MWC 2014: Mein persönliches Fazit

MWC2014HeaderFür die diesjährige Mobile World Congress in Barcelona hatten sich so einige Sensationen angekündigt. Wie jedes Jahr überschlugen sich die Meldungen, die Technik-Presse rotierte eine Woche auf Hochtouren und sogar Boulevard-Blätter kamen nicht umhin, einige Wort darüber zu verlieren. Hier mein ganz persönliches Fazit der diesjährigen Highlights und Enttäuschungen.

1. Nokia

Zwar beginnt die MWC inoffiziell schon am Sonntag, aber für mich fing der Spaß am Montag morgen an, als Stephen Elop die Keynote von Nokia eröffnete. Ich bin ein großer Windows Phone 8 Fan, habe mich extrem auf aktualisierte WP8-Hardware gefreut und sogar ein wenig auf offizielle Details zu Windows Phone 8.1 „Blue“ gehofft. Im Vorfeld gab es zusätzlich das geradezu skandalöse Gerücht, dass Nokia an einem Android Phone arbeitet, was ich persönlich für keine gute Idee halte. Die Keynote brach für mich dann leider viel Enttäuschung und wenig Erfreuliches: Statt dem erhofften europäischen Lumia Icon gab es nur billige Asha-Phones und … Trommelwirbel … tatsächlich Android-Geräte von Nokia. Man kann darüber streiten, ob die vorgestellten Nokia X Geräte wirklich echte Android Geräte sind, weil Nokia nur das minimale Grundgerüst von Googles Betriebssystem nutzt und bei den Funktionen sowie der Optik

Statt WP8 nur Android von Nokia

Statt WP8 nur Android!
Wir begrüßen: Nokia X

vollkommen auf Google verzichtet. Nokia will einen eigenen App-Store aufbauen und versucht optisch eher WP8 zu imitieren. Meine Einschätzung? Wirtschaftlich vielleicht sinnvoll und nachvollziehbar, aber in Richtung Windows Phone 8 das völlig falsche Signal. Die Begründung, man wolle günstige Geräte für jederman anbieten und gleichzeitig die Appvielfalt von Android ausnutzen, klingt wie eine Ohrfeige für Windows Phone 8: War „günstig“ nicht bisher das Territorium des Lumia 520?

Wo mich die Nokia-Android-Geräte lediglich verwirrten, hat mich das völlige Fehlen von WP8 Hardware schlicht und ergreifend schwer enttäuscht. Das Lumia 920 und alle Variationen davon stammen im Kern von Ende November 2012 (Das Lumia 925 und 1020 sind letztlich nur ein 920 mit besserer Kamera). Natürlich kamen irgendwann das 1520 und 1320, aber im reinen Smartphonebereich ist aktuell Dual-Core und 720p das höchste der WP8-Gefühle. Ich hatte wirklich auf ein Lumia 930 gehofft. Sehr schade.

2. Sony

Sony stellt gleich mehrere Flagschiffe  vor

Sony stellt gleich mehrere Flagschiffe vor

Sony war der zweite große Hersteller aus dem Mobile-Bereich, der am Montag neue Hardware vorstellte. Und das nicht zu knapp: Neu vorgestellt wurde das Xperia Z2, das Z2 Tablet und natürlich für die Wearable-Rubrik das Sony Smartband. Während mich das Smartband aufgrund seines Fitness-Fokus eher wenig interessiert, sind neue Smartphone Flagschiffe natürlich immer interessant. Die Hardware im Z2 liest sich wie immer hervorragend und Sony wird sicher wieder einmal eine tolle Kamera bieten. Bis ich das Z2 aber in meinen Händen halte, bin ich wegen meiner Erfahrung mit dem Z1 Compact doch eher skeptisch was die Handhabung angeht.

Bemerkenswerter finde ich schon eher das Z2 Tablet, das dünner und leichter als das iPad Air sein soll. Da bin ich also wirklich gespannt. Allerdings ist schlechte Hardware bei Android-Tablets schon länger nicht das eigentliche Problem. Android krankt leider nach wie vor an einem wirklich unterdurchschnittlichen Angebot an tabletoptimierten Apps. Seit einiger Zeit hoffe ich, dass die immer zahlreicheren gut verarbeiteten Android-Tablets hier einen kleinen Schub bringen. Bisher sehe ich davon aber nichts und ich befürchte, dass das Z2 daher ein ähnliches Schicksal ereilen wird, wie es die bisherigen 10 Zoll High-End-Tablets erlitten haben: Tolle Hardware, schlechte Software. Andererseits: Irgendwann muss es ja mal losgehen mit dem Android-Tablet-App-Boost 😉

3. Samsung

Das mediale Highlight des ersten Tages war aber ohne Zweifel das Unpacked-Event von Samsung. Ohne große Umschweife hat Samsung dort das neue Galaxy S5 samt Galaxy Gear 2, Galaxy Gear 2 Neo und Galaxy GearFit vorgestellt.

Vollwertiges Update oder minimaler Fortschritt: Galaxy S5

Vollwertiges Update oder minimaler Fortschritt: Galaxy S5

Meine erste Reaktion auf das Galaxy S5 fiel zugegebener Maßen extrem schlecht aus. Innen hat sich wenig getan, das Display ist mal wieder noch größer und die neue Rückseite erinnerte mich, wie so viele, erst einmal an einen Golfball. Natürlich wird sich das S5 wie jedes Jahr extrem gut verkaufen. Das Niveau mobiler Endgeräte ist aktuell auch einfach derart hoch, dass wirkliche Innovation nicht mehr bei Displaytechnik oder Prozessorpower zu suchen ist. Insofern hat Samsung mit dem neuen Fokus auf Fitness immerhin was Neues zu bieten: einen eingebauten Pulsmesser. Solche Technik ist natürlich extrem sensibel was den Datenschutz angeht. Vor allem aber frage ich mich, wie sich Samsung diesen Sensor auf der Rückseite vorstellt, wenn 90 % aller Galaxy XYZ Geräte doch in Hüllen begraben werden? Erfreulich finde ich allerdings, dass Samsung langsam aber sicher das meiner Meinung nach extrem hässliche Touchwiz anpackt und modernisiert. Wobei ich hier ein bisschen mehr Radikalität erwartet hätte, denn das auf den neuen Tablets eingeführte Magazin UX wurde nicht auf das S5 übernommen. Auch die Tatsache, dass die Wearables statt auf Android- auf Tizen-Basis laufen, verspricht, etwas Abwechslung in den Markt zu bringen. Trotzdem: Das S5 wurde derart im Vorfeld gehypt, dass es praktisch nur enttäuschen konnte. Selbstverständlich werde ich dem S5 daher eine Real-Life Chance geben, bevor ich ein endgültiges Urteil fälle.

4. ZTE & Huawei & LG

Natürlich gab es auch von ZTE, Huawei und LG neue Geräte. Die Geräte von ZTE und Huawei kämpfen bei mir allerdings immernoch etwas um Anerkennung. Die Daten lesen sich meist vielversprechend, aber Verarbeitung und Software sind mir dann meist doch zu billig und verspielt. Interessant fand ich dann schon eher das LG G2 Mini, dass dem exzellenten LG G2 einen geschrumpften Begleiter zur Seite stellen sollte. LG macht dabei im Grunde aber alles falsch, was man falsch machen kann: Das Display ist mit 540 x 960 Pixel und 4,7 Zoll schlicht miserabel unscharf. Zwar schafft es LG, diese Displaygröße dank kaum vorhandener Bezel in ein erstaunlich kleines Format zu pressen, aber „mini“ ist das auf keinen Fall. Dazu dann die übliche Schrumpfkur bei den Innereien und schon kommt das dabei heraus, was ich in meiner Sony Xperia Z1 Compact Review als Mogelpackung bezeichnet habe. Setzen, Sechs, der Nächste bitte.

5. Das Blackphone

Das nächste Highlight war für mich dann ganz klar das Blackphone, dass vollmundig versprach, den Smartphone-Nutzer wieder die Kontrolle über seine Daten zu geben. Hat es dieses Versprechen gehalten? Ja und Nein. Ich habe mich im Vorfeld bereits gefragt, was das Blackphone mit seinem Android-Derivat PrivatOS anders machen will als das was halbwegs technisch interessierte mit Android  in 30 min. selbst hinbekommen. Die Antwort ist für mich leider: Nicht viel.

Das Blackphone setzt auf Android, hat aber in vielen datenschutzsensitiven Bereich Hand angelegt. So ist ein VPN-Dienst vorinstalliert und auch aktiviert. Den seit KitKat gesperrten Zugriff auf die App-Berechtigungen hat es wieder freigeschaltet, so dass ich jeder App einzeln erlauben oder verbieten kann, meine Kontakte oder Kalender zu lesen. Ist das gut, ja! Ist das neu? Nein! VPN-Dienste gibt es wie Sand am Meer und jeder Fritzbox-Nutzer hat die Möglichkeit, sich ein eigenes VPN aufzubauen. Die App-Berechtigungen kann jeder Nutzer bis Android 4.3 mit Apps wie App Ops Starter jetzt schon kontrollieren. Ab KitKat braucht man dafür Root-Rechte oder man installiert direkt eine aktuelle Cynogenmod-Variante, dass den Zugriff auf App-Berechtigungen ebenfalls mitbringt.

Die sonstigen Versprechungen sind abhängig von Extra-Apps. Diese Apps, die vom Hersteller vorinstalliert sind, erlauben die verschlüsselte Kommunikation über SMS, Telefon oder E-Mail. Allerdings funktioniert das nur, wenn auch der Gegenüber diese App benutzt. Die Apps sind übrigens nicht kostenlos, sondern nur für 2 Jahre im Kaufpreis des Blackphones mit enthalten. Die Gesprächspartner ohne Blackphone müssen also monatlich zwischen 50 – 100 € für diese Dienste von Silent Circle zahlen, genauso wie der Blackphone Käufer nach 2 Jahren.

Das Problem ist meiner Meinung nach, dass das Blackphone das Problem nicht an der Wurzel angeht: Android. Android ist schlicht nicht für Datenschutz gemacht, wie Sundar Pichai von Googe selbst andeutet. Entzieht man Apps z.B. Rechte, so funktinieren sie teilweise nicht. Es ist schön, dass die Blackphone-Macher den Zugriff auf die Berechtigungen einbauen, aber solange das gesamte Ökosystem von Android sich nicht verändert ist das nur ein kleiner Schritt. Allerdings: Es ist ein Schritt. Und erfreulicherweise ist das Gerät selbst auch von der Hardware beachtlich. Ich bin also gespannt, ob das Blackphone genug Fahrt aus den aktuellen Datenschutzdebatten mitnimmt, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Sonstiges

Am Rande sind mir noch die neuen Geräte von HTC, neue Prozessoren von Snapdragon und vor allem das Yotaphone 2 aufgefallen.

HTC wird seinen HTC One Nachfolger erst Ende März vorstellen, hat aber auf der MWC 2014 ein paar Mittelklasse-Geräte aus der Desire Serie vorgestellt. Interessant ist das deshalb, weil diese Geräte garnicht mal so schlecht sind. HTC hatte 2013 zwar ein tolles Flagschiff, aber im mittleren und unteren Bereich wenig zu bieten. Dort finden sich aber viele Käufer, wie auch das Moto G zeigt. Das angekündigte Desire 816 zum Beispiel bietet ordentliche Displaytechnik (5,5 Zoll und 720p Auflösung), Quadcore-CPU sowie die vom HTC One bekannten BoomSound und Blinkfeed Features. Fun Fact: Die Frontkamera ist mit 5 MP höherauflösend als die Hauptkamera vom HTC One 😉

HTC ist mit dem Desire 816 wieder in der gehobenen Mittelklasse vertreten

HTC ist mit dem Desire 816 wieder in der gehobenen Mittelklasse vertreten

Der vorgestellte Snapdragon 801 beerbt den hervorragenden Snapdragon 800, den ich täglich im Nexus 5 genieße und bringt höhere Taktraten sowie integriertes LTE. In vielen Geräten ist er aber erstmal nicht zu finden.

Das zweite Yotaphone ist mein Schlusslicht in dieser Zusammenfassung und ich möchte es allein deswegen erwähnen, weil es als einziges Gerät wirkliche Innovation zu bieten hatte: Ein e-Ink-Display auf der Rückseite. Das Problem: Der Verkaufsstart ist erst in 9 Monaten! NEUN! Die Hardware auf der MWC war dementsprechend auch kaum mehr als Beta-Status. Aktuell ließt sich das Gerät zwar sehr gut, aber Ende 2014 ist die Hardware unter Umständen bereits veraltet. Vor allem aber kann der Rückseitendisplay nicht von jeder beliebigen App genutzt werden, sondern nur von speziell angepassten. Ob Twitter, Press oder Tapatalk ihre Apps für ein einziges Gerät anpassen? Ich bezweifle es leider.

Das war mein Fazit. Wie habt ihr die MWC 2014 erlebt? Was waren eure Highlights? See you in the comments!