Lumia 920 Review: Wie schlägt sich das (noch) Flagschiff 2014?

920Header6Alte Liebe rostet nicht. Unter diesem Motto werfe ich einen 2014er Blick auf das 2012er Windows Phone 8 Flagschiff. Fast eineinhalb Jahre nach seinem Debüt im November 2012 ist das Nokia Lumia 920 immer noch eines der am besten ausgestatteten Geräte im Windows Phone 8 Bereich. Vieles hat sich seitdem verändert und ich frage mich: Wie schlägt sich das Gerät Anfang 2014?

Inhaltsverzeichnis

1. Bisschen spät, oder?

2. Die Hardware
2.1 Das 920 im Alltag
2.2 Das Display
2.3 Die Akkulaufzeit
2.4 Die Kamera
2.5 Fazit: Retro oder Antiquität?

3. Die Software, heute und morgen
3.1 Über Tote spricht man nicht schlecht
3.2 Nokias Features im Lumia 920
3.3 Windows Phone 8 auf dem 920 im Alltag

4. Fazit und Ausblick

1. Bisschen spät, oder?

Das Lumia 920 wurde im November 2012 veröffentlicht und war damals ein hochgelobtes Gerät. Es gewann unter anderem den Leserpreis „Smartphone of the year 2012“ bei Engadget. Seitdem sind fast zwei Flagschiff Generationen vergangen. Warum also jetzt noch einen vertiefenden Blick auf das Lumia 920 werfen? Die Antwort ist einfach: Es gibt schlicht kein aktuelleres WP8 Smartphone. Das im Frühjahr 2013 vorgestellte Lumia 925 ist technisch mit dem 920 nahezu identisch und ersetzt lediglich das Äußere durch ein etwas dünneres, teilweise aus Aluminium bestehendes Gehäuse. Für das im Sommer 2013 vorgestellte Lumia 1020 gilt das Gleiche: Dort wurde dem 920 einfach eine große Kamera angeklebt. Unberücksichtigt lasse ich dabei das Lumia 1320 und 1520, die ich als Phablets nicht in der Rubrik „Phone“ zähle. Das bedeutet: Alle aktuellen Windows Phone 8 Smartphones sind letztlich Lumia 920 Varianten.

Wer also aktuell ein Windows Phone 8 Flagschiff kaufen möchte, der muss sich fragen: Was hat das Lumia 920 im Jahr 2014 noch zu bieten?

Die Technik im Nokia Lumia 920
Displaygröße 4,5 Zoll
Auflösung 1280 x 768 Pixel (332 PPI)
Gehäuse 130.3 x 70.8 x 10.7, 185 gramm
Prozessor Qualcomm Snapdragon S4 Plus 2 x 1,5 GHz
Arbeitsspeicher 1 GB
verbauter Speicher 32 GB, nicht erweiterbar
Kamera 8 MP optisch stabilisierte Rück- und 1,3 MP Vorderseite, Dual-LED-Blitz
Akku 2000 mAh (fest verbaut), drahtlos ladbar (Qi-Standard)
Farben schwarz, weiss, gelb, rot, grau, cyan
Datennetz LTE und HSDPA mit max. 50 Mbit/s
WLan 802.11 a/b/g/n
Bluetooth 4.0 mit A2DP und LE
GPS A-GPS und GLONASS
NFC Ja
Sensoren Annäherungssensor, Digitaler Kompass, Lagesensor, Lichtsensor
Betriebssystem (Stand: 15.03.2014) Windows Phone 8 GDR3/Nokia Black
Preis ca. 300 – 350 € im Geizhals-Durchschnitt

2. Die Hardware

Als das Lumia 920 vor fast eineinhalb Jahren vorgestellt wurde, beeindruckte es mit aktuellsten technischen Daten und auch das Design war mit seinen bunten Farben und der runden Formen ein echtes Unikat. Vieles davon, aber nicht alles ist auch heute noch zutreffend.

2.1. Das 920 im Alltag

Ich habe das Lumia 920 die letzte Woche ausführlich im Alltag benutzt und im Hinterkopf immer mit den aktuellen Flagschiffen der anderen Betriebssysteme verglichen (namentlich dem Nexus 5 und dem iPhone 5).

Was auf jeden Fall von der ersten Minute an auffällt, ist das hohe Gewicht des 920. Mit 180 Gramm ist es gut 50 Gramm schwerer als die meisten aktuellen High-End Geräte. Jeder iPhone 5/5C/5S Nutzer kann sich einmal vier 2-Euro-Stücke und zwei 1-Euro-Stücke an sein iPhone kleben und bekommt ein gutes Gefühl von dem Gewichtsunterschied. Ist das nun gut oder schlecht? Grundsätzlich habe ich nichts gegen ein massives und kompaktes Gefühl in der Hand und das hohe Gewicht passt definitv zur runden und bulligen Optik. Trotzdem: Wer aktuellere Geräte gewohnt ist, der wird beim Umgang mit dem 920 merken, dass deutlich mehr Gewicht in der Hand liegt. Einen echten Grund für diese Masse gibt es zudem nicht. Nokia hatte zwar bei der Vorstellung des Lumia 925 gesagt, dass das 925 nur dank des eingesparten drahtlosen Laden dünner und leichter als das 920 sei. Wer aber weiß, wie winzig die Induktionsspulen im 920 sind, der kann das eigentlich nicht ernst nehmen.

Das 920 kommt in vielen Farben daher, aber leider sind nur das schwarze, graue und blaue Modell matt. Die Farben rot, weiss und gelb sind nur in glossy Klavierlack verfügbar. Zusammen mit der rundlichen Bauweise und der eher rutschigen Oberfläche der glossy Farben sorgt das hohe Gewicht meiner Meinung nach für ein tendenziell rutschiges Gerät. Nicht umsonst erzielt das matt blaue (cyan) Modell bei eBay nach wie vor auch überdurchschnittlich hohe Preise. Immerhin lackiert Nokia die Lumias aber nicht nur, sondern nutzt komplett durchgefärbtes Plastik. Kratzer sind daher nicht allzu dramatisch.

Die meisten Farben kommen leider in Klarlack-Optik daher

Die meisten Farben kommen leider in Klarlack-Optik daher

Ansonsten kann ich über das Gerät aber nur Positives sagen. Die Verarbeitung ist tadellos. Das nahtlos ins Gehäuse übergehende Displayglas ist designmäßig genau so ein Hingucker wie bei der ursprünglichen Veröffentlichung und die Knöpfe an der rechten Seiten bieten einen satten und angenehmen Druckpunkt. Einen SD-Kartenslot bietet das Lumia 920 nicht, aber solange Windows Phone 8 es nicht erlaubt, Apps auf der SD-Karte zu installieren, ist der mir ohnehin nicht besonders wichtig.

Das runde, fließende Design ist nach wie vor einzigartig

Das runde, fließende Design ist nach wie vor einzigartig

Die Oberseite mit microSIM und Kopfhöreranschluss

Die Oberseite mit microSIM und Kopfhöreranschluss

Die Unterseite mit microUSB

Die Unterseite mit microUSB und Lautsprecher

Die linke Seite

Die linke Seite

Die rechte Seite mit Kamera-, Power- und Lautstärkeknöpfen

Die rechte Seite mit Kamera-, Power- und Lautstärkeknöpfen

Die Sprachqualität ist wie für Nokia typisch auch beim 920 tadellos, der microUSB-Port am Boden wirkt sehr solide und der Kopfhörer-Anschluss am oberen Ende ist von der Platzierung her für meinen Geschmack ideal. Beim 920 sind die klassischen drei Windows-Tasten (zurück, Home, Suche) übrigens beleuchtet – das gefällt. Die Lautsprecher sind dank des massigen Gehäuses meinem Gehör nach überdurchschnittlich voluminös und „druckvoll“.

Hat man sich nach einigen Tage einmal an das Gewicht gewöhnt, kann das Gerät seinen Charme entfalten und man erhält ein optisch einmaliges Gerät, dass in Sachen Handhabung und Verarbeitung nicht nur mit aktuellen Flagschiffen mithalten kann, sondern nach wie vor Maßstäbe darin setzt, wie Kunststoff-Gehäuse aussehen können.

2.2 Das Display

Das Display ist mit 4,5 Zoll und 1280×768 leider nur noch Durchschnitt. Sogar das Moto G bietet mittlerweile als Android-Einsteiger-Gerät ein ähnlich gutes Display. Hier merkt man dem Lumia 920 aktuell sehr deutlich an, dass es aus einer vergangenen Smartphone Epoche stammt. Gegen die aktuellen 5 Zoll Full HD (1920×1080) Displays kann es in Bezug auf Größe und Pixeldichte nicht antreten.

Das Verhältnis von Display zu Gerätegröße ist nicht mehr zeitgemäß

Das Verhältnis von Display zu Gerätegröße ist nicht mehr zeitgemäß

Das Display wäre im Grund aber kein großes Problem, denn die gebotene Pixeldichte von 332 PPI ist im Grunde nach wie vor für viele Nutzer völlig ausreichend. Zudem sind 4,5 Zoll grundsätzlich immerhin noch mit einer Hand zu bedienen. Hier kommt der zweite größere Nachteil des 920 (und auch des 925 und 1020) zum Tragen: Das Display-zu-Gehäuse-Verhältnis. Somospostpc hat vor einiger Zeit gängige Smartphones dahingehend verglichen, wieviel Prozent der Gerätefront tatsächlich vom Display eingenommen werden. Das Resultat: Während bei aktuellen Geräten wie dem LG G2 oder dem Nexus 5 über 70 % der Front vom Display eingenommen werden, sind es bei den Lumias kaum 60 %. Mit anderen Worten: Das Lumia ist ein großes Handy mit wenig Display, was in viel Bezel (Seitenrand) resultiert. Die eigentlich handliche Displaygröße wird damit genauso schwer mit einer Hand bedienbar wie gleich große Geräte, die weniger verschwenderisch mit dem Platz umgehen. Heute würde in demselben Gehäuse vermutlich ein 4,7 bis 5 Zoll Display Platz finden.

Folien sind nur schwer bis über die Rundung verlegbar

Folien sind nur schwer bis über die Rundung verlegbar

Sehr ansprechend finde aber ich nach wie vor, wie sich das Displayglas an den Rändern nahtlos in das runde Gehäuse einschmiegt. Diese Rundung hat für alle Freunde von Displayfolien allerdings auch Nachteile. Ich habe in meinem Artikel zu Displayschutzfolien bereits ausgeführt, dass Folien für mich optisch kein Nachteil sind, wenn sie gut verlegt werden und einen Mehrwert beim Verkaufspreis und täglichem Schutz bieten. Auch für dieses Review hat mich handynow wieder mit Folien versorgt. Dafür erneut ein herzlicher Dank und eine Empfehlung für deren Support und Qualität.

Da alle normalen Folien über Adhäsion am Display halten, decken die Folien beim Lumia 920 in der Regel nur den flachen Bereich ab, so auch die Folien von mumbi (meine Folien der Wahl seit Jahren). Beim 920 führt das dazu, dass die Rundung an den Seiten des Glases leider ungeschützt bleibt. Das ist wie gesagt konstruktionsbedingt und nur durch teurere Folien mit Feuchtklebung zu umgehen. Auf der positiven Seite. Obwohl das Lumia 920 nur ein LCD-Display hat, sind die Schwarzwerte extrem gut und dank besonders sensitiver Technik lässt sich der Display auch mit Handschuhen bedienen.

2.3 Die Akkulaufzeit

Der Akku des Lumia 920 hat ebenso seine guten und schlechten Seiten. Sehr positiv ist, dass Nokia bereits 2012 den Trend zum drahtlosen Laden erkannt hat und mit dem QI-Standard auf den meisten gebräuchlichen Ladematten und -kissen geladen werden kann. Dank der verhältnismäßig geringen Kapazität von nur 2000 mAh ist der Akku auch angenehm schnell geladen. Bei starker Nutzung ist er dafür aber auch schnell leer. Insgesamt ist mein Fazit beim Akku, dass die Laufzeit durchschnittlich bis unterdurchschnittlich ist. Mit viel aktivem Display, WLan und Bluetooth nähere ich mich gegen Nachmittag oft den 20 %, während Konkurrenten es meist bis in den Abend schaffen.

Der Akku macht bei starker Nutzung eher schnell schlapp

Der Akku macht bei starker Nutzung eher schnell schlapp

Wirklich kritisch wird es aber, wenn man auch Features wie „Glance“ (auf Deutsch „Blick“) und Double-Tap-To-Wake nutzt. Dadurch sinkt die Laufzeit erheblich und oft war bei mir schon nach dem Mittag Nachladen angesagt. Wie gesagt: Das gilt für sehr starke Nutzung. Trotzdem ist der negative Einfluss dieser Features auf den Stromverbrauch des 920 deutlich. Das 925 und 1020 sind in dieser Hinsicht dank ihrer Amoled-Displays nicht ganz so stark betroffen.

2.4 Die Kamera

Nach so viel Gemecker eilt die Kamera zur Rettung. Ohne lange Umschweife: Die Kamera vom 920 ist auch eineinhalb Jahre nach Release noch hervorragend. Das liegt aber nur teilweise an der verbauten Linse und dem Sensor, sondern auch an der phantastischen Nokia Camera App. Die Möglichkeiten, Fokus, Belichtungsdauer, ISO-Werte etc. einzustellen, erlauben nicht nur extrem vielseitige Einstellungen, sondern sind gleichzeitig auch sehr intuitiv in der Software umgesetzt. Wo ich die Kamera Software vom Z1 Compact aufgrund der zu verspielten und komplizierten Nutzeroberfläche kritisiert habe, glänzt die Kamera der Lumias in allen Disziplinen.

Hervorragend: Die Nokia Kamera App

Hervorragend: Die Nokia Kamera App

Zusammen mit dem tollen dedizierten Kamera-Button, der mit Zwei-Wege-Druckpunkt erst fokusiert und dann auslöst sind so wirklich sehr gute Bilder möglich. Die optische Bildstabilisation und die tolle Low-Light-Performance kommen oben drauf und im Ergebnis sitzt Nokia daher in meinen Augen zu Recht auf dem Thron der Smartphone-Kameras.

Die Kamera macht hervorragende Bilder

Die Kamera macht hervorragende Bilder

Allerdings muss hier auch angemerkt werden, dass für wirklich anspruchslose Point-And-Shoot-Nutzer die etwas träge Start- und Auslösezeit ein Negativmerkmal sein kann. Besonders die Kamera vom iPhone wirkt hier deutlich flinker. Wer also weniger Wert auf Feintuning seiner Bilder legt und mehr darauf achtet, schnell und spontan für Schnappschüsse bereit zu sein, profitiert von der Kamera des Lumia 920 nicht so stark.

2.5 Fazit: Retro oder Antiquität?

Mein Fazit zur Hardware ist insgesamt zwiegespalten. Das Design ist unverändert anziehend, die Verarbeitung nach wie vor Referenzklasse und die Kamera hat nichts von ihrem Charme verloren. Das Display ist aber mehr als alles andere bereit für ein Upgrade und erst Recht die geringe Ausnutzung des großen Gehäuses ist nicht mehr zeitgemäß.

Auf dem schmalen Grad zwischen Retro-Charme und veralteter Antiquität hält das Lumia 920 zwar noch die Balance, aber es wird höchste Zeit, dass Microsoft sein Line-Up technisch aktualisiert und vor allem äußerlich abspeckt. Das leider nur in den USA erhältliche Lumia Icon macht vor, wie zeitgemäße Windows Phone 8 Hardware aussehen kann.

3. Die Software, heute und morgen

Während der Zahn der Zeit deutlich an der Hardware des Lumia 920 genagt hat, ist die Software eines Smartphones natürlich nicht statisch. Seit dem Release des 920 gab es drei große General Distribution Releases von Microsoft, flankiert von Updates durch Nokia. Aktuell läuft auf den Lumias GDR3 samt Nokia Black und viele kleine Verbesserungen haben das Ziel verfolgt, Windows Phone 8 aktuell zu halten.

3.1. Über Tote spricht man nicht schlecht

Wer meine Beiträge verfolgt, der wird gesehen haben, dass ich mich bereits ausführlich zu Windows Phone 8, dessen aktuellen Zustand und erwartete Entwicklung geäußert habe. Im zweiteiligen Review zum Lumia 520 (Teil 1 und Teil 2) habe ich die Schwächen des Betriebssystem ausführlich beleuchtet. Trotzdem macht Windows Phone 8 vieles richtig, droht aber wichtige Trends zu verschlafen, wenn nicht zügig ein grundlegendes Update kommt.

Nach dem Motto „über Tote soll man nicht schlecht reden“ will ich daher auch nicht erneut auf Windows Phone 8 einschlagen und mich hier kurz halten: Die großen Kritikpunkte sind auch beim Lumia 920 unverändert vorhanden. Wichtige Features wie VPN, CardDAV oder ein stimmiges Benachrichtigungskonzept fehlen. Die Live Tiles sind optisch verlockend, im Alltag aber schnell auch limitierend. Sie aktualiesieren nur alle 30 min. und werden nicht umsonst gern als Delay-Tiles verspottet. Ohne zentrales Benachrichtigungskonzept steht man oft vor der Herausforderung, alle Kacheln abzuklappern, um die eine App zu suchen, die sich gerade gemeldet hat. Hinzu kommt die nach wie vor völlig chaotische Einstellungs-App, ein viel zu spartanischer E-Mail Client und die immer noch unverkennbare Leere im Microsoft App Store (Threema? Hallo?!). Auch Nutzer, die stark in Googles Dienste wie Drive oder Hangouts investiert sind, haben es bei WP8 nach wie vor schwer. Bis auf einige Drittanbieter, die alternative Apps für Googles Dienste anbieten, herrscht in dieser Hinsicht Ebbe.

Mehr Info auf einen Blick: WP8

Mehr Info auf einen Blick: WP8

Aber auch die Stärken von Windows Phone 8 sind auf dem 920 so stark wie eh und je. Das hochauflösende Display bringt die abstrakte Optik des Betriebssystems hervorragend zur Geltung und alles läuft so flüssig wie es auf einem WP8-Smartphone nur geht. Der Homescreen surrt mit intelligent plazierten Live Tiles voller Informationen und das gesamte Windows Phone 8 Design ist und bleibt die einzige Alternative zu den ewig gleichen iOS und Android Homescreens mit Reihen voller App-Icons vor einem Hintergrundbild.

Wer sich für ein Windows Phone 8 Gerät entscheidet, muss also nach wie vor einige Kompromisse in Kauf nehmen und muss sich vor dem Einstieg etwas gründlicher überlegen, wozu das Gerät genutzt wird und welche Apps wichtig sind. An dieser Stelle darf aber natürlich nicht verschwiegen werden, dass im April das Update auf Windows Phone 8.1 (hier mein ausführlicher Blick auf die Preview) erwartet wird, das viele Schwächen des Betriebssystem beseitigen soll. Das Lumia 920 wird als eines der aktuellsten Geräte sicherlich auch zu den ersten gehören, die das das Update erhalten.

3.2. Nokias Extras im Lumia 920

Zusätzlich zum Grundsystem von Windows Phone 8 versucht Nokia seit eh und je durch viele Apps und Zusatzfeatures einige Schwächen von WP8 auszugleichen und das Nutzererlebnis zu verbessern. Zu der großartigen Nokia Camera App habe ich bereits meine Meinung gesagt. Zusätzlich wird das 920 mit den beiden Karten Apps „Here Maps“ und „Here Drive+“ ausgeliefert. Anders als bei kleineren Geräten der Lumia Serie ist auf dem Lumia 920 dank Here Drive+ auch weltweite Offline Navigation möglich und nicht nur Deutschland, Österreich und die Schweiz freigeschaltet.

Features wie Double-Tap-To-Wake sind auf die höherpreisigen Lumia Geräte beschränkt

Features wie Double-Tap-To-Wake sind auf die höherpreisigen Lumia Geräte beschränkt

Weitere Features wie Blick oder Double-Tap-To-Wake runden die Nokia Extras ab und sind in vielen Fällen nur exklusiv auf den höherwertigen Lumia Geräten zu haben. Auch Nokias Versuch, mit der App „Anwendungsordner“ so etwas wie Ordner auf den WP8-Homescreen zu bringen, darf lobend erwähnt werden.

3.3. Windows Phone 8 auf dem 920 im Alltag

Mein Eindruck vom 920 ist auf der Softwareseite ähnlich zwiespältig wie auf der Hardwareseite. Die Kacheloptik und das spartanische Design der Nutzeroberfläche sind auch 2014 noch ein echter Hingucker. Die Nachteile von Windows Phone 8 sind mir bekannt und mit ein paar Kompromissen oder Workarounds kriege ich die meisten Aufgaben und Funktionen auf die Reihe. Wer nicht ganz so anspruchsvoll hinsichtlich der Funktionen seines Smartphones ist, wird mit vielen der angesprochenen Schwachpunkte des Lumia 920 ohnehin gar nicht erst in Berührung kommen. Kurznachrichten, Apps, E-Mail, Photos, Musik: All das läuft auf dem 920 selbstverständlich tadellos.

Trotzdem: Ich glaube, dass auch Neueinsteiger merken, dass die verbaute Technik nicht die Neueste ist. Im Zusammenspiel mit der oben dargestellten Hardware läuft Windows Phone 8 auf dem 920 zwar in maximaler Performance, aber wer einmal das übergroße Lumia 1520 benutzt hat, muss anerkennen, dass trotz aller Effizienz auch Windows Phone 8 von stärkeren CPUs oder mehr RAM deutlich profitiert. Auch die Reviews zum Lumia Icon zeigen, dass mehr Power hier nicht verschenkt ist.

920fortsetzen

Die ehemals starke Hardware im Lumia 920 kommt mittlerweile an ihre Leistungsgrenzen

Der Dual-Core Prozessor mit seinen 1,5 GHz im Lumia 920 hat eineinhalb Jahre seinen Mann gestanden und sich dank der sehr effizienten Struktur von Windows Phone 8 tapfer gegen die Konkurrenz behauptet. Auch jetzt noch ist die Bedienung butterweich, das Scrollen ruckelfrei und das Gerät fühlt sich insgesamt nicht überfordert an. Aber das Starten von Apps, das Laden von Spielen oder auch anspruchsvollere Kameraoperation wie in der neuen Nokia Refokus App dauern spürbar länger als auf Geräten mit stärkere Hardware. Die 1 GB Ram kommen mittlerweile ebenfalls an ihre Grenzen, so dass selbst auf dem Lumia 920 der Wechsel zwischen Apps nicht selten mit dem bekannten „Laden“- oder „Fortsetzen“-Bildschirm quitiert wird.

4. Fazit und Ausblick

Mein Fazit aus dieser Review ist insgesamt weniger kritisch, als es sich bis hierher vielleicht angedeutet hat. Das Lumia 920 ist schlicht eineinhalb Jahre alt und muss sich nicht mit den aktuellsten Android- und iOS-Geräten vergleichen lassen. Im fairen Vergleich zu allen gleich alten Geräten wie etwa dem Galaxy S3 schlägt es sich nämlich hervorragend. Für einen Gebrauchtpreis von ca. 200 € bekommt man ein Gerät, das sich auch heute in Sachen Bedienung und Nutzergefühl nicht hinter der viel neueren Konkurrenz verstecken muss. Stattdessen bietet es in vielen Bereichen auch heute noch hohe Qualiät, wie etwa bei der Verarbeitung und der Kamera.

Das Problem ist also nicht etwa, dass das Gerät heute nicht noch zu überzeugen wüsste, sondern dass es noch immer das Maximum dessen ist, was Windows Phone 8 zu bieten hat. Wäre es wie das Galaxy S3 mitllerweile durch eine oder zwei neue Generationen von Windows Phone 8 Flagschiffen beerbt worden, dann würde das Fazit lauten, dass selbst das Lumia 920 von „damals“ noch kräftig mitmischt. Das ist aber nicht Fall. Stattdessen muss das Fazit lauten: In dieser Form ist das Lumia 920 aktueller Konkurrenzhardware unterlegen und macht mehr als deutlich, dass Microsoft in jeder Hinsicht Aufholbedarf hat.

Natürlich ist das Lumia 920 ein Auslaufmodell und dass es sich bis jetzt so gut geschlagen hat, zeigt, das es bei Release in vielerlei Hinsicht der Konkurrenz voraus war. Glücklicherweise ist aber neue Hardware am Horizont erkennbar. Das Lumia 930 wird irgendwann in der ersten Jahreshälfte in Verbindung mit dem Release von Windows Phone 8.1 erwartet und wird technisch endlich aktuellere Leistungsdaten vorweisen können. Natürlich wird der Nachfolger dann deutlich teurer als der aktuelle 920-Preis werden. Bis dahin lautet meine Empfehlung: Für um die 200 € ist ein gebrauchtes Lumia 920 ein klasse Gerät mit ein paar Nachteilen, die man in Kauf nehmen muss (aber auch kann).

Was meint ihr? Wie hat sich das Lumia 920 eurer Meinung nach geschlagen? Würdet ihr heute noch ein 920 empfehlen oder selber kaufen? See you in the comments!

2 Kommentare
  1. Avatar
  2. DMM

Artikel kommentieren

Dein Kommentar wird in der Regel sofort veröffentlicht. Bei erhöhtem Spam-Aufkommen kann es aber zu Verzögerungen kommen. Hab dann bitte einfach Geduld. Zur Erkennung von Spam verwendet das Blog ein Plugin, das den Inhalt des Kommentars, seine Uhrzeit sowie einige weitere Daten, wie zB enthaltene URLs, berücksichtigt. Bitte beachte deshalb die Datenschutzhinweise zur Kommentarfunktion.

Notwendige Felder sind mit * markiert.