Microsoft Surface 3 im Alltagstest: Wo ist es iPad und Laptop überlegen?

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Ich bin nicht der größte Fan von Windows. Seit Jahren fühle ich mich eher bei Mac OS X zuhause. Ich bin auch kein großer Fan der Surface Pro Geräte. Sie erscheinen mir einfach zu klobig und zu nah am vollwertigen Laptop. Auch für das gemütliche Surfen auf der Couch schwöre ich eher auf die Konkurrenz, nämlich das iPad und das starke App-Angebot von Apple. Warum dann dieses Review über den neuesten Tablet-Computer von Microsoft? Ganz einfach: Das Surface 3 macht so viel richtig, dass es meine bisherigen Erwartungen an Tablets praktisch im Alleingang neu definiert hat. In diesem Alltagstest möchte ich deshalb klären, wo und warum ich es einem iPad oder einem Laptop vorziehe würde. Viel Spaß!

1. Inhaltsübersicht

2. Überblick und Einleitung

3. Design, Verarbeitung, Zubehör

4. Wie schlägt sich das Surface 3 gegen Tablet und Laptop?
4.1 Der Feierabend auf der Couch
4.2 Ablenkung unterwegs
4.3 Desktop-Betrieb mit externem Monitor
4.4 Leichtes Arbeiten zuhause und unterwegs
4.5 Casual-Games und PC-Spiele

5. Für wen ist das Surface 3 die richtige Wahl?

2. Überblick und Einleitung

Im April habe ich bereits in einem kleinen Editorial beschrieben, warum mir das Surface 3 immer sympathischer wird. Obwohl ich – wie gesagt – kein ausgesprochener Windows Freund bin, ließ mich das Versprechen aus Mobilität, Desktop-Power und schickem Design nicht los. Was macht ein neugieriger Techblogger in so einer Situation? Klar, er bleibt dran und fragt immer und immer wieder nach einem Testgerät. Allerdings ging es nicht nur mir so, sondern auch viele meiner Kollegen schienen äußerst angetan von dem neuen 10 Zoll Tablet. So dauerte es dann auch bis zum Oktober 2015, bis mir das freundliche Marketing-Team von Microsoft ein Testgerät zusenden konnte. Dafür an dieser Stelle abermals besten Dank.

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Testgerät samt Zubehör hat Microsoft Deutschland gestellt

Dementsprechend erfreut war ich, als mich vor 4 Wochen dann doch endlich ein Testgerät von Microsoft erreichte, mittlerweile mit vorinstalliertem Windows 10 statt 8.1. Da ich mit meinem Review mittlerweile relativ spät dran bin, möchte ich diesen Testbericht etwas anders aufziehen. Ich werde zwar kurz ein paar Worte zum Gerät, der Verarbeitung und dem Bedienerlebnis sagen, aber vor allem möchte ich beschreiben, wie sich das Surface in klassischen Situationen gegen Tablet und Laptop schlägt. Falls ihr direkt zu einzelnen Kapiteln springen wollt, nutzt einfach das Inhaltsverzeichnis oben.

3. Design, Verarbeitung, Zubehör

Beim mir zur Verfügung gestellten Testgerät handelte es sich um die Ausführung mit 4 GB Arbeitsspeicher und 128 GB internem Speicher. Ebenfalls im Testgerät-Bundle befand sich ein blaues Typecover und ein Surface Pen. Ich konnte also das gesamte Surface 3 Feeling in seiner Maximalausstattung ausprobieren. Dieses Gesamtset kostet derzeit allerdings auch den stolzen Preis von über 800 € im Einzelhandel.

Wer das Surface 3 nicht genauer kennt, dem würde ich es so beschreiben: Ein vollwertiger Computer im Gehäuse eines iPads der älteren Generationen. Das ist aus zwei Gründen wichtig. Erstens arbeitet im Surface 3 endlich ein normaler Desktop-Prozessor von Intel, weshalb auf ihm auch erstmals ganz normales Windows läuft. Zweitens ist das Surface 3 mit etwas über 10 Zoll und einer Gehäusegröße auf Niveau der alten iPads nicht so ein unhandlicher Brummer wie die Geräte der Pro Serie, denen das vollwertige Windows bisher vorbehalten war. Mit der dritten Generationen hat Microsoft also endlich ein Surface im Angebot, das handlich genug für die Couch und kraftvoll genug für den Schreibtisch sein könnte.

Ein besonderes Highlight ist für mich das unverändert elegante Design und die hochwertige Verarbeitung des Surface 3. Das helle Magnesium-Gehäuse fühlt sich exzellent an und sieht ausgesprochen gut aus. Das Display ist ebenfalls erstklassig und mit 214 PPI ungefähr so scharf wie das des 13 Zoll Macbook Pro Retina (227 PPI). Hinzu kommen die hörenswerten Stereo-Lautsprecher, der 3-stufige Kickstand, reichlich Anschlüsse und ein 28-Wattstunden großer Akku. Kurzum: Die Hardware hat mich während meiner Testzeit absolut überzeugt.

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Das Surface 3 mit Typecover und Surface Pen

Bedient wird das Surface 3 entweder per Touchscreen oder per Typecover, das in zwei verschiedenen Positionen (flach oder angewinkelt) magnetisch am Surface 3 haftet. Als dritte Option gibt es natürlich wieder den Surface Pen, der bereits vom Surface Pro 3 bekannt ist. Der war auch in meinem Testpaket mit dabei, erreichte mich aber mit leerem Akku. Das Problem: Der Stift wird mit einer AAAA-Batterie und zwei 319er Knopfzellen betrieben. Diese Stromquellen findet man nicht ohne Weiteres im örtlichen Einzelhandel, sondern muss sie meist online nachordern. Weshalb Microsoft es den Nutzern mit drei einzelnen Batterien in zwei verschiedenen Fächern so schwer macht, den Surface Pen mit Strom zu versorgen, verstehe ich nicht. Bis ich alle Batterien ersetzt hatte, war der Testzeitraum leider schon fast vorbei, weshalb ich hier darauf verzichte, oberflächliche Eindrücke vom Surface Pen wiederzugeben.

4. Wie schlägt sich das Surface 3 gegen Tablet und Laptop?

Das Surface 3 ist also zunächst einmal ein sehr gelungenes 2-in-1-Gerät. Wie bei der gesamten Surface Reihe hängt ihm aber der Ruf nach, alles ein bisschen und nichts richtig zu können. Die eigentliche Frage ist daher nicht, ob das Surface 3 günstiger, schneller oder schöner als andere Geräte ist, sondern wo und wann es mehr Möglichkeiten als ein Spezialgerät bietet. Um diese Frage zu klären, nehme ich euch einmal in die typischen Situationen mit, in denen ich normalerweise mein iPad oder meinen Laptop benutze und erkläre, wie sich das Surface 3 jeweils schlägt.

4.1 Der Feierabend auf der Couch

Die größte Herausforderung stellt für das Surface 3 wohl die klassische Feierabend-Couch da. Entspanntes Surfen, Daddeln oder Konsumieren sind die Paradedisziplinen von iPad und Android-Tablets. Vor allem das iPad kann hier mit einem unangefochten erstklassigen App-Angebot glänzen und bietet in der allerneuesten iPad Air 2 und Mini 4 Generation zudem ein extrem flaches und leichtes Design. Das Surface 3 kann mit diesen modernen Tablets in Sachen Komfort nicht mithalten und ist selbst im Vergleich zu den alten wuchtigen iPads knapp 10 % schwerer und größer.

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Im Vergleich zu aktuellen Leichtgewichten wie dem iPad Mini ist das Surface 3 natürlich immer noch ein Brummer.

Noch viel größer als der Unterschied im Formfaktors ist aber der Unterschied hinsichtlich der verfügbaren Apps im jeweiligen Appstore. Man kann es drehen und wenden wie man will, das Appangebot in Microsofts Windows 10 Store steckt noch in den Kinderschuhen. Trotzdem hat sich das Surface 3 in meinem Alltagstest auch auf der Couch durchaus lobenswert geschlagen. Das liegt zunächst daran, dass ich – anders als auf dem Smartphone – auf einem Tablet deutlich weniger spezielle Apps benötige. Twitter, Netflix, RSS-Reader, Tapatalk, Videoplayer und E-Mail stellen im Grunde 90 % der Anwendungen dar, die ich am Tablet brauche. Und für all das gibt es im Windows 10 Store mittlerweile touch-optimierte Apps, die zumindest grundlegend brauchbar sind. Schmerzlich fehlt mir einzig die für mich so wichtige Comixology-App zum Lesen meiner digitalen Comicbuch-Sammlung. Die Entwicklung dieser App wurde leider eingestellt.

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Der Windows 10 Store kann es mit iOS und Android noch nicht aufnehmen

Anders als beim Smartphone ist es auf einem vollwertigen Windows-System aber viel eher möglich, Lücken im App-Angebot durch den Browser zu füllen. Die fehlenden Youtube-Apps unter Windows 10 kann man genauso gut durch den Browser ersetzen wie Google Plus, eBay Kleinanzeigen, Geizhals oder besagte Comic-App. Dank Plugins für Firefox oder Chrome sogar werbe- und trackingfrei (ein Vorsprung, den Apple allerdings kürzlich aufgeholt hat). Für das gemütliche Daddeln zum Feierabend erlaubt es Windows 10 in den Tablet-Modus zu wechseln, der den Desktop durch eine Windows Phone ähnliche Oberfläche ersetzt. Hier lassen sich sowohl die modernen Apps aus dem Windows Store als auch klassische Windows Programme ablegen und starten. Leider hat der Tablet Modus aktuell noch so seine Probleme. Sobald man die für Finger-Bedienung optimierten modernen Apps verlässt, merkt man recht schnell, dass normale Desktop-Programme auch unter Windows 10 nur selten angenehm mit den Fingern bedient werden können.

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Im Tabletmodus gleicht die Oberfläche der von Windows Phone und rückt die Apps in den Vordergrund

Selbst bei einer Skalierung von 200 % sind viele Elemente in den klassischen Programmen zu klein, um sie zuverlässig mit einem Finger auswählen zu können. In normalen Desktop-Programmen muss man zudem in Textfeldern die virtuelle Tastatur jedes Mal manuell aufrufen und schließen. Langfristig ist der Browser daher dann doch keine wirklich komfortable Lösung und ich hoffe, dass das Konzept der Universal Windows Apps unter Windows 10 endlich den Zuspruch von Seiten der Entwickler erfährt, der ihm unter Windows 8 verwehrt blieb. Wirklich schwierig wird es für das Surface 3 schließlich im Bereich der Gelegenheits-Games. Zwar gibt es zum Beispiel einzelne Angry Birds Ableger und auch Candy Crush hat es mittlerweile als Universal App auf Windows 10 geschafft. Aber auch hier gibt es im Grunde keine Diskussion: Was Spiele angeht, ist der Windows 10 Store Lichtjahre von der Vielfalt im iOS- und sogar Android-Appstore entfernt.

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Der Akku lieferte mir zwischen 5 und 6 Stunden Laufzeit

Schließlich wäre da noch die Akkulaufzeit. Als reines Spaß-Tablet hielt das Surface 3 bei mir im Schnitt gute 3 Tage durch, wobei ich es morgens und vor allem abends benutzt habe, um die Techniknews des Tages nachzulesen, ein paar Youtube Videos anzuschauen oder auf Twitter herumzutrollen. Dabei habe ich das Surface 3 nie ausgeschaltet, sondern nur mit deaktiviertem WLan in den Standby gesetzt, so wie ich es auch stets mit meinem iPad Mini 2 getan habe. Hier merkt man dann doch, dass in dem Surface 3 echte Desktop-Hardware arbeitet. Mein iPad verbraucht im Standby praktisch nichts, während das Surface 3 im Standby spürbar mehr Akku verbraucht. Für mich persönlich hat das Surface 3 aber das erfüllt, was ich mir erhofft habe: Ein vergleichsweise handliches Tablet, mit dem ich schnell E-Mail, Twitter und Browser zur Hand habe. Für diese Zwecke habe ich zu keinem Zeitpunkt empfindliche Nachteile gegenüber iPad und Co empfunden.

4.2 Ablenkung unterwegs

Das zweite Szenario, das das Surface 3 bei mir meistern musste, war die Unterhaltung unterwegs. Mein iPad Mini 2 habe ich vor allem genutzt, um auf Reisen und im Urlaub ein paar Filme im Rucksack parat zu haben. Bei den iPads bin ich jedoch den Aufwand mittlerweile Leid, den es erfordert, meine Filmsammlung auf das Tabelt zu bringen: TV-Aufnahmen müssen stets in ein Format umgewandelt werden, das geeignet ist, um es via iTunes auf das iPad zu übertragen. Genau diese Umwandlungs- und Übertragungsarbeit erspart mir das Surface 3.

Hier im Blog habe ich schon öfter in der einen oder anderen Form über KODI geschrieben. Es ist das Standard Mediendatenbank Programm für alle, die eigene Filmbibliotheken pflegen. Meine mittlerweile stattliche Sammlung muss ich für das Surface 3 nun nicht mehr mühsam umwandeln, sondern kann die Dateien (regelmäßig im .ts Format) direkt per Drag-and-drop auf eine SD-Karte kopieren und über KODI abspielen. Das Ganze ist schlicht deutlich komfortabler als der Umweg über iTunes. Dank des SD-Kartenslots des Surface 3 bin ich zudem deutlich flexbiler, was den Speicherplatz angeht und unabhängiger von den horrenden Preisen, die Apple für die iPads mit größerem Speicher verlangt.

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Dank der guten Stereo-Lautsprecher machen Filme auf dem Surface 3 richtig viel Spaß

Hinzu kommen die exzellenten Stereo-Frontlautsprecher, die Microsoft dem Surface 3 spendiert hat. Hier erübrigt sich meiner Meinung nach jede Art von Vergleich zu dem einzelnen seitlichen Lautsprecher der iPads. Wo das iPad Air 2 zum Beispiel aufgrund der extrem dünnen Bauweise ab gewissen Lautstärken spürbar scheppert und vibriert, verhält sich das Surface 3 für meinen Geschmack ausgezeichnet. Der hörbare Stereo-Effekt hat mich im Hotelzimmer auf Reisen direkt vergessen lassen, dass der Ton tatsächlich nur aus dem Surface 3 kommt und nicht aus räumlichen Lautsprechern. In Sachen Video- und Medienwiedergabe ist das Surface 3 für mich ohne Zweifel eine Empfehlung wert.

4.3 Desktop-Betrieb mit externem Monitor

Während die bisherigen Punkte eher Tablet-Disziplinen waren, habe ich das Surface 3 natürlich auch als reines Arbeitsgerät ausprobiert. Ich persönlich schreibe meine Texte immer noch am Liebsten auf einer echten Tastatur während ich an meinem Schreibtisch vor einem externen Monitor sitze. Das Surface 3 konnte ich hier problemlos in meinem Workflow einbinden. Mein Dell U2715H Monitor wurde am Displayport des Surface 3 sofort erkannt und der Logitech Funkempfänger für meine Tastatur- und Mauskombo fand im benachbarten USB 3.0 Anschluss Platz. In Kürze war ich so startklar für die Arbeit.

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Dank Displayport und USB-Eingang wird das Surface 3 kurzerhand in einen Desktoprechner verwandelt

Das Surface 3 hatte dabei keinerlei Probleme zeitgleich sowohl das eigene Display in voller Auflösung sowie meinen Monitor mit Quad-HD Auflösung anzusteuern. Windows 10 ermöglicht es zudem endlich, auf verschiedenen Monitoren unterschiedliche Skalierung einzustellen. Mit 200 % auf dem Surface 3 Display und 150 % auf dem externen Monitor war so ein angenehmes Arbeiten möglich. Beeindruckt war ich vor allem davon, wie flüssig der verbaute Atom x7 Prozessor trotz eines angeschlossenen externen Monitors die Windows 10 Oberfläche darstellt. Wo mein Retina Macbook Pro am gleichen Monitor bei einigen Animationen gerne ein paar Ruckler zeigt (Programme-Ordner im Dock), lief Windows 10 butterweich.

Auch ansonsten kann ich über die Performance des Surface 3 nur wenig schlechtes sagen. Der integrierte Atom x7 8700 Prozessor ist ein recht interessanter Mix aus sparsamem Quadcore mit 1,6 GHz Basis- und 2,4 GHz Turbotakt sowie einer Grafikeinheit auf Basis der Broadwell Architektur. Die CPU stellt zwar keine Geschwindigkeitsrekorde auf, reicht aber problemlos für alles, was ich täglich benötige: Office, Firefox, ein paar moderne Apps sowie Video- und Streamingprogramme. Vor allem die 4 GB Arbeitsspeicher ermöglichen ein durchaus ausuferndes Multitasking. Zusammen mit der neuen Multitasking-Bedienung in Windows 10 konnte ich stets zwischen einem dutzend aktiver Programme hin- und herwechseln, ohne dass Inhalte neu geladen werden mussten.

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Der interne eMMC Speicher ist kaum schneller als eine klassische Festplatte

Wirklich negativ fällt im Grunde nur der lahme interne Speicher auf. Da die Cherry Trail Architektur keine angemessen schnelle SATA oder PCI-Schnittstelle bietet, arbeitet im Surface 3 nur fest verbauter eMMC Speicher. Der ist im Grunde nichts anderes als eine auf das Mainboard gelötete Speicherkarte. Deren maximalen Lese- und Schreibraten liegen im Bereich um 130 MB/s und 50 MB/s, was den Werten schneller Festplatten mit Magnetscheiben entspricht. Wer hingegen das Arbeiten mit SSDs gewöhnt ist, die teilweise zehnmal schnellere Zugriffszeiten bieten, wird den Geschwindigkeitsverlust deutlich wahrnehmen. Das Starten aufwändiger Programme kann durchaus viele Sekunden dauern. Während der Firefox Browser noch erträgliche 3 – 4 Sekunden braucht, bis er gestartet ist, braucht das Surface 3 für Programme wie Spotify schon spürbar länger, so dass ich nicht selten dachte, ich hätte das App-Symbol beim Klicken verfehlt. Sobald die Programme aber einmal gestartet sind, ist dann kein großer Geschwindigkeitsnachteil mehr spürbar. Wer jedoch damit rechnet, dass auf Klick alle Programme sofort starten, muss sich trotzdem umgewöhnen. Diese Kompromisse bei der Leistung sind für mich aber verschmerzbar, da das Surface 3 dank der sparsamen Technik vollkommen lüfterlos gekühlt werden kann und zudem passable Laufzeiten von ca. 5 – 6 Stunden liefert. Trotz seiner sparsamen Atom-Plattform schafft es der mitgelieferte micro-USB-Netzstecker im laufenden Betrieb leider nur gerade so, den Akku des Surface 3 auf gleichem Ladestand zu halten. Will man das Surface 3 in halbwegs annehmbarer Zeit (ca. 5 Stunden) aufladen, sollte man es vorher herunterfahren. Schuld ist der micro-USB-Anschluss, der schlicht keine höheren Ladespannungen zulässt.

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Geladen wird über handelsüblichen micro-USB Stecker

Ebenfalls wünschen würde ich mir für den Desktop-Betrieb einen zweiten USB-Steckplatz. Bei mir jedenfalls war der einzige verfügbare Steckplatz regelmäßig mit meinem USB-Funkempfänger blockiert, was das zusätzliche Verwenden etwa eines USB-Sticks ausschließt. Natürlich kann man auch eine Tastatur oder Maus auf Bluetooth-Basis nutzen, aber meine Erfahrungen mit gekoppelten Bluetooth-Eingabegeräten und gleichzeitig aktivem WLan sind nicht immer die Besten. Immerhin ist der micro-USB Steckplatz, über den normalerweise das Netzteil angeschlossen wird, gleichzeitig auch ein vollwertiger USB-Eingang, an den ich beispielweise meinen Meenova-Card-Reader anschließen und so zumindest etwas zusätzliche Flexibilität gewinnen konnte.

Insgesamt muss man dem Surface 3 also zugestehen, ganz erhebliches Potential auch im Desktop-Bereich zu haben. Berücksichtigt man aber allein die Kosten des Tablets, dann muss natürlich anerkannt werden, dass man für den gleichen Preis mit Leichtigkeit echte Notebooks findet, die das Surface 3 problemlos in die Tasche stecken. Das Surface kostet in der 4 GB / 128 GB Version ohne Extras bereits fast 700 €. Dafür ist zwar aktuell immerhin 1 Jahr Office 365 dabei, aber gegen jedes Notebook zum gleichen Preis zieht das Surface 3 in Sachen Leistung, Anschlussvielfalt und Speicherausstattung klar den Kürzeren. Wer einzig einen stationären Desktop-Rechner sucht, ist ohnehin bei Mini-PCs, wie der NUC-Serie von Intel, besser aufgehoben.

4.4. Leichtes Arbeiten zuhause und unterwegs

Als selbstständiger Notebook-Ersatz hat das Surface 3 ebenfalls einen nicht ganz so leichten Stand. Im Bundle mit dem Typecover muss es sich gegen 800 € teure Notebooks behaupten. Für sich genommen, ist das Surface 3 aber tatsächlich ein ausgesprochen gelungener mobiler Rechner. Vor allem das magnetisch haftende Typecover hat mich überzeugt. Bereits im Vorfeld konnte ich diese Kombination aus Tastatur, Trackpad und Displayschutz an Ausstellungsgeräten ausprobieren und auch nach 4 Wochen Nutzung hat sich der sehr positive Eindruck nicht verändert.

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In dem dünnen Cover verbirgt sich eine erstaunlich gute Tastatur

Das Schreibgefühl ist für mein Empfinden sehr angenehm. Die Tasten haben trotz des nur wenige Millimeter dicken Covers einen spürbaren Tastenhub und die Tasten sind nicht zu klein. Allerdings ist die Tastatur recht laut und klingt beim Schreiben ein bisschen wie ein ausgehölter Joghurtbecher, auf dem Schlagzeug gespielt wird. Für extrem leise Arbeitsumgebungen, etwa Bibliotheken, ist das Surface 3 daher nur bedingt geeignet. Nach wie vor sehr angetan bin ich auch von dem kleinen Trackpad. Beim Dell XPS 13 musste ich leider erneut feststellen, dass es bisher keine Windows Maschine geschafft hat, das Niveau der Trackpads der Macbooks zu erreichen. Das schafft zwar auch das Surface 3 nicht, aber gemessen an den Umständen kommt es doch erstaunlich nahe ran. Ich empfehle übrigens jedem, den Tipp von WindowsCentral zu beherzigen und in den Trackpad-Einstellungen die „Pinch-to-Zoom“-Funktion zu deaktiveren. Das hat jedenfalls bei mir in vielen Programmen – gerade im Browser – zu einem deutlich besseren Scrollverhalten geführt. Der größte Feind des Trackpads ist letztlich aber seine geringe Fläche. Die neuen Mehrfingergesten von Windows 10 sind auf dem nur wenige Quadratzentimeter großen Trackpad rein platztechnisch fast unmöglich.

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Die Tastatur und auch des kleine Trackpad sind bemerkenswert gut gelungen

Der Kickstand auf der Rückseite hat zwar – anders als beim frei einstellbaren Pendant der Pro Serie – nur drei fest definierte Positionen, aber von extrem steil bis extrem flach sind für mich alle nötigen Positionen vorhanden. Mit einem befriedigenden Klick rastet der Ständer sauber ein und hält das Surface 3 stabil in der festgelegten Position. Auf dem Schoß ändert das natürlich nichts an der bekannten Kritik, dass es der Surface Serie an Lapability (Schoßtauglichkeit) fehlen würde. Während normale Notebooks bis an die Kniespitze geschoben werden können, weil ein starres Schanier den Notebook-Monitor hält, muss das Surface 3 stets noch Platz für den Kickstand lassen. Das führt notwendigerweise zu einer etwas gestauchten Haltung beim Tippen. Dieses Problem ist aber wohl kaum zu lösen, denn selbst wen man das Tastaturcover fest mit dem Surface 3 verbinden würde, wäre es nicht schwer genug, um das Tabelt in seiner Position zu halten. Für mich leidet das Schreibgefühl auch auf dem Schoß tatsächlich aber nicht so sehr, dass ich es als entscheidenden Kritikpunkt sehen würde. Mir ist der Kickstand jedenfalls den Mehrwert wert, den das jederzeit abnehmbare Tastaturcover bietet.

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Mit etwas über 10 Zoll bietet das Surface 3 natürlich weniger Arbeitsfläche für Fenster-Wildwuchs als übliche 13 Zoll Notebooks (links das Macbook Pro Retina)

Trotzdem wird das Surface 3 es jenen schwer machen, die mehrere Stunden am Tag lange Texte verfassen müssen. Für Summen um die 800 € bekommt man Notebooks mit besseren Tastaturen und vor allem deutlich größeren Trackpads. Und noch ein Aspekt ist beim mobilen Arbeiten zu bedenken: Mit knapp über 10 Zoll ist das Benutzen mehrerer Fenster schnell eine sehr fummelige Angelegenheit. Natürlich ist dank vollwertigem Windows 10 jederzeit das übliche Arbeiten mit dutzenden Fenstern möglich, aber diese werden angesichts des 10 Zoll Displays schnell so klein, dass ich selten mehr als zwei Fenster gleichzeitig benutzt habe.

4.5. Casual-Games und PC-Spiele

Zuletzt wäre da noch der Bereiche Spiele. Insoweit gilt das, was ich oben zum Appangebot gesagt habe. Im Windows 10 Store finden sich zwar viele bekannte Titel, aber eben lange nicht so viele wie unter iOS oder Android. Die Spiele, die es gibt, laufen aber natürlich problemlos und spielen sich identisch zu den Pendants auf iPad und Android-Tablet. Für die abendliche Party Candy Crush o.ä. ist das Surface 3 also in jedem Fall problemlos geeignet, sofern das Spiel der Wahl zur Verfügung steht.

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Für PC-Gamer ist das Surface 3 praktisch unbrauchbar

Weniger Sinn macht das Surface 3 für die, die anspruchsvolle PC-Spiele im Sinn haben. Natürlich lassen sich theoretisch alle PC-Spiele – etwa aus der eigenen Steam-Bibliothek – nutzen. Dank DirectX 12 Unterstützung ist die Cherry Trail GPU auch grundsätzlich dazu in der Lage aktuelle Titel darzustellen. Aber selbst ältere Titel wie das ehrwürdige Left 4 Dead 2 sind nur in minimalen Detailstufen und auf 720p überhaupt in spielbare Regionen von 30 – 40 FPS zu bekommen. Das ist natürlich aller Ehren wert und im Zweifel besser als nichts, aber für den Preis eines Surface 3 sind deutlich leistungsfähigere Gaming-Rechner möglich.

5. Für wen ist das Surface 3 die richtige Wahl?

Obige Situationen zeigen ganz klar, wo das Surface 3 seine Stärken und Schwächen hat. Ob das Surface 3 das richtige Gerät für einen ist, hängt sehr davon ab, was man erwartet. Je spezifischer die Bedürfnisse sind, desto eher ist ein Spezialgerät immer noch die bessere Wahl. Wer wirklich nur auf der Couch gemütliche Games spielen oder auf Facebook surfen will, der greift weiterhin zu iPads & Co. Und wer den ganzen Tag intensive Officearbeiten und Textverarbeitung erledigen muss, der kommt um eine vollwertige Laptop-Tastatur nicht umhin.

Sobald die Anforderungen aber vielfältiger werden, beginnt das Surface 3 zu glänzen. Es ist vielseitiger und praktischer als ein iPad und gleichzeitig mobiler als die meisten Laptops. Für mich jedenfalls kann das Surface 3 mein iPad Mini völlig ersetzen. Beim Notebook täte ich mich hingegen noch etwas schwerer. Zuhause greife ich für wirklich anspruchsvolle lange Textarbeiten doch lieber zur herrlichen Tastatur meines Macbooks. Aber unterwegs ist das Surface 3 kaum zu schlagen. Egal ob mobiles Arbeiten in der Bahn, entspanntes Filmegucken auf dem Hotelzimmer oder schneller Zugriff auf Dokumente als Lesetablet: Überall würde ich das leichte und kompakte Surface 3 den anderen Geräte vorziehen. Damit bleibt im  Grunde das gültig, was ich eingangs sagte: Das Surface 3 ist natürlich wieder einmal ein Gerät, das vieles ein bisschen, aber nichts wirklich besser kann. Anders als seine Vorgänger, kann das Surface 3 aber mittlerweile so vieles so gut, dass die Entscheidung sehr viel leichter fällt, als noch bei den Vorgängern.

Das Surface 3 ist trotz der Zahl im Namen allerdings auch ein First-Generation-Produkt. Es ist das erste 10 Zoll Surface mit echter x86 Architektur und normalem Windows. Und dafür macht Microsoft erstaunlich viel richtig. Die Hardware ist erstklassig, das Typecover überzeugt trotz der flachen Bauweise und dank Windows 10 ist auch der Tablet-Betrieb auf einem guten Weg. Insoweit kann ich das Surface 3 problemlos jedem empfehlen, der sich in den oben beschriebenen Misch-Szenarien wiederfindet.

Trotzdem ist klar, was Microsoft bei einem Nachfolger besser machen muss: Ein – derzeit noch spekulatives – Surface 4 muss vor allem leichter werden, um im Wettkampf gegen reine Tablets bestehen zu können. Es muss aber gleichzeitig auch schneller werden und vor allem den trägen eMMC Speicher durch schnellen Flashspeicher ersetzen. Zusätzlich darf Microsoft dem Nachfolger gern einen leistungsfähigeren Akkulademechanismus und vielleicht einen weiteren USB-Port spendieren. Dass all das auch passieren wird, dürfte wahrscheinlich sein: Der aktuelle Vertreter aus der Pro Serie (das Surface Pro 4) ist schließlich schon genau diesen Weg gegangen: Schneller, dünner, leichter! Mit diesen Aussichten sägt Microsoft mit dem Surface 3 mittelfristig ohne Zweifel an den Stühlen von klassichen Notebooks als auch Tablets. Aber auch hier und jetzt kann ich wenig finden, was gegen die Anschaffung eines Surface 3 spricht. Wer den hohen Preis für seine Einsatzzwecke rechtfertigen kann, bekommt mit dem Surface 3 das aktuell wohl beste Allround-Gerät: Einen flexiblen mobilen Rechner, ein tolles Multimedia-Tablet und einen gelungenen Desktop-Ersatz! In Richtung Redmond kann ich daher nur sagen: Well done, Microsoft!

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