Warum sind gute Smartphones nicht immer auch Verkaufshits?

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Geht es euch nicht genauso? Wenn man die Augen offen hält, sieht man doch zu 90 % überall Samsungs und iPhones, richtig? Ist das nicht merkwürdig? Zwar sind Apples Flagschiffe sehr gute Geräte und auch das Galaxy S5 hat viele Stärken, aber beide Hersteller werden regelmäßig dafür kritisiert, dass sie bei dem Design oder der Ausstattung ihrer Geräte oft lieber den „sicheren“ Weg gehen. Trotzdem sind gerade diese Geräte die Verkaufsschlager? Woran liegt es, dass sich gerade die „langweiligen“ Smartphones so gut verkaufen und die vielen anderen gelobten Geräte Ladenhüter bleiben?

Beispiele für dieses Phänomen gibt es genug. Letztes Jahr eroberten unter anderen zwei Smartphones die Herzen der Kritiker: Das HTC One (M7), das ich gerade rückblickend getestet habe, und das Moto X von Motorola. Egal ob amerikanische oder deutsche Reviews, überall lobte man die Geräte und noch heute liest man vielerorts, dass so mancher Redakteur trotz all der neuen Technikwunder lieber zu diesen alten Klassikern greift. Gleichzeitig sind beide Geräte aber auch Beispiele für mäßige Verkaufserfolge. Stattdessen belegen die neuesten Zahlen von ABI wieder einmal, dass Apples iPhones und Samsungs Galaxy Serie die beliebtesten und meist verkauften Smartphones sind.

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Woran liegt es, dass hochgelobte Geräte in der Versenkung verschwinden und stattdessen minimale Iterationen der alten, langweiligen Hardware einiger weniger Hersteller wirtschaftlich erfolgreich sind?

Von Marktsättigung und Kundenintelligenz

Diese Frage ist natürlich zu allererst höchst subjektiv. Wer entscheidet denn, was gut und was schlecht ist? Qualität liegt eben immer im Auge des Betrachters. Natürlich halten sich die Innovationen bei Apple in Grenzen und wer das Galaxy S3 vom Galaxy S5 unterscheiden kann, muss schon fast nerdischen Blick für Details beweisen. Aber genau das ist für viele Käufer kein Nachteil, sondern geradezu ein Pluspunkt. Der Markt ist derart gesättigt und die Menschen an Smartphones gewöhnt, dass es für viele eben nicht mehr um neueste Leistungsdaten, irrwitzigste Features oder brandneueste Bedienkonzepte geht. Für viele Menschen sind Smartphones mittlerweile das, was das gemeine Automobil nach der Motorisierung der 1950er Jahre  wurde: Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens. Und die sollen vor allem ihren Dienst tun, leicht zu bedienen sein und zuverlässig funktionieren. Wer will es den Scharen an iPhone Käufern also vorwerfen, dass sie nach mehreren Generationen von iPhones im Herbst wieder zum iPhone 6 greifen werden? Auch ich, der kaum eine Woche durchgehend das gleiche Smartphone nutzt, komme immer wieder auf meine Standardgeräte zurück, zu denen aktuell auch ein so langweiliges Gerät wie das iPhone 4S zählt.

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Vertraut und bekannt: Das iPhone 4S gehört immer noch zu den beliebtesten Smartphones

Der Misserfolg des HTC One (M7) und des Moto X liegt also trotz all ihrer Vorzüge auch in der Gewöhnung der Nutzer an Altbekanntes. Wer hat schon Lust, den Handgelenk-Trick des Moto X zu lernen, wenn er wie gewohnt beim iPhone das Kamerasymbol auf dem Startscreen hochwischen kann? Wer möchte sich mit HTCs Sense Nutzeroberfläche auseinandersetzen, wenn er sich bei Touchwiz blind auskennt? Die Erklärung ist daher wohl so gewöhnlich wie einleuchtend: Menschen sind Gewohnheitstiere und Apple und Samsung haben sich nunmal in den Händen und Köpfen der Nutzer festgesetzt.

Marketing, Marketing und nochmal Marketing

Selbstverständlich darf der Punkt Marketing nicht vergessen werden. Marketing, so könnte man meinen, ist alles. Da ist viel dran. Jedenfalls ist fehlendes Marketing meist sehr schädlich. Die Werbekampagne, die HTC mit Robert Downey Jr. letztes Jahr gestartet hat, war derart konfus und spärlich, dass es kein Wunder ist, dass niemand von den Vorzügen (Blinkfeed, Zoe, Alugehäuse) des HTC One (M7) überzeugt wurde. Auch die Werbetrommel, die Motorola in Deutschland für sein Moto X rührte, war eher ein Tömmelchen und dementsprechend ist es mir auch kein Rätsel, warum ich so wenige Moto X auf der Straße sehe. Gar nicht zu reden brauchen wir von Microsoft, deren Marketingeinsatz für Windows Phone 8 derart gering ist, dass ich am Frankfurter Flughafen neulich geradezu vor Verwunderung gelähmt war, als mich eine riesige Werbetafel für das Lumia 930 ansprang.

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Eine Rarität: Werbung für Windows Phone 8

Andererseits ist Marketing auch nicht alles. Die jüngsten Zahlen von Samsung zeigen, dass es den Koreanern aktuell trotz des gigantischen Werbe-Etats nicht gelingt, die gewünschten Absatzzahlen zu erreichen. Das kann viele Ursachen haben. Vielleicht liegt es am Aufkeimen neuer Konkurrenten, wie dem LG G3, oder einfach daran, dass das S5 in einem gesättigten Markt zu wenig Neues bietet. Tatsache ist jedenfalls, dass Marketing vieles, aber nicht alles ist, was einen Verkaufshit ausmacht. Das Moto G zum Beispiel gehört zu der seltenen Gattung an Geräten, die sich vor allem durch Mund zu Mund Propaganda zum Hit gemausert haben. Das Verhältnis aus Preis und Leistung ist schlicht derart gut, dass es auch heute, über 7 Monate nach dem Verkaufsstart, noch immer zu den meistempfohlenen Smartphones gehört.

Das Rezept für einen Hit

Was aber macht ein Smartphone dann zu einem Erfolg an den Kassen? Es läuft am Ende sicherlich auf eine Mischung aus vielen Einzelheiten hinaus. Die wichtigsten Faktoren sind aber – meiner Meinung nach – ein klares Produkt, ein passendes Marketing und vor allem ein angemessener Preis.

Ein klares Produkt sagt, was es kann, was seine Stärken sind und warum es besser als andere ist. Das iPhone macht das seit Jahren mit geradezu langweiliger Monotonie: Gute Verarbeitung, stabile Software, viele Apps. Keine Gimmicks, keine Spielereien, sondern Vertrautes und Bekanntes. An diesem Punkt scheitern erstaunlich viele Hersteller, so etwa Sony, das bis auf „gute Kamera“ wenig Überzeugendes in seiner Werbung rüberzubringen vermag (Wer kann denn schon noch was mit „Walkman“ anfangen?).

Diese klare Produktbotschaft muss das Marketing dann aber auch nach außen tragen. Daran scheitert wiederum Microsoft seit Langem, wenngleich man aktuell vermehrt pointierte Werbung findet, die sich auf die Stärken von Windows Phone 8 konzentriert. Leider sind diese Stärken aktuell aber kaum noch an der Lebenswirklichkeit der Nutzer orientiert (Jedenfalls habe ich noch niemanden im Zug eine Powerpoint-Präsentation auf dem Smartphone erstellen sehen). Es muss also nicht nur eine klare, sondern vor allem auch eine passende Werbebotschaft sein.

Zuletzt muss dann der Preis stimmen. Und daran dürfte schließlich das Moto X gescheitert sein, das lange zu einem völlig übertriebenen Flagschiff-Preis angeboten wurden, aber nur Mid-Range-Hardware bot.

Was denkt ihr? Warum sind viele tolle Smartphone Ladenhüter und die ewig gleichen Hersteller in den Verkaufscharts ganz oben? Welche unterbewerteten Smartphones würdet ihr gern in den Händen von mehr Käufern finden?

See you in the comments!

5 Kommentare
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  3. DMM
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