliefert, überzeugt auf ganzer Linie: Bravo, Google 💯

Auf der „Haben-Seite“ bleiben am Ende natürlich noch die üblichen Vorteile der Pixel-Reihe. Wer auf zeitnahe und verlässliche Software-Updates Wert legt, kommt um die Pixel-Reihe nach wie vor nicht herum. Zu Beginn jeden Monats gibt es taufrisch und verlässlich die monatlichen Sicherheitspatches. Jeden Herbst gibt es früher als für alle anderen die Updates auf die neuen Android-Versionen. Dazu kommen die regelmäßigen „Pixel-Drops“, Software-Updates mit denen Google die Pixel-Smartphones mit neuen Features versorgt. Und das alles garantiert für drei Jahre (Android-Versionen) bzw. vier Jahre (Sicherheitspatches). Bei vielen Herstellern hat sich in den vergangenen Jahren zwar viel Gutes in Sachen Software-Support bewegt und generell geht Android insgesamt Schritte in eine gute Richtung. Vorerst ist man aber nirgendwo auf Jahre so zuverlässlich versorgt wie bei den Pixel-Smartphones.

Für mich persönlich nicht relevant ist hingegen der unterstützte 5G Funkstandard. Da dürften noch Jahre ins Land ziehen, bis ich das als erhebliches Kaufkriterium in meinen Reviews anspreche.

Die Schwächen des Pixel 5

Das Pixel 5 kostet trotz seiner vielen Stärken „nur“ um die 600 Euro. Gegenüber den mittlerweile üblichen Flaggschiff-Preisen weit jenseits der 800 Euro Marke ist das also spürbar weniger. Wirklich günstig ist das Pixel 5 deshalb aber auch noch nicht. Trotzdem musste Google seiner Entscheidung für diesen „Mittelklasse-Weg“ einige Dinge opfern, die vorherige Pixel-Geräte an Bord hatten oder die in der Flaggschiff-Klasse eigentlich üblich sind.

Die Verarbeitung zum Beispiel ist eher zweckmäßig. Das Gehäuse ist zwar aus Metall, aber mit einer Lackierung überzogen, die es weich und gummiert wirken lässt. Das fühlt sich zwar angenehm und griffig an, aber nicht klassisch hochwertig. Das Design ist gleichermaßen unscheinbar. Extravaganz gab es bei Googles Pixel-Reihe ja noch nie, aber in der Vergangenheit gab es immerhin kleine optische Details wie das knallorangene Pixel 4 (XL) oder den Panda-Look des Pixel 2 (XL).

Das Pixel 5 hingegen gibt es nur in ödem Schwarz oder einer merkwürdig grün-grauen Farbe (Google nennt sie „Sage“):

Da ich zu Kontrasten neige, habe ich mich für die grün-graue Version entschieden und bin damit auch glücklich, aber jederfraus Sache ist das sicher nicht. Keine Probleme hatte ich hingegen mit der Fertigungsqualität selbst. Kurz nach dem Verkaufsstart gab es reichlich Beschwerden über problematische Spaltmaße. Ich hatte bisher zwei Geräte in eigener Nutzung und ein weiteres im Freundeskreis, ohne dass ich Probleme bei den Spaltmaßen bestätigen könnte. Das ist natürlich nicht repräsentativ. Meine persönliche Erfahrung würde mich aber dennoch nicht abhalten, dem Pixel 5 eine Chance zu geben.

Richtig mithalten konnte Google mit der Verarbeitung der Apple Konkurrenz wie gesagt nie, in einzelnen Details gab sich Google aber bisher immerhin etwas Mühe. Als Resultat waren bei den Pixel-Vorgängern der Vibrationsmotor und das haptische Feedback wirklich gelungen. Das ist nun ebenfalls dem Sparkurs zum Opfer gefallen. Zwar konnten auch die Vorgänger nie ganz mit der „Taptic Engine“ der iPhones mithalten, das Pixel 5 versucht das aber nicht einmal mehr. Der verbaute Vibrationsmotor ist stattdessen wieder ein ganz gewöhnlicher Vertreter seiner Art und das haptische Feedback nur noch guter Durchschnitt.

Einen weiteren „Rückschritt“ bringt auch das neue (fast) randlose Design mit sich. Ihm ist der obere Front-Lautsprecher zum Opfer gefallen. Der ist jetzt unter das Display gewandert und liefert eher einen leisen, scheppernden Sound. Von dem ziemlich satten Stereo-Ton der Vorgänger ist deshalb nicht mehr viel übrig. Im Querformat hört man ziemlich deutlich, dass der Ton primär aus dem unteren Lautsprecher kommt: Stereo, ja. Aber mit deutlichem Gewicht auf den unteren Lautsprecher. Das ist allerdings nichts zwangsläufig eine Folge von Einsparungen, sondern schlicht das Resultat der Entscheidung für die schmalen Displayränder. Wer die Pixel Phones bisher für ihren Stereoton geschätzt hat, sollte das aber im Hinterkopf behalten.

Ein weiteres Opfer des „Sparzwangs“ ist der Verzicht auf den Pixel Core, den zuvor verbauten Hilfs-Prozessor, der den Pixel-Vorgängern dabei half, die komplizierten Bildberechnungen durchzuführen, die Googles Kamera-App beim Foto-Schießen braucht. Ohne den Pixel Core muss die ganze Arbeit jetzt der Snapdragon 765G übernehmen. Google behauptet zwar, dass der verbaute Hauptprozessor schnell genug ist, so dass man den „Pixel Core“ nicht vermissen sollte. Das kann ich aber nicht bestätigen. Meiner Wahrnehmung nach brauchen Nacht- und Portrait-Modus und generell der HDR-Look ein bisschen länger und die Kamera-App schießt in weniger schneller Folge neue Fotos. Im Alltag stört mich das nicht wirklich, aber eine Stärke ist das natürlich auch nicht. Im Übrigen kann ich – insbesondere im Vergleich zu meinem vorher genutzten Pixel 3 – im Alltag keinerlei Leistungsprobleme feststellen. Der Snapdragon 765G liefert zusammen mit den 8 GB die übliche butterweiche Bedienung, die man von Pixel Smartphones kennt.

Als letzten – meiner Meinung nach – relevanten Kompromiss würde ich das Fehlen einiger (bisheriger) Google Bonusfeatures nennen. Bis zum Pixel 4 spendierte Google zum Beispiel freien Fotospeicher für alle Fotos, die vom Smartphone in der Cloud gespeichert wurden. Diesen Bonus hat Google bereits mit dem Pixel 3A gestrichen und er ist auch beim teuersten 2020er Google-Phone, dem Pixel 5, abwesend. Als kleines Trostpflaster bekommen Käuferinnen des Pixel 5 aber 6 Monaten Google One für 99 Cent/Monat.

Wer sollte das Pixel 5 kaufen?

Das alles führt uns natürlich zu der Frage, wer sich ein Pixel 5 zulegen sollte. Wenn ich oben von „einzigartigen“ Stärken geschrieben habe, dann habe ich die Anführungszeichen bewusst gewählt. Es gibt natürlich Smartphones, die das Pixel 5 in einzelnen Disziplinen schlagen. Das (von MKBHD jüngst zum Smartphone des Jahres gewählte) Samsung Galaxy S20 „Fan Edition“ z.B. kommt sogar mit einem 120 Hz Display daher. Es ist dafür weniger handlich und Samsungs Software ist für mich persönlich einfach nix. Das OnePlus 8T hingegen hat den schnelleren Prozessor, hinkt aber in Sachen Kamera hinterher. Beide – nur beispielhaft genannten – Geräten sind je nach Vorlieben aber dennoch starke Konkurrenten und letztlich ist das Pixel 5 wie immer für alle jene meine Empfehlung, die grandiose Fotos, pures Android und langfristige Updates schätzen.

Allerdings bekommt man all das auch beim aktuellen „Budget-Pixel“, dem Pixel 4A, das aktuell oft für 299 Euro im Angebot ist. Verzichten muss man dabei im Gegensatz zum Pixel 5 „nur“ auf wenige relevante Dinge, wie drahtloses Laden, einen etwas schnelleren Prozessor und 5G-Kompatibilität. Das Pixel 4A ist zudem noch schmuckloser und etwas pummeliger. Dennoch. Wer sich aufgrund der klassischen Pixel-Stärken für das Pixel 5 interessiert, sollte sich vor allem die Google-Konkurrenz aus Richtung des Pixel 4A anschauen. Wer hingegen das derzeit handlichste und best ausgestattete Pixel-Phone sucht, der greift zum 5er.

Für mich persönlich ist das Pixel 5 seit Oktober eine pure Freude. Endlich liefert Google ein Pixel-Smartphone in zeitgemäßer Optik, mit tollem Display und grandioser Akkulaufzeit. Zusammen mit den typischen Pixel-Stärken, die für mich im Android-Bereich einfach echte Killerfeatures sind, ist das Pixel 5 das beste Pixel bisher!

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