WeTek OpenELEC Box im Test: Günstiger KODI-Einstieg mit Bastelhürden

 

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Meine Suche nach dem perfekten Wohnzimmer-Rechner geht weiter. Im ersten Teil meiner Artikelreihe zum Thema Wohnzimmer- und Multimedia-PC habe ich erklärt, welchen HTPC ich seit Jahren nutze und was mich dort langsam stört. In Teil 2 habe ich deshalb angefangen, Alternativen auszuprobieren und mir den Intel NUC im HTPC-Einsatz genauer angesehen. In Teil 3 schließlich habe ich mit einem Raspberry Pi 2 einen kleinen edlen Apple-TV Klon zusammengebastelt. Keiner der drei Versuche hat mich bisher aber restlos zufrieden gestellt. So kommen wir nun zu Teil 4 meiner Artikelreihe, in dem ich mir die WeTek OpenELEC Box anschaue. Was die WeTek Box tatsächlich besser als ihre Konkurrenten macht, kläre ich in diesem Testbericht. Viel Spaß!

WeTek OpenELEC und WeTek Play: Eine Klarstellung vorab

Das Unternehmen WeTek mit Sitz in Slowenien und Hongkong stellt seit einer Weile kleine Streaming-Boxen her und hat aktuell sowohl die hier getestete OpenELEC Box als auch die Play Box im Angebot. Auf ersterer läuft – wenig überraschend – eine leicht angepasste Version des namensgebenden Linux-Betriebssystems OpenELEC. Das Open Source Projekt habe ich bereits in meinem Raspberry Pi 2 Artikel vorgestellt. Für dieses tritt WeTek seit einer Weile auch als Sponsor auf. Die Play Variante hingegen ist eine äußerlich identische Box auf der jedoch Android als Betriebssystem läuft. Auch für diese wird zwar mit OpenELEC Support geworben, dort aber über ein seperates Betriebssystem via Dual Boot realisiert.

Soll heißen: Die OpenELEC- und die Play-Box sind äußerlich völlig identische kleine Mini-Rechner. Auf dem einen läuft ausschließlich OpenELEC, auf dem anderen Android samt optionalem OpenELEC als zweitem Betriebssystem. Die WeTEK OpenELEC Box ist diejenige, die ich mir für diesen Testbericht vorgenommen habe. Das Testgerät wurde mir direkt von WeTek zur Verfügung gestellt und per Express binnen kürzester Zeit aus Slowenien versandt. Das machte schonmal einen sehr guten Eindruck. Wenn ich die Rückmeldungen aus Foren überblicke, dann erhält der dortigen Support und Kundenservice aber auch im Übrigen viel Lob. Wie ich es als Blogger mit Leihgeräten und meiner Unabhängigkeit halte, habe ich übrigens in einem gesonderten Artikel angesprochen.

Verarbeitung, Lieferumfang und äußerer Eindruck

Die OpenELEC Box wird in einer – verglichen mit der Größe des eigentlichen Geräts – erstaunlich großen Verpackung geliefert, in der sich neben dem kleinen Rechner auch die Fernbedienung, ein Netzteil und ein HDMI-Kabel befinden. Alles ist durch weiche Kunststoffschichten getrennt und wird gemessen an dem Preis von 99 € erstaunlich ansprechend präsentiert.

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Hochwertig verpackt kommt die Box in einer Pappbox

Die Box selbst ist eher klein, ausschließlich aus Kunststoff gefertigt und sehr leicht. So leicht, dass widerspenstige Kabel die kleine Kiste gern ein wenig umherschieben. Alles in allem ist der äußerliche Eindruck nicht überragend, aber grundsolide. Ein schickes Metallgehäuse oder zumindest eine Alufront wären sicher schön gewesen, sind zu dem Preis aber nicht zu erwarten.

Die Vorderseits wird einzig durch die Status LED geprägt, die im laufenden Betrieb orange und im ausgeschalteten Zustand rot leuchtet. An der rechten Seite und der Rückseite bietet die Box dann ihren zahlreichen Anschlüsse. Rechts findet man einen einzelnen USB 2.0 Port sowie einen Einschub für micro-SD Karten. Das erleichtet den spontanen Zugriff auf Datenträger von Besuchern ungemein. Die Rückseite bietet einen DVB-S2 Doppeltuner, zwei weitere USB 2.0 Ports, HDMI, Ethernet, Toslink, AV-Port und Netzstecker. Intern sind zudem WLan 802.11 b/g/n und Bluetooth 4.0 Antennen verbaut.

Gerade der integrierte DVB-S2 Tuner ist natürlich das Highlight der OpenELEC Box. Nicht nur, dass man ein fertig zusammengestelltes Komplettsystem aus Fernbedienung, WLan, Bluetooth, Infrarotport und KODI-Software bekommt. Zusätzlich ist eben auch bereits ein Dual Tuner für TV-Empfang verbaut. Gemessen daran, wie teuer bereits handelsübliche DVB-S2 Tuner sind, ist es wohl nicht überraschend, dass das Komplettpaket meine Aufmerksamkeit erregt hat.

Benutzung und Performance

In der Benutzung ist die OpenELEC Box zunächst einmal ein völlig normales KODI-System. Sobald Strom anliegt, fährt die Box in ca. 10 Sekunden hoch, zeigt dabei zunächst einen weißen Screen mit WeTek-Logo, einen dunklen Screen mit WeTek- und OpenELEC Logo und dann die eigentliche KODI-Nutzeroberfläche. Auf den ersten hellen Bootscreen hätte ich dabei durchaus verzichten können, weil er in dunkler Heimkino-Atmosphäre unangenehm grell blendet.

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Wer KODI kennt, wird sich sofort zuhause fühlen (hier mit AEON NOX Skin)

Ist das System gestartet, ist die Oberfläche dann von jeder anderen OpenELEC Installation nicht zu unterscheiden. KODI samt Confluence Skin begrüßen einen in Version 15.2 „Isengard“. Seit Anfang November läuft auf der Box OpenELEC 6.0. Wer sich mit OpenELEC und KODI auskennt, wird sich problemlos zurecht finden.

Wichtiger ist natürlich, wie die WeTek Box mit OpenELEC leistungstechnisch klarkommt. Verbaut ist ein AMLogic 8726 MX (ein 1.5 GHz Dual Core Prozessor) samt Mali MP400 Grafikeinheit und 1 GB Arbeitsspeicher. Für das Betriebssystem und sonstige lokale Dateien stehen 4 GB NAND Speicher zur Verfügung. Damit ist die WeTek Box rein auf dem Datenblatt sogar dem Raspberry Pi 2 unterlegen. Und das merkt man leider auch in der Nutzung. Meine aus knapp 200 Filmen bestehende Mediendatenbank scrollt die WeTek Box in der Coveransicht nur mit spürbarem Aufwand durch. Scrolle ich die Datenbank zu schnell durch, kommt zu Verzögerungen bei der Coverdarstellung. Das kennt man zwar auch vom Raspberry Pi, aber so spürbar wie bei der WeTek Box ist es dort nach meinem Empfinden nicht.

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Trotz aktiviertem V-Sync hatte ich mit Tearing zu kämpfen

Was ich ebenefalls nicht von meinem Raspberry Pi 2 gewohnt bin, ist spürbares Tearing bei seitlichen Menübewegungen. Das in den Einstellungen dauerhaft aktivierte V-Sync hilft hier leider nicht. Das stört! Auch das Deinterlacing ist nicht wirklich angenehm. Es bleiben spürbare Linienbildungen zu sehen. Von all dem ist während der Wiedergabe von sonstigem Material aber nichts zu merken. Full-HD Dateien auf Basis des h.264 Codec stellt die Box absolut flüssig dar, wechselt zuverlässig automatisch in die nötige Bildwiederholrate und lieferte all unterstützen Tonformate ohne Probleme.

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Das Scrollen durch meine Datenbank brachte die Box hin und wieder ins Schwitzen

Genauso unauffällig und solide war die Performance bei sonstigen Anwendungsgebieten wie Mediatheken-, Youtube oder Live-TV-Wiedergabe. Ich habe die WeTek Box dabei über den 10/100 MBit Ethernet-Port gefüttert, nicht über WLan. Völlig tadellos lief die Wiedergabe natürlich auch über angeschlossene USB-Laufwerke und -Sticks. Wirklich beschweren will ich mich über die Performance also nicht, aber speziell das fehlende V-Sync stört mich persönlich doch etwas.

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Die Fernbedienung: Präzise, aber laut

Die mitgelieferte Fernbedienung (die sich übrigens von der Android-basierenden Play Variante unterscheidet) erledigt ihre Aufgabe ebenfalls gut. Die Tasten sind meist sinnvoll platziert, reagieren sauber und haben einen gut definierten Druckpunkt. Nur etwas laut ist die Fernbedienung. Das Steuerkreuz ist derart knackig, dass ausgiebiges Klickern durch Menüs einen gewissen akustischen Nervfaktor hat. Auch finde ich die Stop-Taste am unteren Ende nicht ideal platziert. Ich habe bisher auch keine Taste zum direkten Umstellen der Audio- und Untertitelspuren gefunden. Die Fernbedienung sendet – soweit ich das richtig verstehe – übrigens per Funk. Nur das Starten der Box geschieht via Infrarot. Man muss mit der Fernbedienung also nicht genau auf die Box zielen. Das gefällt!

Lautstärke, Hitzentwicklung, Stromverbrauch

Die WeTek Box hat keinen internen Lüfter und ist somit lautlos. Auch sonstige Störgeräusche, insbesondere Spulenfiepen irgendwelcher elektrischen Bauteile, konnte ich nicht feststellen. Mangels eigener Kühlung wird die Box aber im Dauerbetrieb recht warm. Berichte, die von gefährlich heißen Bauteilen um den DVB-S2 Tuner sprechen, kann ich hingegen nicht bestätigen. Ich nutze DVB-S2 aber auch nur als Addon und selten länger als 15 Min. für Dinge wie die Tagesschau.

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Die Konstruktion des Stromsteckers ist etwas „abenteuerlich“

Im deaktivierten Zustand schluckt die Box lediglich um die 0,5 Watt, im Leerlauf und beim Browsen durch die Menüs ca. 11 bis 13 Watt und während der Wiedergabe von HD-Material maximal 12 Watt (gemessen jeweils mit einem KD-302 Energiekosten-Messgerät). Besonders der Standby-Wert ist natürlich schon sehr ordentlich, aber ich persönlich trenne meine Geräte bei Nichtnutzung ohnehin stets via schaltbarer Mehrfachsteckdose vom Netz. Der Netzstecker der WeTek Box kommt übrigens standardmäßig mit NEMA-1 Stecker nach US-Standard samt einem Adapter auf das Euro-Format. Die Konstruktion ist durchaus abenteuerlich, hat aber völlig unauffällig funktioniert.

DVB-S2 mit TV Headend einrichten und nutzen

Das bisher Gesagte könnte so oder ähnlich wohl über viele Systeme mit OpenELEC gesagt werden. Die WeTek Box führt als großes Plus zusätzlich aber noch den integrierten DVD-S2 Tuner ins Feld. Die Box gibt es im Übrigen auch mit DVB-T/C/T2 Tuner und DVB-ATSC (für den US-Markt) und die Tuner selbst sind wechselbar (aber nicht seperat käuflich).

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Der DVB-S2 Adapter kann leicht entnommen werden.

Technisch ist die Box also schnell in die heimische Satellitenanlage integriert. Die eigentliche Arbeit wartet dann auf der Softwareseite. Zu meinem Bedauern stellt WeTek nämlich keinerlei eigene Addons bereit, die es dem Nutzer leichter machen würde, Sendersuchlauf und Kanalverwaltung zu erledigen. Stattdessen führt keine Weg an Eigenarbeit vorbei. Das bedeutet in der Regel die Nutzung des TV Headend Addons, das WeTek auch selbst in einem offiziellem Tutorial-Video empfiehlt. Das Einrichten des TV-Empfang ist damit zwar auch kein Hexenwerk, aber zunächst natürlich abschreckend. Es müssen sowohl TV Headend Server als auch PVR-Client installiert und aktiviert werden. Danach muss von einem anderen Rechner über eine Web-Anwendung der Server konfiguriert und die Sendersuche durchgeführt werden. Das alles klingt tatsächlich schlimmer als es ist. Folgt man dem oben verlinkten Hilfe-Video Schritt für Schritt, ist die Installation in relativ kurzer Zeit erledigt.

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Die Einrichtung über TV Headend ist fummelig, aber doch leichter als erwartet

Im Anschluss kann man sich dann auch noch eigene Senderlogos einrichten und einen Speicherort für Aufnahmen wählen. Obwohl ich also letztlich keine großen Probleme hatte, alles einzurichten, hätte ich mir wirklich gewünscht, WeTek würde für Kunden im europäischen Raum vielleicht ein paar Grundeinstellungen und Vorarbeiten mitliefern. Ein eigenes Addon, mit dem auf der Box selbst der Astra 19,2° Ost oder Hotbird Satellit konfiguriert werden können, und vielleicht ein paar vorinstallierte Senderlogos würden den Einstieg ungemein erleichtern. Diese Arbeit müssen stattdessen einzelne Forennutzer übernehmen, die im WeTek Forum beispielsweise für den Astra Ost Satelliten Senderlisten samt -logos zur Verfügung stellen.

Die Umschaltzeit hängt natürlich von der empfangenen Signalqualität und den Einstellungen zur Umschaltverzögerung ab, aber viel schneller als 2-3 Sekunden habe ich mein System nicht konfigurieren können. Das ist für meinen Geschmack aber immer noch angenehm fix.

Fazit: Unschlagbarer Preis, aber nicht ohne Einstiegshürden

Insgesamt fällt mein Fazit trotz aller Kompromisse bei Leistung und Bastelaufwand sehr positiv aus. Das liegt einerseits am grandiosen Preis von 99 € und andererseits an dem integrierten DVB-S2 Tuner. Aber selbst ohne diesen Tuner wäre die Box ein guter Deal. Rechnet man einen Raspberry Pi 2, das dafür nötige Gehäuse, Speicherkarte, Fernbedienung, WLan und Bluetooth-Stecker zusammen, kommt man kaum günstiger weg und hat einen ungleich höheren Aufwand bei der Ersteinrichtung. Die WeTek OpenELEC Box hingegen bringt all das vorinstalliert und -konfiguriert mit.

Der DVB-S2 Doppeltuner ist dann natürlich eine willkommene Dreingabe. Zwar ist die Einrichtung eine gewisse Herausforderung für technisch nicht versierte Nutzer, aber die Kombination aus KODI und Sat-TV ist günstiger kaum zu bekommen. Lediglich die wenig schmeichelhafte Performance und das nervie Tearing trüben den Gesamteindruck etwas. Hier werde ich beobachten, ob sich in Softwarehinsicht etwas tut und der Artikel gegebenfalls aktualisieren.

Bis dahin kann aber keiner der Kritikpunkte wirklich eine Empfehlung meinerseits verhindern. Für den Einstieg in die KODI-Welt sehe ich kaum bessere Alternativen. Die mitgelieferte Fernbedienung, das vorinstallierte OpenELEC und Extras wie WLan und Bluetooth überwiegen für mich gegenüber der stellenweise verbesserungsfähigen Performance. Sollte WeTek in absehbarer Zeit eine leistungsfähigere Version vorstellen, wäre ich natürlich aber auch nicht böse.

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