Das Macbook Air (2020) – Viel heiße Luft

Nach diversen Artikeln über mein treues 2017er Macbook (12 Zoll), in denen ich meine Gedanken über ein Upgrade oder gar eine Rückkehr zu Windows 10 festgehalten habe, war es nun tatsächlich so weit: Ich bin auf das aktuelle Macbook Air (2020) umgestiegen.

Ich habe mich für eine ziemlich leistungsstarke Ausstattung entschieden: 1 TB Festspeicher, 16 GB Arbeitsspeicher und Core i5 Quad-Core. Damit schreibe ich nun seit Anfang April meine Blogposts und sonstige Texte, nehme an Videokonferenzen und Podcasts teil, schaue Youtube oder spiele via Bootcamp das neue Command & Conquer: Remastered. Ich würde also sagen, dass ich das neue Air mittlerweile auf Herz und Nieren getestet habe. Ob und wem ich es auf Basis meiner Erfahrungen empfehlen würde, lest ihr in diesem Beitrag.

Mein Ausgangspunkt:
Das Macbook 12 Zoll (2017)

Apple Laptops nutze ich seit 2012. Angefangen habe ich mit einem klobigen Macbook Pro, das sogar noch ein DVD-Laufwerk hatte (🙈). Seit 2017 war ich dann mit dem ultraleichten und -kleinen 12 Zoll Macbook unterwegs. Einen Erfahrungsbericht dazu lest ihr hier. Das Gerät hat mich nicht enttäuscht und es gab auch keine nennenswerten Mängel. Obwohl beim 12 Zoll Macbook bis zum Ende der Baureihe im Jahr 2017 die berüchtigte Butterfly-Tastatur zum Einsatz kam, blieb ich von den typischen Macken weitgehend verschont. Nur einmal musste ich wegen einer schlecht reagierenden Taste zur Druckluft-Sprühdose greifen. Damit hatte sich das Problem dann aber auch erledigt und in den fast drei Jahren mit dem 12 Zoll Winzling hatte ich auch keine weiteren Auffälligkeiten.

Mein bisheriges Macbook: Das 2017er Macbook (12 Zoll)

Verlassen habe ich das kleine 12 Zoll Macbook aus drei Gründen: Erstens kam dessen lüfterlos gekühlter Prozessor an seine Leistungsgrenzen, zweitens hat mich der einsame USB-C-Port (zumal ohne Thunderbolt 3) eingeengt und drittens lief Mitte 2020 meine Apple Care Garantie für das 12 Zoll Macbook aus (mit Restgarantie kann man gebrauchte Macbooks meist einfacher weiterverkaufen). Alle Gründe zusammen waren dann für mich ausreichend, um im April 2020 auf ein neues Gerät zu wechseln. Das 12 Zoll Macbook ging parallel via eBay Kleinanzeigen in neue Hände über.

Warum das Macbook Air (2020)?

Seitdem ich mit dem Wechsel zu einem neuen Macbook liebäugel, habe ich die Entwicklung bei Apple intensiv verfolgt. Die Macbook Pro Reihe wirkte für meine Zwecke immer etwas überdimensioniert und vor allem der obligatorischen Touchbar konnte und kann ich absolut gar nichts abgewinnen. Nachdem Apple 2018 das klassische Macbook Air (RIP ❤️) überraschend doch noch mit einem hochauflösenden Display und neuem schlanken Design aktualisierte, schien das neue Air auch für mich die sinnvollste Upgrade-Option.

2018 war das überarbeitete Macbook Air aber leistungsmäßig noch zu nah an meinem 2017er Macbook (12 Zoll) und für einen Wechsel war es ohnehin noch nicht an der Zeit. Das 2019er Update des Air änderte an diesem (zu geringen) Leistungsunterschied nichts und war ohnehin kaum ein nennenswerter Fortschritt. Anfang 2020 kam dann aber ordentlich Bewegung in das Apple Laptop Sortiment: Zuerst erhielt das große Macbook Pro (16 Zoll) die lange erwartete, neue Tastatur und Ende März spendierte Apple auch dem Air sowohl die neue Tastatur als auch ein nennenswertes Upgrade bei den verbauten Intel Prozessoren. Für mich waren das genug gute Gründe, jetzt zu wechseln.

Das Macbook Air (2020) ist in vielerlei Hinsicht für mich aktuell das „rundeste“ Apple Notebook. Es verzichtet auf die nutzlose und teure Touchbar, es hat mit zwei Thunderbolt 3 Ports immerhin etwas mehr Flexbilität und es ist im Verhältnis auch immer noch das „leichteste“ Macbook. Das alles bietet das Macbook Air (2020) bei gewohnt toller Akkulaufzeit. Ich schaffe mit meinem Mix aus leichter Office Nutzung aktuell problemlos 7 bis 8 Stunden, oft mehr. Dazu gibt es auch noch wirklich gute Stereo-Lautsprecher, die das Macbook Air zusammen mit dem hochauflösenden Display in den vergangenen Monaten oft zu einer tauglichen Videoabend-Maschine im Urlaub gemacht haben. Für mich als ehemaligem Nutzer des 12 Zoll Modells war es jedenfalls in jeder Hinsicht ein sinnvolles Upgrade ohne dabei zu viel Mobilität aufzugeben.

Die neue Tastatur

Zur neuen Tastatur ist eigentlich schon alles gesagt worden. Daher fasse ich mich kurz. Sie ist auch für mich die erhoffte Rückkehr zu Qualität und Verlässlichkeit. Statt anfälliger Butterfly- gibt es jetzt wieder verlässliche Scissor-Switches. Die Tastatur hat also wieder einen fühlbaren Tastenhub und ist vor allem deutlich weniger anfällig für Staub und Dreck. Für mich steht sie den alten klassischen Qualitäts-Tastaturen von Apple in nichts nach und erinnert mich positiv an die Tastaturen meiner 2012er oder 2015er Macbook Pros.

Die neue Tastatur kann aber nicht nur an die alte Qualität anknüpfen, sondern wirkt im Vergleich zu den glanzvollen Ahnen auf mich auch eine ganze Ecke stabiler. Während die früheren Apple-Tastaturen (aus der vor-Butterfly-Zeit) teilweise etwas wackelig waren und man die einzelnen Tasten in der Regel gut treffen musste, ist der Anschlag bei der neuen Tastatur auch am Rand der Taste präziser und verlässlicher. Außerdem sind die Tasten größer, der Abstand zwischen ihnen also kleiner. Das macht es einfacher, die Taste zu treffen und erlaubt – jedenfalls mir – schneller zu schreiben.

Natürlich kann man Apple nicht dafür loben, endlich wieder eine brauchbare und zuverlässige Tastatur zu verbauen. Das sollte schlicht eine Selbstverständlichkeit sein, erst recht im Premium-Segment. Windows Laptops haben die letzten Jahre zudem gezeigt, wie gute und dennoch flache Tastaturen aussehen können. Dennoch: Für jemanden wie mich, der macOS nun einmal gegenüber Windows bevorzugt, ist Apples Rückkehr zu Scissor-Switches eine wirkliche Erleichterung. Richtig gut gefällt mir auch, dass das neue 2020er Air weiterhin die Touchbar weglässt, aber dennoch im Power-Button den Fingerabdruck-Sensor integriert.

Quad-Core am Hitzelimit

Erstmals gibt es in einem Macbook Air einen Intel Quad-Core Prozessor, genauer gesagt den Intel Core i5-1030NG7 mit einem Grundtakt von 1,1 GHz, einem Turbotakt von 3,5 GHz, einer TDP von 10 Watt und Iris Plus Grafikchip. Gerade die Grafikeinheit bietet gegenüber den vorherigen integrierten Grafikchips erhebliche Leistungszugewinne. So ist das neue 2020er Macbook Air auch das einzige bisher veröffentlichte Air, dass das absurde grandiose (😍) und teure (😔) Apple Pro Display XDR mit 6K Auflösung ansteuern kann.

Direkt nach Release des neuen 2020er Air rieten deshalb viele Testberichte dazu, den i3 Dual-Core des Basismodells durch den i5 Quad-Core zu ersetzen:

„Das Upgrade auf den vierkernigen Core i5-1030NG7 für weitere 50 Euro lohnt sich also.“ 

– Golem Macbook Air (2020) Testbericht

Auch ich hielt den Quad-Core i5 für den Sweet-Spot der neuen 2020er Air-Modellreihe und rein leistungstechnisch wurde ich nicht enttäuscht: Gemessen mit Geekbench 4 komme ich im Singlecore-Test auf 4.790 Punkte und im Multicore-Test auf 12.523 Punkte. Gegenüber meinem 12 Zoll Macbook mit 3.646 bzw. 7.404 Punkten sind das 31 % bzw. 69 % mehr. Leistungsmäßig ist das neue Air für mich also eindeutig der erhoffte Sprung. Das Ganze wird allerdings mit einer teilweise absurden Geräuschkulisse erkauft bzw. von Apple durch ein grandios verpatztes Hitzemanagement verdorben. Das Problem hat u.a. Reparaturprofi Louis Rossmann sehr anschaulich in einem Video aufbereitet: Das Macbook Air (2020) ist nicht aktiv gekühlt, jedenfalls ist der Lüfter nicht mit dem Kühler auf der CPU verbunden.

Normalerweise ist der zu kühlende Prozessor über eine „Heatpipe „(kleine, oft mit Flüssigkeit gefüllte Kupferrohre) mit einem Kühlkörper verbunden, auf dem dann direkt ein Lüfter montiert ist. So kann die Wärme vom Chip abtransportiert und über den Lüfter an die Umgebung abgegeben werden. Fehlt die Heatpipe – wie beim Macbook Air (2020) – muss der Lüfter aus der Distanz den Kühlkörper auf dem Chip kühlen. Man nennt das auch „semi-passives“ Kühlen. Das ist deutlich wenig effizient und durch diese Konstruktion lässt Apple viel Kühlpotential liegen, weil der Luftstrom vom entfernten Lüfter den Kühlkörper auf dem Prozessor kaum erreicht.

Das heißt konkret: Das Macbook Air (2020) könnte bei gleicher Leistung entweder deutlich leiser sein oder bei gleicher Lautstärke mehr Leistung bieten. Beides entgeht Apples Kundinnen. Stattdessen kämpft der Lüfter unter Dauerlast spürbar damit, den Intel-Chip aus der Ferne mit kühlender Frischluft zu versorgen. Ganz praktisch heißt das für mich zum Beispiel, dass ich aufgegeben habe, das Macbook Air (2020) für Videokonferenzen zu benutzen. Sobald Zoom, BigBlueButton oder Jitsi laufen, fängt der Lüfter nach wenigen Minuten derart zu brüllen an, dass meine Stimme für die anderen Teilnehmenden trotz Blue Snowball Mikrofon von einem konstanten Rauschen begleitet wird. Auffällig störend wird der Lüfter auch während der Wiedergabe von 4K-Videos auf Youtube. Arbeite ich länger in Pixelmator, wird der Lüfter ebenfalls hörbar.

Lüftergeräusch während Nextcloud Text Colab (in Firefox), Jitsi (in Chrome), Finder, Signal Desktop, Spotify, Tweetdeck und Apple Mail laufen.

Was heißt das nun? Würde ich vom Macbook Air abraten oder jedenfalls empfehlen, zum Modell mit dem weniger leistungsstarken (und folglich wenig kühlbedürftigen) Core i3 Dual-Core zu greifen? Vertraut man den Tests von Notebookcheck (was ich grundsätzlich tue), ist das Core i3 Dual-Core Macbook Air (2020) tatsächlich leiser und kühler. Wer also auf das Leistungsplus des Quad-Core verzichten kann, ist wohl wirklich mit dem Dual-Core i3 besser beraten. Andererseits arbeitet auch der Lüfter beim Quad-Core Core i5 Modell abseits Dauerbelastung unhörbar und bietet dafür eben doch Leistungsreserven, die hier und da willkommen sein könnten. Trotzdem: Letztlich ist das einfach nur ärgerlich, denn mit einen Stückchen Kupfer hätte Apple das Problem lösen können. Aber das wollte Apple wohl schlicht nicht. Entweder um das Air leistungsmäßig nicht zu nah an die Pro-Reihe (dort ist eine Heatpipe verbaut) rücken zu lassen oder um den kommenden ARM-Macs etwas Starthilfe zu bescheren. Aktuell erhält man jedenfalls ein Produkt, bei dem es kaum zu leugnen ist, dass sein Hersteller dessen Potential grob fahrlässig oder gar absichtlich limitiert.

Thunderbolt 3: Ein neuer Versuch mit StarTech Dock

Die ärgerliche Geschichte mit der Kühlung beiseite, hat mich an dem Macbook Air (2020) vor allem interessiert, was sich rund um das Thema Thunderbolt 3 getan hat. 2017 hatte ich mich bereits an einem Macbook Pro (2017) samt Elgato Thunderbolt 3 Dock versucht und war sehr ernüchtert, dass der vermeintliche „Ein Stecker für alles“-Anschluss noch so viele Kinderkrankheiten mich sich brachte. Für das Macbook Air (2020), das zwei Thunderbolt 3 Anschlüsse mitbringt, habe ich erneut einen Versuch gewagt und mir von StarTech ein Thunderbolt 3 Dock schicken lassen, das „Thunderbolt 3 Dock mit USB-C-Laptop-Kompatibilität„.

Das Dock selbst ist äußerlich nicht aufregend. Es bietet alle klassischen Anschlüsse, darunter drei USB-A (einschließlich eines Schnellladeports), zwei USB-C (einschließlich eines Schnellladeports), zwei Displayport 1.2a, einen Gigabit Ethernet Port, einen 3,5 mm Audioanschluss und ein Kabelsicherheitsschloss. Es hat zwar (wie schon mein Elgato Dock vor drei Jahren) ein für mein Geschmack zu großes Netzteil. Ich würde mir definitiv ein integriertes Netzteil wünschen. Es lädt aber angeschlossene Laptops – auch das Macbook Air (2020) – mit 60W Strom. Das StarTech Dock verspricht, ohne Treiberinstallation mit einem einzigen Kabel Strom, Daten, Bild und Ton zu übertragen. Unter macOS gilt das allerdings nur mit etwas Nachhilfe. Zwar klappen 4K mit 60Hz (jedenfalls bei meinem Dell P2715Q) sofort ohne Probleme via Displayport, aber für den Ethernet-Anschluss braucht man dann doch Treiber. Den gibt es zwar auf der Startech-Website zum Download, aber so richtig Plug-And-Play ist das eben doch nicht (Update vom 26.08.2020: Der Treiber soll laut StarTech automatisch als Thunderbolt-Komponente installiert werden, ich musste ihn manuell herunterladen und installieren. In beiden Fällen: Kein Problem). Völlig ohne Treiber-Installation funktioniert das Dock hingegen unter Windows 10. Auf meiner parallel installierten Bootcamp-Partition liefert das Dock ohne zu Zucken jede Form von Konnektivität, auch am HP Pro X2 funktioniert das Dock auf Anhieb. Allerdings verhindert hier scheinbar HP, dass das Convertible vom Dock geladen wird und macht den „Ein-Anschluss“-Traum wieder zunichte. Ein echtes Plus ist zudem, dass das Dock parallel auch als USB-C Dock funktioniert, falls kein Thunderbolt 3 unterstützt wird. Zwar sind dann keine 4K mit 60 Hz möglich, aber alles andere funktioniert tadellos. Als Bonus bietet StarTech eine (Wand-) Halterung für das Dock, was mir als Ordnungsfan sehr gelegen kommt. Das alles macht das Dock zu einer ziemlich vielseitigen Ergänzung zum Macbook Air (2020), die ich aufgrund meiner Erfahrungen durchaus empfehlen kann.

Thunderbolt 3 verspricht ein Kabel für alles. Und erfüllt das am StarTech Dock auch weitgehend.

Mein Eindruck ist jedenfalls, dass sich in den letzten Jahren bei USB-C und Thunderbolt 3 zumindest so viel getan hat, dass man bedenkenloser zu Zubehör greifen kann und der universelle Anschluss damit zu einem wirklichen Mehrwert geworden ist. Dass einzelne Hersteller wie HP immer noch ihre eigene Suppe kochen, ist allerdings frustrierend.

Fazit

Im Grunde macht Apple beim 2020er Macbook Air alles richtig: Verarbeitung, Design, Display, Trackpad und Akkulaufzeit sind mal wieder super bis unerreicht. Die neue Tastatur beseitigt die entscheidende Schwachstelle der vergangenen Macbook Jahre und endlich bietet das Air auch spürbar mehr Leistung. Es ist definitiv das Macbook, das für die allermeisten Nutzerinnen die beste Wahl ist und es ist definitiv ein würdiger Nachfolger für mein 12 Zoll Macbook.

Aber es ist auch das Macbook, dem man wie selten anmerkt, dass Apple es noch viel besser hätte machen können, wenn nur das Kühlkonzept ansatzweise besser wäre. Aktuell jedenfalls wirkt das Macbook Air (2020) ein bisschen so, als wolle Apple seinem kommenden Wechsel auf eigene Prozessoren nicht zu sehr die Show stehlen. Dafür lässt Apple – ich vermute: absichtlich – beim Core i5 Modell viel Potential liegen. Sobald Ende 2020 die neuen Macbooks mit Apples eigenen Chips vorgestellt werden, könnte es mich früher als in der Vergangenheit in den Fingern jucken. Denn viele Expertinnen erwarten von dem Wechsel von Intel zu Apple Chips erhebliche Gewinne bei Leistung und Akkulaufzeit bei gleichzeitig geringem Kühlbedarf. So gut mir das 2020er Air gefällt, ahne ich deshalb, dass es wohl früher durch ein Nachfolge-Gerät abgelöst werden könnte als seine Vorgänger.

Wer bis Ende des Jahres warten kann, sollte das also wohl tun. Wer nicht warten kann, bekommt beim aktuellen Air (2020) aber endlich wieder ein (fast) rundum gelungenes Macbook. Nur die Entscheidung für oder gegen den Core i5 Quad-Core sollte gut überlegt sein.

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