Dell P2715Q im Monitor-Test: 4K unter Mac OS X und Windows 10

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Vor über einem Jahr habe ich meinen alten Full-HD-Monitor in Rente geschickt und mir den Dell U2715H gekauft, einen 27 Zoll Monitor mit Quad-HD Auflösung. Meinen Testbericht zum U2715H gibt es hier. Mein Fazit fiel sehr positiv aus und noch heute kann ich den U2715H bedenkenlos weiterempfehlen. Mich wurmte allerdings schon wenige Monate nach dem Kauf des U2715H die Frage: Hätte ich nicht besser direkt auf Ultra-HD (4K) setzen sollen? Um diese Frage zu klären, habe ich mir nun den Dell P2715Q genauer angesehen, einen fast baugleichen Monitor, der allerdings statt eines Quad-HD ein 4K-Display mitbringt. Für alle, die sich fragen, ob sich der Schritt auf 4K lohnt und welche Nachteile man sich mit so hohen Auflösungen ins Haus holt, ist der folgende Testbericht gedacht. Viel Spaß!

Übersicht

1. Der P2715Q im Vergleich zum U2715H
2. 4K, Ultra-HD und Auflösungen-Chaos
3. 4K unter Mac OS X und Windows 10
4. Fazit: Einmal 4K, immer 4K?

1. Der P2715Q im Vergleich zum U2715H

Aus Hardware-Perspektive gibt es zwischen dem P2715Q und dem U2715H dann doch mehr Unterschiede als nur die höhere (4K-) Auflösung beim P2715Q. Das wird bereits am Namen deutlich, denn der U2715H ist ein Vertreter der höher angesiedelten Ultrasharp-Serie, die sich unter Anderem dadurch auszeichnet, dass der Rahmen um das Display aufs Äußerste reduziert wurde. Ähnlich dem InfinityEdge-Display des Dell XPS 13 Ultrabooks (hier mein Review zu dem schicken Teil) schaffen es die Ultrasharp-Monitore von Dell, recht große Panel in sehr kleine Gehäuse zu verbauen. Mir persönlich ist diese Designleistung bei stationären Monitoren zwar nicht besonders wichtig, aber festzuhalten bleibt: Trotz gleich großem Display (27 Zoll) ist der Korpus des P2715Q über 2 cm breiter und 1,5 cm höher als der des U2715H. Spätestens beim Multi-Monitor-Betrieb sind die Ultrasharp-Geräte dank des minimalen Rahmens also auf jeden Fall im Vorteil.

Im Übrigen ähneln sich beide Monitore hinsichtlich der Bauart dann aber doch sehr. Beide sind aus dunklem, rauen Kunststoff gefertigt, bieten rückseitig wahlweise eine Montagemöglichkeit für den Standfuß oder (VESA 100 konforme) Wandmontage und kommen mit diversen modernen Anschlüssen daher. Leider hat Dell auch beim P2715Q die Montage von Wandhalterungen oberhalb der VESA 100 Norm unnötig fummelig gemacht (Details dazu im U2715H Testbericht) und wieder keinen der USB-Ports an die leicht erreichbare Außenkante verlegt. Während ich das beim U2715H aufgrund des schmalen Rahmens noch nachvollziehen konnte, fehlt mir beim üppigen Rahmen des P2715Q doch das Verständnis. Hier müsste doch Platz für einen USB 3.0 Anschluss oder Kartenleser an der Außenkante gewesen sein, oder Dell?

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Äußerlich ähnelt der P2715Q dem U2715H sehr

Etwas abgespeckt hat der P2715Q dann in Sachen Anschlussvielfalt. Gegenüber dem U2715H hat Dell beim P2715Q einen der beiden HDMI-Eingänge sowie einen USB 3.0 Port gestrichen. Mit drei Displayports (2x Ein-, 1x Ausgang), einmal HDMI 1.4, Audio-Klinke sowie 5x USB 3.0 (4x Ein-, 1x Ausgang) bietet der P2715Q aber natürlich immer noch mehr als die meisten Nutzer brauchen werden. Leider hat auch der P2715Q keine eigenen Lautsprecher. Das hat mich schon beim U2715H ein klein wenig gestört und das muss ich nun auch beim 4K-Upgrade in Kauf nehmen. Ich habe aber fest vor, mir dieses Mal die Dell 511 Soundleiste genauer anzusehen und stehe diesbezüglich in Kontakt mit Dell.

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Bezüglich der Anzahl der Anschlüsse musste der P2715Q im Vergleich zum U2715H etwas Federn lassen

Einen großen Pluspunkt (neben der 4K-Auflösung) hat der P2715Q dann aber doch: Anders als bei den Touch-sensitiven Tasten der Ultrasharp-Serie verfügt die P-Serie noch über klassische taktile Schalter. Standy-Button und Menü-Tasten sind für meinen Geschmack deshalb deutlich einfacher zu bedienen. Auch ist die Standby-Taste illuminiert, so dass man nicht – wie bei Geräten der U-Serie üblich – die kleine LED unterhalb der dortigen Touch-Taste suchen muss, um den Standby-Zustand zu erfahren.

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Echte physische Tasten: Ich bevorzuge sie ggb. kapazitiven Tasten

Das über diese Tasten erreichbare On-Screen-Menü gleicht dem der U-Serie zwar optisch aufs Haar, aber die verfügbaren Einstellungen sind etwas rudimentärer: Helligkeit, Kontrast oder Farbton-Einstellungen sind zwar anpassbar, eine eigenständige Regulierung der einzelnen RGB-Farbkomponenten ist jedoch nicht möglich. Da merkt man dem P2715Q dann eben doch an, dass er „nur“ ein Vertreter der P-Serie ist. Tatsächlich lieferte der P2715Q an meinem Macbook Pro Retina (2015) zunächst ein unangenehm warmes, geradezu gelbstichiges Bild. Das lag allerdings an dem unter Mac OS X für den P2715Q vorinstallierten Farbprofil. Nach ein paar Kniffen in der Mac OS X Kalibrierung habe ich den Monitor jetzt genau auf meine Bedürfnisse einstellen können. Unter Windows 10 (getestet anhand meines treuen Intel NUC auf Broadwell-Basis) lieferte der Monitor im Übrigen sofort ein tadelloses Bild.

2. 4K, Ultra-HD und Auflösungen-Chaos

Bevor ich zum praktischen Einsatz eines 4K-Monitors im Alltag komme, noch ein paar Worte zu „der 4K-Auflösung“ im Allgemeinen. Mit 4K wird üblicherweise eine Auflösung von 3840 × 2160 Bildpunkten bezeichnet, also exakt das Vierfache des normalen Full-HD (1920 x 1080 Bildpunkte). Synonym zu 4K wird auch „Ultra HD“ benutzt. Die maßgebliche internationale Standardisierungsorganisation hat bereits 2014 diese Bezeichnung zur Grundlage des neuen hochauflösenden Formats zu machen.

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Das offizielle Ultra HD Logo

Leider ist damit die Geschichte aber nicht zu Ende. Bereits die Bezeichnung „4K“ für eine Auflösung von 3840 × 2160 Bildpunkten lässt einen die Stirn runzeln. Schließlich wird ja auch normales Full-HD (1920 x 1080) nicht als „2K“ bezeichnet. Konsequenterweise müsste man eigentlich beide Auflösungen mit „3,8K“ beziehungsweise „1,9K“ bezeichnen, denn die Zahl kürzt die horizontale Anzahl der Pixel ab. Nein, die Abkürzung 2K ist stattdessen der Quad-HD Auflösung (2560 x 1440) vorbehalten, die man wiederum eigentlich mit „2,5K“ abkürzen müsste. Ähnlich sieht es bei 4K aus, denn auch hier gibt es mit „Cinematic DSI 4K“ (4096 x 2160) eine Auflösung, die den Namen „4K“ viel eher verdient hätte.

Für den Rest dieses Beitrags werde ich aber die Begriffe „4K“ und „Ultra-HD“ synonym benutzen und meine damit jeweils die Auflösung von 3840 × 2160 Bildpunkten. Wer noch mehr über das gesamte Thema Auflösungen, Displayschärfe und Co lesen will, dem empfehle ich meine weitergehenden Artikel hier und hier.

3. 4K unter Mac OS X und Windows 10

Kommen wir also zum Kern des Ganzen. Wie fühlt sich 4K im normalen Desktop-Einsatz an? Die offensichtliche Antwort: Herrlich scharf. Gerade Nutzer, die viel Textverarbeitung betreiben, profitieren enorm von der vierfachen Full-HD-Auflösung. Auf den 27 Zoll des P2715Q ergibt die 4K-Auflösung zwar „nur“ eine Pixeldichte von etwa 163 PPI (mehr dazu hier), aber die Steigerung bei Detailiertheit von Schrift, Text und Bilddarstellung ist sofort spürbar. Gegenüber klassischen Full-HD-Monitoren mit 24 Zoll Display, die auf etwa 90 PPI kommen, ist das fast eine Verdoppelung der Bildschärfe. Wer die Pixeldichte seines eigenen Monitors ausrechnen will, kann das hier tun.

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163 Pixel pro Zoll sorgen für deutlich schärfere Schrift

Nun ist die Pixeldichte allein natürlich nicht alles. Ganz im Gegenteil: Ohne Skalierung ist die volle Auflösung viel zu hoch, um sie pur sinnvoll nutzen zu können. Dem begegnen Mac OS X und Windows 10 auf etwas unterschiedliche Weise. Mac OS X stellt diverse HighDPI-Modi zur Verfügung, während Windows 10 Vector-basiert alle Bildschirmelemente vergrößert. Für Mac OS X führt Apple dementsprechend eine offizielle Supportseite, auf der sowohl die 4K-fähigen Apple-Geräte als auch kompatible Monitore gelistet werden. Für die dort gelisteten Monitore bietet Mac OS X dann automatisch diverse HighDPI an, die den ansonsten winzigen Inhalt auf lesbare Größe hochrechnen. Dabei stehen neben der nativen 4K-Auflösung Skalierungen zur Verfügung, die das Bild so erscheinen lassen, als würde man an einem Monitor mit 1504 x 846, Full-HD (1920 x 1080), Quad-HD (2560 x 1440) oder 3008 x 1692 Pixeln nutzen.

Ich selbst habe mich aus zwei Gründen dafür entschieden, unter Mac OS X die Skalierung auf Full-HD zu wählen. Erstens passt das Full-HD Bild dank der exakt vierfachen 4K-Auflösung genau auf das hochskalierte Bild. Wo vorher ein Pixel war, sind nun Vier vorhanden. Das Ergebnis ist die bereits mit dem iPhone 4 eingeführte Vervierfachung der Schärfe. Buchstaben, Bilder oder Bedienelemente können nun sehr viel feiner dargestellt werden. Zweitens empfinde ich Full-HD auf 27 Zoll als für mich ideal, was die Größe von Schaltflächen, Objekten und Fenstern angeht. Zwar bietet eine höhere Auflösung, etwa Quad-HD mehr „Platz“, aber notwendigerweise ist dann alles auch ein wenig kleiner; langfrisitig für mich leider zu klein, um damit komfortabel arbeiten zu können.

Unter Windows 10 komme ich letztlich zum gleichen Resultat. Dort wird jedoch keine Zielauflösung angegeben, sondern eine Vergrößerung alle Bildschirminhalte um einen fest Prozentsatz eingestellt. Das hat den Vorteil, das man in der Anpassung der Darstellung etwas freier ist. So bietet Windows 10 flexible 25-%-Schritte bei der Vergrößerung an und zwar unabhängig davon, ob der genutzte Monitor von Microsoft offiziell mit irgendwelchen HighDPI-Profilen unterstützt wird.

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Windows (10): Bei der Skalierung deutlich flexibler

Für den P2715Q habe ich eine Skalierung auf 200 % gewählt und erreiche damit letztlich das Gleiche wie unter Mac OS X: Der Bildschirminhalt entspricht einem Monitor mit Full-HD-Auflösung, aber der gesamte Inhalt ist viermal so scharf. Und soviel kann ich sagen: Der moderne, frische Look von Windows 10 erstrahlt in 4K noch einmal mehr in ungeahntem Glanz. Windows 10 sieht auf hochauflösenden Displays einfach herrlich aus. Auch hat sich das ehemalige Skalierungsproblem, das Windows 7 und Windows 8 spürbar quälte, weiter gebessert. Nur noch selten kommt es zu den bekannten Darstellungsfehlern, wenn Elemente mit der Vector-basierten Vergrößerung der Skalierung nicht mithalten können. Tendenziell passiert soetwas aber durchaus noch öfter als unter Mac OS X.

Rückseite mit USB 3.0, Netzanschluss, mini DP, mini HDMI und RJ45

Für 4K sind passende leistungsstarke Anschlüsse Voraussetzung

Schließlich bleibt noch die Frage der Anschlüsse. Um die 4K-Auflösung in voller Pracht nutzen zu können, sollten erstens die Grafikeinheit des genutzten Rechners als auch die verfügbaren Anschlüssen gewisse Voraussetzungen mitbringen. Leistungstechnisch wird entweder eine passable dedizierte Grafikkarte benötigt oder integrierte Grafikchips von Intel ab der Broadwell-Generation (fragt mich bitte nicht nach AMD). Letzteres bietet sowohl mein Macbook Pro Retina (2015) als auch mein Intel NUC (2015). Anschlusstechnisch können zwar sowohl aktuelle HDMI-1.4-Anschlüsse als auch Displayport 1.2 die volle 4K-Auflösung ansteuern, aber nur Displayport 1.2 kann die Auflösung mit 60 Hz bedienen, während HDMI 1.4b das maximal mit 30 Hz kann.

Im täglichen Arbeiten sind Bildwiederholfrequenzen unterhalb von 60 Hz allerdings extrem unangenehm und resultieren in sehr gehackter und stotternder Darstellung. Für die Wiedergabe von 4K-Filmen und -Videos mögen 24 Hz oder 30 Hz genügen, für die Bedienung mit der Maus reichen sie auf keinen Fall. Die vollen 60 Hz unterstützt zwar auch HDMI mittlerweile ab HDMI 2.0, aber derartige Anschlüsse sind noch nicht sehr verbreitet (und werden vom P2715Q auch nicht unterstützt), weshalb ich meinen P2715Q stets per Displayport anschließe.

4. Fazit: Einmal 4K, immer 4K?

Mein Fazit nach nun etwa 3 Monaten mit dem Dell P2715Q ist klar: Nie wieder ohne 4K. Der Dell-Monitor selbst gibt nur wenig Anlass Kritik und nichts davon kann den Genuss schmälern, den die 163 Pixel pro Zoll im täglichen Arbeiten mit sich bringen. Zwar stößt der Monitor noch nicht in Schärfe-Regionen vor, in denen ich als Pixeljunkie vollkommen glücklich wäre, aber 4K auf 27 Zoll führen bereits zu einem erheblichen Sprung. Jeder, der vor allem viel Text- und Bildbearbeitung macht, wird die Klarheit der Darstellung sofort zu schätzen wissen.

Mittlerweile sind zudem auch Mac OS X und Windwos 10 angemessen gewappnet für hochauflösende Displays und selbst Laptops der oberen Mittelklasse bieten die technischen Voraussetzungen, um 4K-Monitore in voller Pracht zu genießen. Ausgeklammert habe ich bei alledem natürlich den Bereich „Gaming“, aber dazu fehlt mir ohnehin die nötige Hardware. Klar ist insoweit, dass 4K noch einmal um ein Vielfaches höhere Anforderungen an die Gaming-Hardware stellt.

Ich hoffe, ich konnte mit diesem Artikel bei dem einen oder anderen ein paar Fragezeichen beseitigen und habe Lust auf hochauflösende Displays gemacht. Ich bin nun natürlich sehr an euren Erfahrungen mit 4K- (oder sogar höher-auflösenden) Monitoren interessiert. In diesem Sinne:

See you in the comments!

 

37 Kommentare
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