iPhone 12 Mini Rückblick (Test) – Zu klein für meine Welt

Was habe ich gefeiert, als Apple im Herbst 2020 das iPhone 12 auch in einer Mini Version vorstellte. Zum ersten Mal seit dem iPhone SE (2016) gab es ein iPhone, das nicht nur das beste Apple-Design ever wiederbelebte, sondern auch aktuelle Technik und handliche Größe kombinierte. Das Mini war für mich wie ein wahr gewordener Traum und so griff ich im Januar 2021 bei einem guten Preis auf eBay dann auch freudig zu. Lange Zeit hatte ich das 12 Mini dann als Hauptgerät im Einsatz, teilweise in Kombination mit einer Apple Watch.

Vor ein paar Wochen bin ich dann aber doch zu meinem Zweitgerät, dem Google Pixel 5, zurückgekehrt. Denn ich musste schmerzlich einsehen: Das 12 Mini ist zwar ein kompaktes und leistungsstarkes Schmuckstück, aber im Alltag ist es tatsächlich „zu klein“, jedenfalls für die Welt, in der ich mittlerweile lebe. Was ich damit meine, lest ihr in diesem Rückblick- und Langzeittest. Enjoy 🤘

Das iPhone (12) Mini: Ein Traum wird wahr

Warum machte das 12 Mini für mich einen Traum wahr? Einfach: Für mich hat Apple nie ein eleganteres iPhone vorgestellt als das iPhone 5/5S/SE. Vor allem das iPhone SE fand ich damals einfach grandios. Das zeitlose industrielle, kantige Design, die wundervoll handliche Größe und die – damals dem iPhone 6S entsprechende – aktuelle Technik machte es zu dem perfekten Smartphone für alle, die für kompakte Geräte nicht auf Leistung verzichten wollten.

Leider hat Apple diese Philosophie danach (sehr lange) nicht fortgesetzt. Stattdessen dominierte in den Jahren danach der rundliche Look der iPhone 6 Ära, an dem Apple bis zum iPhone 11S festhielt und den es mit dem zweiten iPhone SE (2020) zu meiner Enttäuschung sogar noch einmal wiederbelebte. Apple war für mich deshalb lange Zeit völlig uninteressant. Das alles änderte sich erst mit der 12er Reihe, die (nach dem Re-Design der iPads) den klassischen kantigen Look vergangener Zeiten auch endlich auf das iPhone zurück brachte. Als sich dann auch noch die Gerüchte um eine Mini-Version bestätigten, war mein Technikherz endgültig hin und weg.

Das iPhone SE 2016 (Links) und das iPhone 12 Mini (Rechts)

Das 12 Mini war und ist kaum größer als das alte iPhone 5/5S/SE, hatte aber alles, was ein High-End-Phone ausmacht. Sogar beim Display machte Apple keine Kompromisse und spendierte dem Mini fast die gleiche Auflösung wie dem regulären 12er. Auf das kleinere Display des Minis übertragen, hieß das: Die Pixeldichte stieg auf ein für Apple neues Niveau von knackscharfen 476 Pixeln pro Zoll. Das 12 Mini kam so meinem 2017 herbei phantasierten „perfekten Smartphone“ sehr, sehr nahe.

Meine Welt ist dem kleinen Display entwachsen

Warum nun also die Enttäuschung und die Rückkehr zum Pixel 5? Die traurige Wahrheit: Das Mini ist nicht nur erfreulich klein, sondern auch zu klein für meine Welt 😔

Das betrifft sowohl die Software als auch das physische Gerät. Natürlich ist es ein Traum, das kompakte kleine Ding in die Hosentasche zu stecken und mit dem Daumen bequem alle Ecken erreichen zu können. Aber man merkt eben auch, dass iOS mit dem kleinen Display zu kämpfen hat. Das betrifft vorrangig Apps von Drittanbietern. Bei WhatsApp zum Beispiel gehen die Bildelemente während des Menüs zum Koppeln mit WhatsApp Web etwas ineinander.

Wenn die Darstellung an der Displaygröße verzweifelt

Außerdem stellt das iPhone 12 Mini Bildelemente generell etwas anders als die größeren Telefone dar, um auszugleichen, dass das Display kleiner ist. So werden einige Bildelemente größer dargestellt, um nicht zu klein zu sein. Die Statusleiste etwa wird um 6 Punkte größer dargestellt. Das geht natürlich auf den verfügbaren Platz für den restlichen Inhalt. So empfand ich die Darstellung insgesamt hin und wieder als deutlich dichter gedrängt als es mir lieb war. Die Tastatur ist mit zwei Daumen auch etwas fummelig zu bedienen, einfach weil die einzelnen „Tasten“ der On-Screen-Tastatur kleiner sind. Wirklich störend ist das nicht, aber es fiel mir doch hier und da auf. Vor allem im Vergleich zu größeren Displays merkt man dann eben doch, dass Inhalt verloren geht.

Abseits dieser „Auffälligkeiten“ ist das Mini aber auch als physisches Gerät im Alltag hin und wieder „zu“ klein. Mein Tesla hat in der Mittelkonsole zum Beispiel integrierte drahtlose Lademöglichkeiten. Deren Spulen sitzen nun so, dass sie sich mit der Positionierung der Ladespulen der heute üblichen Gerätegrößen überschneiden. Das 12 Mini ist dafür zu klein. Seine Spule sitzt zu niedrig, um verlässlich geladen zu werden.

Das 12 Mini im Tesla Model 3: Für die drahtlose Ladestation zu klein

All das sind wirklich keine entscheidende Gründe gegen das 12 Mini, aber es fällt eben auf, dass die Welt gewachsen ist bzw. wir alle und unsere Umwelt uns an (sehr viel) größere Smartphones gewöhnt haben. Für einige mag das dem 12 Mini sogar noch extra Charme verleihen. Ich hingegen habe gemerkt, dass sich meine Erwartungen an die Benutzung meines Smartphones – so sehr mich das als Fan kompakter Geräte ärgert – geändert haben. Ich möchte mehr vom Inhalt meiner Webseiten sehen, ich möchte mehr auf einmal in meiner Twitter-Timeline sehen und ich möchte, dass mein Smartphone auch zu meiner übrigen Gerätschaft passt. Das Mini, so knuffig es auch ist, kann all das nicht (mehr).

Ein Faktor ist bei alledem natürlich auch die Akkulaufzeit. Die ist in vielen Artikeln und Reviews schon (negativ) thematisiert worden. Die 2227 mAh reichen zwar, um mich mit leichter bis mittlerer Nutzung bis in den Feierabend zu bringen. Ich habe aber sehr lange kein Smartphone mehr genutzt, dass bei starker Beanspruchung so schnell aufgibt. Die Akkulaufzeit ist nicht katastrophal, das will ich nicht sagen. Wer nicht den ganzen Tag Musik per Bluetooth von Spotify streamt, auf Twitter hängt und nonstop Signal, Threema und WhatsApp nutzt, wird die Laufzeit vielleicht sogar völlig okay finden. Aber das ist nunmal oft nicht mein Nutzungsverhalten. Hinzu kommt, dass das 12 Mini – wie jedes aktuelle iPhone – immer noch auf Apples proprietären Lightning-Anschluss setzt, ich also in meiner USB-C-Welt mit geringerer Wahrscheinlichkeit sofort ein Ladekabel zur Hand habe.

Die Zukunft der Mini-Reihe

Um es am Ende aber ganz deutlich zu sagen: All das hätte mich nicht zum Google Pixel 5 zurück „getrieben“. Das 12 Mini ist und bleibt ein herrliches kleines Gerät, mit dem ich gut auskommen würde. Alle hier im Beitrag genannten Kompromisse gleicht es mit seiner kompakten Form, dem tollen Design und der tadellosen Leistung für mich aus. Nein, der „Todesstoß“ waren letztlich die 60 Hz des Displays. Mittlerweile hatte ich mich dank des Pixel 5 einfach an 90 Hz und mehr gewöhnt. Das sanfte Gefühl beim Scrollen durch Webseiten und Twitter-Feed, das Displays mit höheren Bildwiederholraten bieten, ist für mich ähnlich wichtig geworden, wie hohe Auflösungen es wurden, nachdem ich das erste Mal das Display des iPhone 4 mit seiner Pixeldichte über 300 PPI gesehen hatte.

Für einige mag das nicht nachvollziehbar sein, andere werden sofort verständnisvoll nicken. Mein Eindruck ist wirklich: Wer länger mit Displays ab 90 Hz unterwegs ist, gewöhnt sich derart dran, dass die „stotternden“ 60 Hz als störend wahrgenommen werden. Aus diesem Grund ist mein 12 Mini mittlerweile gebraucht in neue Hände gewandert und ich habe für meine iOS-Artikel nun ein iPhone 13 Pro (Testbericht geplant) im Einsatz, das mit seinen 120 Hz einfach eine blanke Freude ist.

Ich freue mich zwar sehr, dass Apple beim iPhone 13 wieder einen Mini-Ableger vorgestellt hat, solange das Mini aber nicht auch das 120 Hz „Pro Motion“ Display bekommt, wird es mich zwar immer locken, dauerhaft zufriedenstellen kann es mich aber bis dahin nicht.

Bye, Mini!

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