LG G3 Review: Mehr als ein tolles Display!

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Das LG G3 gehört zweifelsohne zu den heiß diskutierten Themen des Smartphone-Jahres. Das liegt vor allem an einem Bauteil: dem Display. Als erster der großen Smartphone-Hersteller durchbricht LG mit seinem neuen Flagschiff die gängige Full HD Grenze. Wirft man dann noch marketingwirksame Begriffe wie Laser-Fokus mit in den Mix, erhält man ein ziemlich spannendes Produkt. Ich habe mir das LG G3 deshalb in den letzten 3 Wochen ausführlich angesehen und frage mich: Welchen Vorteil hat das Pixelmonster-Display? Wie „handlich“ können 5,5 Zoll noch sein und wo steht LG eigentlich, was die Software angeht? Viel Spaß beim Lesen.

Inhaltsverzeichnis

1. Der Weg zum LG G3

2. Die Hardware
2.1 Verarbeitung und Handhabung
2.2 Das Display
2.3 Die Kamera
2.4 Die Akkulaufzeit, Sprachqualität und Sonstiges
2.5 Hardware zusammengefasst: Hohes Niveau mit Kompromissen

3. Mein Eindruck von der Software
3.1 Performance und Stabilität im Alltag
3.2 Android auf dem LG G3 und seine Extras
3.3 Fazit zur Software

4. Mein Fazit zum LG G3

1. Der Weg zum LG G3

LG gehört für mich in den letzten beiden Jahren in die Kategorie „positive Überraschungen“. Die früher bei mir eher für Displays und Haushaltsgegenstände bekannten Südkoreaner haben meine Aufmerksamkeit 2013 zum ersten Mal mit dem LG G2 auf sich gezogen. Das damalige Flagschiff bot moderne Formsprache, Technik auf Top-Niveau und führte erste Trademarks von LG (wie zum Beispiel die rückseitigen Tasten) ein. Letztlich war das LG G2 am Ende aber doch zu sehr Klon der anderen Flagschiffe. Springen wir ein Jahr in die Zukunft zum Ende Mai 2014, als LG den Nachfolger „LG G3“ offiziell vorstellte. Mein Interesse war erneut geweckt und ich wollte wissen, ob das LG G3 die Stärken des Vorgängers fortführt und sich vor allem endlich mit einer eigenen Identität von der Konkurrenz abgrenzen kann. Ich habe zur Beantwortung dieser Frage freundlicherweise wieder ein Testexemplar von LG erhalten. Dafür erneut mein Dank.

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Zur Einleitung nur so viel: Im LG G3 steckt aktuell alles, was bei modernen Flagschiffen üblich ist. Das Leitungsblatt liest sich im Grunde identisch zur Konkurrenz von Samsung, HTC, Sony und Nokia. Die Kaufentscheidung fällt deshalb schon lange nicht mehr auf dem Papier, sondern im Bediengefühl, in der Optik und in den Zusatzfeatures. Trotzdem hier einmal die Auflistung der relevanten Daten:

Die Daten zum LG G3
Displaygröße 5,5 Zoll
Auflösung 2560 x 1440 Pixel (538 PPI)
Gehäuse 146.3 x 74.6 x 8.9 Millimeter (151 Gramm)
Prozessor Qualcomm Snapdragon 801 4 x 2,5 GHz
Grafik Adreno 330
Arbeitsspeicher 2 GB (Variante mit 16GB Speicher), 3GB (Variante mit 32 GB Speicher)
verbauter Speicher 16 GB oder 32 GB, erweiterbar mit SD-Karte
Kamera 13 MP optisch stabilisierte Hauptkamera, 2,1 MP Frontkamera
Akku 3000 mAh (wechselbar)
Farben metallic-schwarz, weiss, gold
Datennetz LTE, HSDPA+
WLan 802.11 ac/b/g/n
Bluetooth 4.0 mit A2DP und LE
GPS A-GPS und GLONASS
NFC Ja
Betriebssystem (Stand: 09.08.2014) Android 4.4.2
Preis ca. 530 €

2. Die Hardware

Meiner üblichen Zweiteilung folgend, schaue ich mir das LG G3 erst einmal von außen an und teile meine Erfahrungen zu Handhabung, Displayqualität, Kamera und so weiter mit. Wie bereits angesprochen, halte ich viele der Leistungsdaten für zweitrangig. Egal ob HTC One oder Moto G: Angenehmes Bediengefühl ist auch mit schwächerer Hardware möglich. Andererseits werden Flagschiffe wie das LG G3 natürlich gerade deshalb gekauft, weil sie das derzeit Beste vom Besten bieten sollen, um vielleicht auch in einem Jahr noch mithalten zu können. Schauen wir uns also an, ob das LG G3 diesem Anspruch gerecht wird.

2.1. Verarbeitung und Handhabung

Das LG G3 ist groß. Das wird sofort klar. Es folgt dem nach wie vor anhaltenden (fragwürdigen) Trend, dass ein Flagschiff nicht kleiner als sein Vorgänger sein darf. Während jedoch Samsung das Galaxy S5 (hier mein ausführliches Review) mit 5,1 Zoll nur minimal gegenüber dem Vorgänger, dem S4, vergrößert hat, macht LG einen größeren Sprung von 5,2 Zoll (G2) zu 5,5 Zoll (G3) und dringt damit in Territorien vor, die früher Phablets vorbehalten waren. Natürlich ist die Displaygröße nur ein Faktor bei der Handhabung des Gesamtgerätes. Je nachdem wieviel Rahmen das Gehäuse noch um das Display ergänzt, kann ein Gerät mit großem Display durchaus handlicher sein als ein anderes mit kleinerem Display.

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Dank schmalem Displayrand handlicher als das 5,5 Zoll Display vermuten lässt. Riesig bleibt es trotzdem

In dieser Hinsicht tut sich LG glücklicherweise sehr positiv hervor. Genauso wie beim Vorgänger hält LG das Gehäuse um das Display rekordverdächtig klein. Dank On-Screen-Tasten gibt es auch über- und unterhalb des Displays keine Platzverschwendung. Das Gerät ist an der Front im Grunde „Nur-Display“. Dank dieser effizienten Einrahmung schafft LG das Erstaunliche und bietet trotz 5,5 Zoll Display ein Gerät, das letztlich nur knapp größer als das Galaxy S5 ist. Allerdings: Es ist ein wenig größer. Nun muss jeder Käufer für sich entscheiden, ob diese Dimensionen grundsätzlich noch handlich sind. Ich persönlich empfand das Galaxy S5 bereits als zu groß, weil eine Ein-Hand-Bedienung nahezu ausgeschlossen ist, ohne sich zu verrenken. Dafür nutzt das LG G3 den vielen Platz aber zumindest effizient aus. Während ich beim Galaxy S5 nämlich „nur 5,1 Zoll“ als Gegenleistung für meine Verrenkungen erhalte, bietet das LG G3 bei fast gleicher Gehäusegröße deutlich mehr Display. Lässt man sich also auf die Größe ein, belohnt das G3 dies durchaus. Aufgrund dieser extrem schmalen Ränder fällt das LG G3 also erstaunlich kompakt aus. Das Gerät wirkt einfach kleiner als es ist. In der Hand merkt man zwar, dass es mit dem Daumen in den Grenzregionen knapp wird, aber man verzeiht dem LG G3 sein Gigantomanie erstaunlich leicht.

Zu diesem positiven Ergebnis gesellt sich dann auch die gesamte Wahrnehumg des Gerätes. Zwar verzichtet LG abermals auf ein Metallgehäuse, vermeidet dafür aber immerhin den Einsatz der Hochglanz-Glasur, die noch das LG G2 „zierte“. Während der Vorgänger an Flutschigkeit nicht zu übertreffen war und mit dem Galaxy S4 um den Titel „Fingerabdruck-Magnet“ des Jahres konkurrierte, hat das LG G3 eine Rückseite in Optik von gebürstetem Metall. Diese Optik ist durchaus überzeugend. Rein vom Ansehen war ich tatsächlich kurzzeitig geneigt ist, das Material für Metall zu halten. In der Hand merkt man dann zwar, dass es sich um Kunststoff handelt, aber eine feine Textur und das matte Finish sorgen für ein angenehm griffiges und auch hochwertiges Gefühl. Zusammen mit dem gut balancierten Gewicht von 151 Gramm und der Flügel-ähnlichen Wölbung liegt das LG G3 daher insgesamt wirklich gut in der Hand. Ich persönlich bin trotzdem eher ein Freund von geraden Seitenkanten wie etwa beim Nexus 5, iPhone 5 oder auch Lumia 930. Zu den Rändern läuft das G3 etwas schmaler zu. So kaschiert es ein wenig die maximale Dicke von fast 9 mm, verliert am Rand aber etwas an Halt.

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Die Rückseite tarnt sich erstaunlich gut als Metall und an die rückseitigen Knöpfe habe ich mich schnell gewöhnt

Hinsichtlich der Handhabung gibt es dann natürlich noch die Sache mit den Tasten. Die befinden sich beim LG G3 nämlich allesamt auf der Rückseite. Die Front und die Ränder sind gänzlich blank, nur oben findet sich der Infrarotport und unten der micro-USB-Port samt 3,5 mm Kopfhöreranschluss. Nur so schafft es LG, den Rand um das Display so schmal zu halten. Die Frage ist: Ist dieser Vorteil die Verlegung dieser wichtigen Bedienelemente an die ungewohnte Position wert? Ich denke: Ja! Die Umgewöhnung dauert ein paar Tage, aber danach sucht man fast ganz automatisch den Power-Button auf der Rückseite. Die Knöpfe haben zudem allesamt einen angenehmen satten Druckpunkt und lassen sich auch blind gut unterscheiden. Nur einen Nachteil hat das Ganze: Will man die Lautstärke ändern, während das Gerät irgendwo herumliegt, muss man entweder das Gerät anheben, um an die Knöpfe auf der Rückseite zu gelangen oder das Gerät entsperren und über die Schieberegler der Software arbeiten. Im Idealfall hat man natürlich einfach eine LG G Watch im Bundle mitgekauft oder eine Pebble Steel zur Hand. Beide erweisen sich in genau diesen Situationen als sehr nützlich, wenn man das LG G3 nicht anfassen möchte.

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Die Oberseite mit Infrarot-Port

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Die Unterseite mit USB- und Kopfhöreranschluss

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Die rechte Seite

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Die linke Seite mit Öffnungsschlitz

Insgesamt macht das Gerät also sowohl was Verarbeitung als auch was die Handhabung angeht einen guten Eindruck. Hinzu kommt dann noch die wechselbare Rückseite, die den Austausch des Akkus, das Nachrüsten einer microSD-Karte und den Wechsel der (micro-) SIM-Karte erlaubt. Die Rückseite sitzt bei mir auch nach mehrfachem Wechsel noch sehr fest. Bisher konnte ich keine Ermüdungserscheinungen der Halterungen oder Knarzen feststellen.

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Abnehmbare Rückseite mit Zugang zum wechselbaren Akku, SD- und SIM-Kartenslot.

2.2 Das Display

 Mit Abstand das spektakulärste Element des LG G3 ist ohne Zweifel das Display. Zum ersten Mal verlässt ein weltweit vertretener Hersteller die Full HD Pfade und verbaut ein Display mit 2560 x 1440 Pixeln und kommt damit dank dem 5,5 Zoll Display auf eine irrsinnige Pixeldichte von 538 PPI (Mehr zum Thema in meinem Artikel zu Pixeldichte, Auflösung und Co). Bevor ich aber auf die Vor- und Nachteile dieses Pixel Overkills eingehe, habe ich noch einen allgemeinen Gedanken zu dem Thema.

Ich halte nämlich bereits die landläufige Bezeichnung als „2K-Display“ für diskussionswürdig. Die Frage ist, wofür genau die Zahl „2“ bei „2K“ stehen soll. Wenn man 2K (also die Zahl 2.000) in irgendeiner Form mit der Gesamtpixelzahl gleichsetzen möchte, dann stünde 2K für 3.686.400 (2560 mal 1440). Das macht keinen Sinn. Will man 2K hingegen mit der horizontalen Auflösung gleichsetzen, dann  stünde 2K für 2560 (x 1440). Das macht auch keinen Sinn, denn 1920 (x 1080) liegt doch viel näher an 2.000, als es 2560 (x 1440) tut. Im Grunde müsste man deshalb das aktuelle Full HD Format (1920 x 1080 Pixel) mit 2K gleichsetzen und das 2560 x 1440 Format mit 2,5K betiteln. Das klingt natürlich bekloppt. Ich werde deshalb für den weiteren Verlauf dieser Review einfach von einem 1440p Display sprechen, einverstanden?

Kommen wir aber zum LG G3 zurück. Ohne jetzt in die allgemeine (und immer wiederkehrende) Diskussion zu verfallen, wie scharf ein Display wirklich sein muss, kann ich persönlich klar sagen, dass ich die Unterschiede zwischen Displays mit ca. 330 PPI (so alle aktuellen iPhones) und solchen mit ca. 450 PPI (so die meisten aktuellen Android Flagschiffe) ganz deutlich sehe. Die spannende Frage war für mich deshalb, ob der Sprung über die 500 PPI-Marke ähnlich spürbar wird. Meine Antwort ist: Nein! Trotzdem halte ich die hohe Auflösung für absolut gerechtfertigt und ich sage gern warum: Anders als Apple, bei dem die allgemeinen Standards nicht gelten und die Auflösung beliebig so festgesetzt werden kann, wie es Apple für sinnvoll hält, folgt Android seit jeher den allgemeinen Normen von VGA, HD und Full HD. LG hatte bei seinem 5,5 Zoll Flagschiff also die Wahl ein Full HD (1080p) oder das beschriebene 1440p Display zu verbauen. Mit einem 1080p Display läge die Pixeldichte bei ziemlich genau 400 PPI (Zum Nachrechnen empfehle ich den pixeldensitiy calculator). Das ist für mich bereits die Untergrenze von „High-End“ und läge deutlich unter den Werten aktueller Flagschiffe, die eher Richtung 450 PPI und aufwärts tendieren. Da LG aber nunmal nicht irgendwelche krummen Auflösungen verbauen kann, war die nächsthöhere Auflösung in Form eines 1440p Displays nötig. Dass dabei eine Schärfe von 530 PPI herauskommt, ist also auch Ergebnis der bestehenden Standards. Insoweit finde ich die Entscheidung ganz richtig. Zum Vergleich hier eine Nahaufnahme der Pixelmatrix eines LG G3 und eines OnePlus One. Das eine mit 1440p, das andere mit 1080p auf gleich großem 5,5 Zoll Display:

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Vergleich in der Nahaufnahme: Links das LG G3, rechts das Oneplus One

Natürlich ist diese Makro-Aufnahme im Alltag nicht representativ, aber sie zeigt doch deutliche Vorteile in der Schärfe, wenn man genau hinsieht. Nun aber zur Qualität des Displays an sich. Ich bin kein Experte und überlasse die tiefergehende fachliche Diskussion lieber anderen, wie zum Beispiel DisplayMate, die sich bisher aber nicht zum LG G3 geäußert haben. Daher hier meine Meinung als „nur“ erfahrener Smartphone-Nutzer: Das Display bietet angenehm natürliche Farben (typisch LCD), sehr gute Blickwinkel, guten Kontrast und Schwarzwert und ist unter Sonnenlicht gut ablesbar (wenngleich nicht so gut wie das in dieser Hinsicht bessere Galaxy S5). Mein Exemplar weist einen dezenten Hang zur Wärme (Gelblastigkeit) auf und und neigt zu Ansätzen von Lichthöfen im unteren linken Viertel, aber derartige Abweichungen sind bei allen Displays üblich. An die Referenz der LCD-Technik, wie sie HTC im HTC One (M7) verbaut, reicht das LG G3 nicht ganz heran, aber das Ergebnis ist trotzdem absolutes Hochniveau.

Während das Display also knackescharf und hochqualitativ ist, macht LG es auf Softwareseite leider wieder etwas zunichte. Diesen Punkt möchte ich vorweg nehmen, bevor ich mich unten ausführlich mit der Software befasse. Aus irgendeinem Grund sah sich LG nämlich veranlasst, trotz der bereits extrem hohen Schärfe die Schrift durch eine Art Kontrastfilter abermals nachzuschärfen. Die Software des LG G3 sorgt so dafür, dass um alle Buchstaben eine winzige helle Corona sichtbar ist. Dieser Trick mag auf minderwertigen Displays sinnvoll sein, ist bei über 500 PPI aber eigentlich völlig unnötig. Was LG dabei geritten hat, will mir nicht in den Kopf. Leider kann man den Effekt nirgends abstellen. Ich hoffe da fast auf ein Update, dass dieses „Extra“ deaktivierbar macht. Abseits dieser Kuriosität kann ich über das Sensationsdisplay aber im Ergebnis nur Positives sagen: Die Pixeldichte hat ihre Berechtigung und die Qualität stimmt!

2.3 Die Kamera

Mit einem Marketingaufwand macht LG auch auf die Vorzüge der Kamera aufmerksam, genauer den „Laser-Fokus“. Ich habe mir vor einer Weile einmal überlegt, was ich eigentlich bei einer Kamera wirklich brauche. Unter anderem eine schnelle Bereitschaft der Kamera-App und eine schnelle, akurater Fokus waren mir dort wichtig. In beiden Bereichen glänzt das LG G3. Die Kamera-App startet flink und der Fokus ist wirklich rasend schnell. Auch aus dem Lockscreen ist die Kamera schnell durch Halten der Lautstärke-Leiser Taste auf der Rückseite gestartet. Die gleiche Taste dient dann auch als Auslösetaste, wenn man nicht per Bildschirmberührung auslösen möchte. Kaum ist die Kamera gestartet, huschen ein paar Fokussymbole über das Objekt im Sucher und es kann losgehen. Die Resultate können sich defintiv sehen lassen:

Wie so oft fotografiert die Kamera in den Standardeinstellungen übrigens nicht in seiner vollen Auflösung, sondern „nur“ mit 10 MP. Die vollen 13 MP sind nur im 4:3 Format möglich und über die Kameraeinstellungen zu erreichen. Die Einstellungen sind dabei sehr aufgeräumt. Es gibt wenige Schaltflächen, die sich allesamt schnell erschließen. Wichtige Funktionen wie HDR und Fokus sind gut erreichbar und auch viele der mittlerweile modernen Zusatzfunktionen wie Serienbild, Auslösen mit Gesten und nachträgliches Umfokusieren sind möglich. Letztere Funktion kommt übrigens ohne besondere Hardware wie dem Tiefensensor beim HTC One (M8) aus und macht schlicht (deutlich sichtbar) mehrere Fotos hintereinander.

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Die Kamera-Bedienung ist angenehm einfach

Wenn ich bezüglich der Kamera Kritik äußern müsste, dann würde ich das teilweise etwas eigenwillige Fokusverhalten bemängeln. Das obige Bild mit der Makroaufnahme der Blumen gelang mir beispielsweise erst auf den vierten oder fünften Versuch. Der (sehr schnelle) Fokus wollte partout nicht auf die vorderen Pflanzen fokussieren. Erst nach mehrmaligem manuellen Nachhelfen gelang das Bild wie geplant. Die Tatsache, dass als Hardware-Kamera-Button nur der Lautstärke-Knopf auf der Rückseite genutzt werden kann, ist zudem weniger praktisch als ein eigener Kameraknopf, wie ihn Nokia bietet. Ebenfalls vermisse ich die Möglichkeit, manuell die Belichtungszeit einzustellen. An dieser Stelle merkt man, dass LG G3 das Mantra „Simple is the new smart“ bei der Kamera ganz klar dahingehend versteht, dass der Nutzer nicht mit zu vielen Funktionen überhäuft werden soll. Damit entgeht LG zwar dem Schicksal, das die völlig überladene Kamera-App von Samsung ereilte, aber ein paar mehr Möglichkeiten hätte ich mir als Nutzer dann doch gewünscht. In dieser Hinsicht ist für mich die Nokia Kamera App noch immer der ideale Mittelweg aus Zugänglichkeit und Vielfalt. Aber das ist meine persönliche Vorliebe. Alle, die eine gute, schnelle Kamera suchen, werden beim LG G3 defintiv nicht enttäuscht.

2.4 Die Akkulaufzeit, Sprachqualität und Sonstiges

Die sonstigen Hardwaredaten liegen auf gutem Niveau. Ich habe mein LG G3 sowohl im Netz der Telekom, als auch bei O2 genutzt und weder mit der Sprach- noch der Netzqualität Probleme gehabt. WLan, Bluetooth und USB-Verbindung liefen tadellos. Der rückseitige Lautsprecher ist dank der  gewölbten Rückseite auch dann gut zu hören, wenn das G3 auf dem Rücken liegt und hat dank des 1W-Verstärkers durchaus etwas mehr Tiefe und Volumen als herkömmliche Smartphone-Brüllschlitze. Schaut man auf dem G3 Videos, merkt man aber, dass der Lautsprecher nach hinten strahlt. Das Stereo-Boomsound-Erlebnis, das HTC bietet, erreicht LG nicht.

Etwas ernüchtert war ich vom Akku. Der ist mit 3000 mAh zwar größer als bei fast allen Flagschiff-Konkurrenten, sorgt am Ende aber doch nur für die übliche „1 Tag plus ein bisschen“-Laufzeit. Während besonders das Galaxy S5 hier zuletzt eher an der Marke „2 Tage sind gut möglich“ gekratzt hat, scheint bei LG die hohe Auflösung des Displays und die damit verbundene Mehrarbeit der Grafikprozessoren etwas Tribut zu fordern. Die Laufzeit ist damit nur auf hohem Standard, kann sich aber nicht so sehr abheben, wie die Kapazität des Akkus vermuten lässt. Dass das energiehungrige Display an diesem Umstand Schuld ist, wird dadurch belegt, dass die Standby-Zeit des LG G3 sehr gut ist. Nutzt man das Gerät wenig und lässt es z.B. während eines Bürotages eher ungenutzt auf dem Schreibtisch liegen, kann der große Akku mangels Beanspruchung seine Muskeln spielen lassen. Wenignutzer bekommen also ein echtes Ausdauertier. Sehr erfreulich übrigens: Das (europäische) G3 ist mit dem Qi-Standard kompatibel und lässt sich drahtlos laden.

2.5 Hardware zusammengefasst: Hohes Niveau mit Kompromissen

Mein Fazit zur Hardware ist weitgehend sehr positiv. Das Gerät schafft einen beachtlichen Spagat zwischen Riesendisplay und Handlichkeit. Es ist mir beim besten Willen zwar immer noch zu groß, aber hat man sich mit der Größe arrangiert (oder legt ausdrücklich wert darauf), bekommt man aktuell keine Hardware, die ein so großes und scharfes Display in einem so eleganten und schlanken Gehäuse unterkriegt. Die Metalloptik wirkt zudem überzeugender als gedacht, die rückseitigen Tasten sind nach einer Gewöhnungszeit sehr gut nutzbar. Im Alltag zeigt das Gerät schlicht kaum Macken. Nur der große Akku verspricht mehr, als die hungrige Hardware einhalten kann, zeigt aber jedenfalls keine Ausreißer nach unten. Also: Wer mit der Größe umgehen kann, bekommt aktuell beim LG G3 ein sehr gutes Paket, das insbesondere bei der Displaytechnik derzeit der Konkurrenz einen Schritt voraus ist.

3. Software, Bedienung und Funktionen

Während die Hardware bei mir relativ schnell in den Hintergrund tritt, lege ich mein Hauptaugenmerk dann eher auf die Software. Natürlich sind Verarbeitung und Optik die ersten Tage der Hauptreiz des neuen Spielzeugs, aber es ist die Bedienung, die Stabilität und die tägliche Funktionalität, die das Gerät auch nach Monaten noch zu einer guten Investition machen. Besonders interessant ist deshalb, ob die rohe Hardwarepower in ein flüssiges Bediengefühl übertragen werden kann und welchen Nutzen die Anpassungen der Android-Oberfläche bringen.

3.1. Performance und Stabilität im Alltag

Das Allerschlimmste, was einem als frischen Besitzer eines neuen Smartphones passieren kann, sind unkontrollierbare Abstürze oder ein Einfrieren des Geräts. Tatsächlich soll genau das viele Besitzer des LG G3 zunächst ereilt haben: Das G3 schien gelegentlich ohne Grund abzustürzen oder neu zu starten. Ich hingegen habe nichts dergleichen beobachten können. Das lag mit größter Wahrscheinlichkeit daran, dass nur wenige Tage, nachdem das Testsample bei mir eintraf, ein offizielles Update von LG verteilt wurde, das genau dieses Problem anging. Das scheint erfolgreich gewesen zu sein. Mein G3 ist mir im gesamten Testzeitraum in keiner Weise negativ aufgefallen. Das sollte aber natürlich ohnehin eine Selbstverständlichkeit sein.

Wo die Stabilität also (mittlerweile) keine Wünsche offen lässt, bin ich bei der allgemeinen Performance wieder einmal etwas ernüchtert. Trotz all der modernen Hochleistungstechnik im G3 zeigt sich dort nämlich das übliche Problem der allgemeinen Trägheit der Software. Wie wir uns gleich ansehen werden, hat LG nämlich kein pures Android installiert, sondern modifiziert das Betriebssystem auf sehr tiefgehender Ebene. Derartige Veränderungen nehmen alle Hersteller vor und oft genug sind die dadurch eingebauten Extras auch voll zusätzlichem Nutzen. Allerdings scheint damit stets eine gewisse Grundträgheit in das System einzuziehen. Apps starten mit einer Denkpause, der Multitasker kommt manchmal nicht mit den Eingaben mit und auch der App-Drawer braucht hin und wieder ein paar Momente, bis er alle Apps anzeigt. All das habe ich bereits beim Galaxy S5 kritisiert. Wer längere Zeit ein pures Android Gerät (allen voran das Nexus 5) genutzt hat, der bekommt einen Eindruck davon, wie reaktionsschnell und flüssig Android derzeit wirklich sein kann.

Ich will nicht missverstanden werden: Die Bedienung ist butterweich, angemessen schnell und flüssig. Es gibt keine grundlegenden Probleme mit Rucklern oder ähnlichem. Nur im Vergleich zu dem, was mit der Hardware möglich sein könnte, lässt auch LG das letzte bisschen Spritzigkeit vermissen, um andererseits all die zusätzlichen Funktionen bieten zu können. Das ist für mich kein entscheidender Kritikpunkt, aber doch bemerkenswert.

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Ein Nachteil der hohen Auflösung: App-Kompatibilität

Im Rahmen dieses Abschnitts muss ich dann aber leider noch auf einen sehr ärgerlichen Umstand hinweisen. Dank der hohen Auflösung des Displays kommt es nämlich derzeit noch zu einigen Inkompatibilitäten mit bestimmten Apps. Bei mir haben unter anderen die amazon.de App, die OneNote App und auch Candy Crush Saga die Installation verweigert. Im Google Play Store wurden diese sogar teilweise gar nicht angezeigt. Das Problem betraf glücklicherweise nur wenige Apps und der Play Store ist ja auch nicht der einzige Weg, Apps zu installieren, aber solange die 1440p Auflösung nicht eine höhere Verbreitung erfährt, muss man doch damit rechnen, dass die ein oder andere App Probleme bereitet.

3.2. Android auf dem LG G3 und seine Extras

Auf dem LG G3 ist derzeit Android 4.4.2 („KitKat“) installiert. LG bietet also die derzeit aktuellste Software-Version (wie es sich für ein Flagschiff gehört). Wobei das nur teilweise stimmt. Zwar ist KitKat die derzeit aktuellste Software-Version, doch hat Google zwischenzeitlich Version 4.4.3 und 4.4.4 nachgeliefert, die aber beide keine neuen Funktionen bieten, sondern „nur“ Sicherheitsupdates. Ob diese Sicherheitsupdates noch von LG geliefert werden oder unabhängig von eine Anhebung der Versionsnummer kommen, wird man sehen.

Im Fokus stehen aber natürlich die zahlreichen Anpassungen, die LG der Software des G3 spendiert hat. Von der Optik des puren Androids ist kaum noch etwas zu sehen. Ganz dem Marketing-Motto von LG folgend (Simple is the new smart), hat das gesamte Design tiefgreifende Veränderungen erfahren. Das Ergbnis gefällt mir erstaunlich gut. Es wirkt mit seinen abstrakten App-Logos, dem Einsatz von Kreis-Symbolik und der eher matten Farbpalette wie eine Mischung aus Samsungs Touchwiz, dem „Stark Icon Pack“ und HTCs Blinkfeed. Glücklicherweise wurde das Einstellungen-Menü dabei nicht so radikal angefasst, wie bei anderen Herstellern. Insgesamt wirkt die Optik tatsächlich sehr modern, abstrakt und eingängig. Zu Illustration hier ein paar Screenshots:

Zusätzlich läuft das LG G3 natürlich vor Extra Funktionen über. Dazu gehört eine starke Ausweitung der Schnellzugriffe in der Benachrichtigungszentrale, ein Multi-Window-System und ein Haufen anderer „smarter Helfer“. Vieles davon hat sich in gewisser Weise zum Standard bei vielen Hersteller entwicklelt und auch das LG G3 macht bei diesen Extras eine gute Figur. Wer einzelne Funktionen nicht braucht, der kann viele abschalten (wie etwa die permanten Schieberegler in der Benachrichtungszentrale) und wird jedenfalls nicht so oft mit „Hinweisen“ auf diese Extras genervt wie bei anderen Herstellern. LG bietet aber nicht nur gewöhnliche Kost, sondern hat sich auch drei Zusatzfunktionen einfallen lassen, die ich für erwähnenswert halte. Das ist zuerst „Knock Code“, der es gestattet mit einem frei wählbaren Klopfmuster (4 bis 8 Elemente lang) direkt das Gerät zu entsperren und auf den Homescreen zu gelangen. Das klappt zwar nicht bei jedem Versuch, wurde mir aber schnell zu Gewohnheit. Die zweite gute Idee ist die höhenverstellbare Tastatur. Wer gern viel von seiner App sieht und möglichst wenig Inhalt von der Tastatur versperrt sehen will, der kann die Tastatur auf fast 1/5 der Bildschrimhöhe zusammenstauchen. Wer hingegen mit großen Fingern gesegnet ist, kann die Tastatur auf fast 1/3 des Bildschirms aufblähen. Schließlich gibt es die Möglichkeit, in der Naviagtionsleiste weitere Bedienelemente anzuzeigen. Ich habe dort als vierten Schalter einen Button zum Runterziehen der Benachrichtigungszentrale hinterlegt. Das macht das große Display etwa handhabbarer.

Mein Eindruck von LGs Android Version ist damit sehr gut. Mir gefällt das moderne, flache Design, die Extrafunktionen machen ihren Job gut, springen mir aber bei Nichtgebrauch nicht ständig ins Gesicht und die anpassbare Tastatur ist tatsächlich mal eine sinnvolle Neuheit.

3.3. Fazit zur Software

Bei der Software hat LG also ebenfalls viel richtig gemacht. Das etwas träge Bediengefühl ist zwar keine Glanzleistung, aber scheint der Preis für derart umfassende Anpassungen zu sein. Dafür ist die Optik gelungen schlicht und die Funktionserweiterungen sind stellenweise regelrecht innovativ. Den Knock Code wünsche ich mir tatsächlich sogar für andere Geräte. Zusammengefasst bietet die Software alles, was ein modernes Smartphone derzeit zu bieten hat, nimmt sich aber designtechnisch angenehm zurück. Ich sehe jedenfalls keinen Grund, warum Smartphone-Einsteiger nicht schnell mit der Bedienung vertraut sein sollten.

4. Mein Fazit zum LG G3

Das LG G3 hat mich ursprünglich vor allem wegen des unverschämt scharfen Displays gefesselt. Aber im Laufe meiner Testphase habe ich bemerkt, dass das Gerät mehr zu bieten hat, als ein tolles Display. Hardware und Software sind gelungen elegant, die riesigen Ausmaße werden erstaunlich kompakt verpackt und die Kamera gehört zu den schnellsten, die ich bisher getestet habe. Aber auch das Display überzeugt. Die irre Pixeldichte von 530 PPI ist im Alltag zwar nicht frei von Komplikationen, aber auf 5,5 Zoll macht sie in jedem Fall Sinn. Zudem zeigen sich bereits erste Vorteile, wie die angekündigte Anpassung der Youtube App für 1440p Material.

Ich hätte mir zwar eine längere Akkulaufzeit gewünscht, empfinde den Kompromis aus neuester Technik und noch guter Laufzeit aber in Ordnung. Zudem bin ich ohnehin immer etwas gnädiger, wenn drahtloses Laden unterstützt wird. Wirklich kritisch sehe ich nur die etwas träge Bedienung. Wer den Vergleich zu anderen puren Android Geräten nicht hat, wird davon nichts merken, aber ich als verwöhnter Power-User frage mich doch, ob es nicht irgendwann an der Zeit ist, sich eher zu Lasten einiger Features für mehr Geschwindigkeit in der Software zu entscheiden. Dieses Phänomen ist aber nicht auf das LG G3 begrenzt, so dass ich diesen Punkt nicht überbetonen will. Letztlich haben die dadurch erkauften Features auch ihren Wert und jeder muss selbst wissen, ob es wirklich das letzte bisschen Reaktionszeit beim Appstart sein muss. Wer derzeit auf der Suche nach einem neuen Android-Flagschiff ist, sollte das LG G3 definitiv gründlich in Erwägung ziehen, nicht nur wegen des scharfen Displays.

Was haltet ihr vom LG G3? Habt ihr eigene Erfahrungen mit dem Gerät gemacht? Dann immer raus damit!

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2 Kommentare
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  2. DMM

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