Google Nexus 5: Ein Nachruf zum Verkaufsende

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Kein Smartphone hat mich so lange begleitet wie das Nexus 5. Seit Januar 2014 ist es mein Android-Gerät der Wahl. Länger habe ich es mit keinem anderen mobilen Begleiter ausgehalten. Dabei gab es genug Gelegenheiten zum Wechsel. Aber egal ob Motorola, HTC oder Samsung: am Ende landete ich immer wieder bei Googles (Ex-) Flagschiff. Seit März 2015 verkauft Google das Gerät nicht mehr. Zeit für einen Nachruf für mein persönliches „best Android Smartphone ever“.

Aus einem Kurzbesuch wird ein Zuhause

Das Nexus 5 begann seinen Siegeszug durch die Android-Herzen im Oktober 2013. Der Start war dabei nicht frei von Hürden. Das Nexus 5 war und ist bekannt für klapprige Tasten, Lichthöfe am Displayrand und rasselnde Vibrationsmotoren. Viele dieser Schwachstellen habe ich am eigenen Leib erfahren und in meinem Langzeittest zum Nexus 5 kommentiert.

Dabei war das Nexus 5 für mich eigentlich nur als Kurzbesuch geplant. Als ich Anfang 2014 mein erstes Nexus 5 bestellte, hatte ich mit Android eigentlich lange abgeschlossen. Nach Jahren voller Frust mit Samsung Smartphones, instabilem Android und täglichem Kampf mit Cyanogenmod-Nightlies war das Jahr 2013 fast ausschließlich durch iPhones und Windows Phones geprägt. Dann aber kam das Moto G der ersten Generation und zum ersten mal seit Langen wirkte Android (damals noch 4.3 „Jelly Bean“) auf mich erstaunlich brauchbar, flüssig und zuverlässig. Wie es sich für einen richtigen Technikfan gehört, gab ich mich nicht lange mit Einsteigerkost zufrieden und so wurde das Moto G schnell vom Nexus 5 abgelöst. Seitdem gibt es für mich keinen Androiden, der meinem Ideal-Smartphone so nahe kommt.

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Immer noch Referenz: Mehr Display bekommt man kaum in dem Format

Das Nexus 5 besteht fast nur aus Display. Knapp 73 Prozent der Front sind Bildschirmfläche und damit ist das Nexus 5 noch heute ganz oben dabei. Das Gehäuse selbst kann man wahlweise als langweilig oder schlicht bezeichnen, aber mit nur 130 Gramm, dem kantigen Design und dem matten Finish, ist es für mich nach wie vor einmalig griffig und angenehm in der Handhabung. Mit 4,95 Zoll und dem minimalen Gehäuserand um das Display ist das Nexus 5 für mich zwar das Maximum dessen, was ich im Alltag als handlich empfinde, aber bietet dafür einmalig viel Raum für seine Ausmaße. Dank Full-HD Auflösung kommt das Nexus 5 auf 441 Pixel pro Zoll. Für mich war es das erste Smartphone mit derart hoher Pixeldichte und hat mich binnen Wochen von dem (Apple-gefütterten) Irrglauben befreit, dass ich mehr als 300 PPI ohnehin nicht bemerken würde.

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Handlich, stilvoll, kompakt: Das Nexus 5

Auch die Kamera des Nexus 5 hat seit dem Auslieferungszustand (Android 4.4 „KitKat“) einiges an Qualität und Performance hinzugewonnen. Sie ist schnell, macht sehr brauchbare Bilder und ist dank optischem Bildstabilisator auch für recht kurze Belichtungszeiten zu haben. Wer sich für Details interessiert, der findet Vergleichsbilder in meinem iPhone 6 Review oder in meinem Artikel über Mythen und Vorurteile bei Smartphone-Kameras.

Außerdem ist das Nexus 5 schnell. Verflixt schnell. Der Mix aus purem Android und Snapdragon 800 ist in meinen Augen immer noch als Richtwert für ruckelfreie Bedienung geeignet. Es gibt zwar längst neuere Prozessoren, aber kaum ein Gerät hat es in der Vergangenheit geschafft, das Nexus 5 zu deklassieren. Binnen kurzer Zeit wurde mein iPhone deshalb zum Fotohandy für Urlaubsreisen und zum mp3-Player im Fitnessstudio degradiert. Das Nexus 5 schaffte mit seinem hochauflösenden Display, der sahnemäßigen Performance und dem handlichen Gehäuse das, was kein anderer Androide vorher schaffte: Es holte mich zurück in die Google-Welt.

Nicht perfekt, aber unerreicht gut

Das Nexus 5 ist wahrlich nicht perfekt. Der fehlende SD-Speicherplatz, die „nur gute“ Kamera, die mäßige Akkulaufzeit und die stellenweise etwas gepfuschte Verarbeitung sind sicherlich nur einige seiner Nachteile. Seit Beginn 2014 hatte ich reichlich Gelegenheit, zum Wechseln. Egal ob Galaxy S5, LG G3, Oneplus One oder HTC One (M8): Alle Geräte durfte ich im Direktvergleich testen. Jedes Mal wurden mir einzelne Schwächen des Nexus 5 klar. Das Galaxy S5 bietet die mit Abstand bessere Kamera, krankt dafür am trägen Touchwiz. Das LG G3 umwirbt mich mit Pixeldichte-Overkill, ist aber viel zu unhandlich. Das Oneplus One knabbert am Preis-Leistung-Thron, kann aber nicht mit dem Updateservice durch Google mithalten. Wirklich gefährlich wurden dem Nexus 5 nur das HTC One (M8) und die Moto X Reihe von Motorola.  Das Moto X (2013) litt auf Dauer aber zusehendst unter Leistungsproblemen und das Moto X (2014) wurde mir mit 5,2 Zoll schlicht zu groß. Das HTC One (M8) schließlich schlug mit 160 Gramm Gewicht, ausufernd länglicher Bauform und Krümel-Kamera zu Buche und konnte sich ultimativ auch nicht gegen das Nexus 5 durchsetzen.

Das Ende vom Lied: Ich bin nicht nur immer noch glücklicher Besitzer eines Nexus 5, sondern habe zwischenzeitlich sogar mein ursprünglich schwarzes Gerät gegen ein rotes getauscht, als es ein gutes Angebot im Abverkauf der Nexus 5 Serie gab. So sehr überzeugt mich das Gesamtpaket aus Displayqualität, Handlichkeit und Softwareperformance, dass ich beim Wechsel auf das rote Nexus 5 sogar 3 verschiedene Geräte bestellte, um endlich ein Exemplar ohne Wackeltasten zu erhalten. Dank drahtlosem QI-Laden stört mich persönlichen auch die schwache Laufzeit kaum.

Nach über 14 Monaten gibt es derzeit für mich tatsächlich kein Android-Smartphone, das ich lieber nutzen würde.

Was kommt nach dem Verkaufsende?

Nach einigen Andeutungen im Vorfeld ist das Nexus 5 nun endgültig aus dem Google Store verschwunden und wurde komplett durch den Nachfolger, das Nexus 6, ersetzt. Das Giganto-Phone ist für mich in keinster Weise eine Alternative, so dass ich mich frage: Was kommt nach dem Verkaufsende auf mich als Nexus 5 Nutzer zu?

Einerseits wäre da die Software-Seite. Google spricht im Allgemeinen davon, die Geräte seiner Nexus Serie 18 Monate mit Updates zu versorgen. Beim Nexus 4 hat es diesen Zeitraum sogar überschritten und Android 5 „Lollipop“ 2 Jahre nach Verkaufsstart noch auf das Nexus 4 ausgerollt. Es führt jedoch kein Weg daran vorbei: Bei pessimistischer Prognose ist Android 5.1 das letzte offizielle Update für das Nexus 5, mit optimistischerem Blick dürfte auch Android 6 im Herbst 2015 noch zu erwarten sein. Aber danach wird es eng und es bleibt wohl nur der Weg über Cyanogenmod und Co.

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Wird es ein Wiedersehen geben?

Auf der Hardware-Seite frage ich mich deshalb: Wird es wieder ein 5 Zoll Nexus von Google geben? Ich würde mir genau das wünschen. Mit Blick auf das Nexus 9 Tablet sehe ich auch ordentlich Raum für ein verbessertes neues Nexus 5. Ein solches Gerät, nennen wir es Nexus 5 (2015), könnte in Anlehnung an den Tablet-Verwandten ebenfalls einen schicken Metallrahmen und Stereo-Frontlautsprecher erhalten. Zusammen mit einem Upgrades der Leistungsdaten und etwas mehr Kameraqualität wäre ich auch bereit, tiefer in die Tasche zu greifen. Das Nexus 5 ist nämlich auch das letzte Nexus, das mit einem verblüffend geringen Preis glänzen durfte. Diese Tage sind mit dem Nexus 9 und dem Nexus 6 gezählt, so dass ich davon ausgehe, dass ein eventueller Nachfolger mit 5 Zoll Display kein Schnäppchen mehr sein wird.

Bis dahin kann ich nur empfehlen, die Augen nach Angeboten in Abverkaufaktionen offen zu halten. Das Nexus 5 wird noch einige Zeit als Restposten bei Einzelhändler über die Theke gehen und von meiner Seite aus gibt es auch 2015 eine klare Empfehlung für das Nexus 5: Das letzte handliche Smartphone mit Nexus-Preisschild aus dem Hause Google.

See you in the comments!

2 Kommentare
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  2. Malte

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