Huawei Matebook 13 im Test – Der Teufel steckt im Detail

Seit Juni 2017 nutze ich mein 12 Zoll Macbook. Nach über zwei Jahren, denke ich nun langsam an ein Upgrade. Leider macht Apple es einem dabei nicht leicht. Selbst nach dem Update der Modellpalette anlässlich der 2019er Back To School-Saison gibt es aktuell kein Modell, das für mich als Nachfolger meines kompakten 12 Zoll Macbook in Frage kommt. Das Macbook Air (2019) bietet einfach zu wenig Mehrleistung, das 13 Zoll Macbook Pro zwingt mir die Touchbar auf (die nicht nur ich extrem nervig finde) und ein Nachfolger für das 12 Zoll Gerät wurde komplett gestrichen.

Aber es hilft nichts: Selbst ich als langjähriger macOS Fürsprecher muss anerkennen, dass die aktuellen Macbooks allesamt ihre Schwächen haben. Zum Glück bin ich auf macOS aber nicht derart festgelegt, dass ich mir eine Rückkehr zu Windows 10 nicht vorstellen könnte. Voraussetzung: Ich finde ein passendes Ultrabook. Und genau da kommt das Matebook 13 von Huawei ins Spiel: Ein Ultrabook nah am Apple-Look, mit Windows 10 und viel Technik zu einem Preis, von dem Apple-Kundinnen nur träumen können. Für drei Wochen hat die PR-Agentur von Huawei Deutschland mir das Gerät zur Verfügung gestellt. Ob es mein 12 Zoll Macbook ersetzen wird, lest ihr in diesem Testbericht.

Das Huawei Matebook 13

Das Huawei Matebook 13 bietet ein 13 Zoll Display mit 2.160 x 1.440 Auflösung (200 PPI) im seltenen 3 : 2 Format. Das alles steckt in einem Gehäuse, das in den Ausmaßen in etwa denen des aktuellen Macbook Air (2018/2019) entspricht (das Macbook Air ist aufgrund seines 16 : 10 Displayverhältnis allerdings einen cm breiter). Das Matebook 13 wird ausschließlich in „Space Grey“ verkauft und ist entweder mit einem Intel i5 oder i7 der 8. Generation zu bekommen sowie mit 256 GB oder 512 GB internem SSD-Speicher. In den USA ist dazu noch eine dedizierte Grafikkarte sowie ein Touchscreen verbaut. Beides fehlt in Deutschland (und auch bei meinem Testgerät).

Das Matebook 13 hat zwei USB-C Anschlüsse, je einen auf der linken und rechten Seite (beide ohne Thunderbolt 3) sowie einen 3,5 mm Klinkenstecker für Kopfhörer. Die Tastatur ist beleuchtet, das Trackpad angenehm groß und der Power-Button bietet einen integrierten Fingerabdruck-Leser. Unter der rechten Handballenablage ist zudem ein NFC-Chip verbaut, der das proprietäre Huawei Share unterstützt. Damit kann man – ein Huawei Smartphone vorausgesetzt – ähnlich wie mit Apple AirDrop Dateien direkt zwischen Telefon und Matebook versenden. Der Akku ist mit gut 41 Wh jedoch eher klein (im Macbook Air steckt z.B. ein Akku mit knapp 50 Wh).

Das Gerät kostet in der 256 GB / i5 Version im Einzelhandel derzeit 900 € und in der 512 GB / i7 Version etwa 1100 €. Das sind echte Kampfpreise im Vergleich zur Konkurrenz von Apple. Dafür muss man aber auch auf die grandiose Verarbeitung verzichten, die ein Macbook bietet. Das Matebook 13 sieht den Apple Notebooks zwar auf den ersten Blick verflixt ähnlich. So bald man es in die Hand nimmt, merkt man aber schnell, dass das Gehäuse deutlich weniger verwindungssteif und stabil ist. Der haptische Eindruck ist insgesamt gut, aber keineswegs grandios. Der Displaydeckel gibt auf Druck z.B. spürbar nach, was einen etwas minderwertigen Eindruck vermittelt. Das Hauptgehäuse hingegen wirkt da schon solider: Beim Tippen gibt das Gehäuse rund um die Tastatur zwar etwas, aber nicht zu viel nach.

Ein Hingucker ist natürlich das Display, das mit extrem schmalem Rahmen auskommt und vor allem das seltene 3 : 2 Display Verhältnis bietet. Für produktives Arbeiten ist das deutlich angenehmer als das niedrige, aber breite 16 : 9 Verhältnis. Warum so viele Hersteller (selbst bei Geräten für „Produktive“) noch ein 16 : 9 Display verbauen, kann ich nicht nachvollziehen. Lediglich Apple verbaut (immerhin) 16 : 10 Displays, aber das 3 : 2 Format ist selbst dazu im Vergleich noch einmal spürbar höher. Zusammen mit wenigen Konkurrenten, wie z.B. beim Surface Laptop, ist das 3 : 2 Display im Matebook 13 also ein echtes Alleinstellungsmerkmal.

Im Vergleich zu meinem 12 Zoll Macbook zeigt sich anschaulich, wie viel höher das 3 : 2 Verhältnis selbst gegenüber dem 16 : 10 Verhältnis von Apple ist und wie viel schmaler der Displayrand ist. Im Ergebnis ist das Matebook 13 dabei dennoch nur unwesentlich größer als das 12 Zoll Macbook (allerdings deutlich schwerer).

Für meinen Geschmack könnte das Display allerdings noch hochauflösender sein. Die Macbooks kommen bei den 13 Zoll Modellen beispielsweise auf 2560 x 1600 Pixeln bei 227 PPI. Vor allem aber ist das Display des Matebook 13 definitiv nicht hell genug für die Nutzung unter freiem Himmel und strahlendem Sonnenschein.

Setup und erste Einrichtung

Mein Testgerät erreichte mich im frisch zurückgesetzten Zustand mit Windows 10 Home (Version 1809). Versuche, das Matebook 13 auf Windows 10 (Version 1903) zu bringen, scheiterten. Das Windows Update bot mir keine Aktualisierung an. Direkt im Auslieferungszustand war leider auch die übliche Bloatware (z.B. Fitness Coach oder Xing) vorinstalliert.

Da ich aber sowieso testen wollte, ob man das Matebook 13 auch manuell aufrüsten kann, hatte ich mir den Wechsel der SSD sowie die Neuinstallation von Windows 10 vorgenommen. Zum Glück erwies sich das als recht einfach. Die Rückseite ist mit vier Kreuzschlitz- (unter den Gummifüßen) sowie einigen Pentalope-Schrauben befestigt und lässt sich leicht öffnen.

Darunter findet man auch sofort alle (nicht wechselbaren) Innereien samt der wechselbaren(!) SSD im M.2 Steckplatz. Aber Achtung: Die Schraube, die die SSD im M.2 Steckplatz sichert, ist mit einem weissen Aufkleber beklebt, der beim Wechseln der SSD kaputt geht. Einen (ohnehin irrelevanten) „Warranty Void“ Aufkleber habe ich aber nirgends gefunden. Wie Huawei (oder ein beliebiger Verkäufer) im Supportfall auf eine selbst gewechselte SSD reagieren würde, kann ich aber dennoch nicht vorhersagen.

Die von Huawei verbaute SSD (eine Western Digital SN720) ist in einen Kühlkörper „gewickelt“, lässt sich aber problemlos gegen eine andere SSD wechseln. Ich hatte mir vorab eine 970 EVO Plus von Samsung mit 1 TB Speicher besorgt, die das Matebook 13 auch sofort erkannte. Mit dem vorbereiteten Windows 10 Installations-USB-Stick war im Handumdrehen Windows 10 Home (Version 1903) installiert. Erfreulicherweise liefert Huawei den passenden USB-C Dongle direkt mit in der Box. Positiv bemerken möchte ich auch, dass Huawei es mit dem herunterladbaren „PC-Manager“ sehr einfach macht, die Treiber nach der Windows 10 Neu-Installation zu installieren.

Völlig unverständlich ist aber, dass man den „PC Manager“ und die passenden Treiber nur auf der internationelen Seite von Huawei herunterladen kann, während man auf der deutschen Produktseite zum Matebook 13 nur auf ein älteres Modell der Matebook Reihe verlinkt wird und dort die passende Software nicht findet. Dennoch: das Matebook 13 war mit der neuen SSD schnell startklar und sämtliche Hardware von Touchpad bis Fingerabdruck-Sensor liefen nach der Treiber-Neuinstallation tadellos.

Nutzung im Alltag (aus Sicht eines Mac Nutzers)

Dank der Neuinstallation war ich dann auch die gesamte Huawei Bloatware los. Lediglich besagten PC Manager hatte ich mir installiert. Die Software für das NFC-Sharing habe ich mir gespart, da ich nicht über ein kompatibles Huawei Smartphone verfüge. Ansonsten lief Windows 10 Home natürlich wie eine Eins und wer mit Windows 10 klar kommt, der wird hier absolut keine Kritikpunkte finden.

Die Skalierung hatte ich mir auf 200 % eingestellt, was effektiv einer Pixelverdoppelung entspricht. Windows 10 erkannte alle Trackpad-Eingaben zuverlässig und präzise. Zwar kommt es trotz Microsoft Precision Treiber nicht an die Trackpads der Macbooks ran. Man merkt z.B., dass der Seiteninhalt beim Scrollen im Browser nicht ganz so perfekt an den Fingern „klebt“ wie bei Apple. Aber ich müsste lügen, wenn ich mit dem Trackpad nicht problemlos klar gekommen wäre. Das gleiche gilt für die Tastatur und ihr angenehmes Schreibgefühl. Mit einem ähnlichen Fiasko wie bei Apples Butterfly-Tasten ist dank des klassischen Chiclet-Design zudem nicht zu rechnen.

Rein von der Leistung her hatte ich ebenfalls keine Beschwerden. Meine nachgerüstete NVMe SSD lief mit rasend schnellen 2 GB/s und der (in meinem Testgerät verbaute) Intel Core i7 schaffte es in Cinebench R15 auf fast 700 Punkte. Das Macbook Air (2019) kommt da auf nur knapp 300 Punkte. Der Lüfter meldete sich für meinen Geschmack dabei nicht sehr häufig. Gestört hat mich allerdings die Akkulaufzeit. Auf maximaler Helligkeit kam ich selten auf über 4 Stunden Nutzungsdauer mit Browsen, Textverarbeitung, Youtube % Co. Mit moderater Nutzung mag man es auf 5 bis 6 Stunden schaffen, aber ein verlässlicher Begleiter durch einen kompletten Arbeitstag ist das Matebook 13 ohne Steckdose nicht.

Wirklich irritiert war ich allerdings darüber, dass man das Matebook 13 nur über den linken USB-C Port laden und nur über den rechten ein Bildsignal ausgeben kann. Aktuell nutze ich ein USB-C-Dock, um mein 12 Zoll Macbook zu laden sowie gleichzeitig das (4K/60Hz) Display anzuschließen. Das funktioniert beim Matebook 13 natürlich nicht. Wer es gleichzeitig an einen Monitor anschließen und laden will, muss stattdessen zwingend beide USB-C Ports blockieren, was den Mehrwert gegenüber Notebooks mit nur einem USB-C Port direkt wieder zunichte macht. Das ist mir völlig unverständlich.

Für mich, der seit 7 Jahren im Alltag macOS nutzt, war der Wechsel zu Windows 10 im Alltag zudem noch ein klein bisschen aufwändiger. Einige Komfortfunktionen habe ich mir nachinstalliert, wie z.B. die Vorschau-Funktion via Leertaste (mittels „Quicklook„) oder ein brauchbares Screenshot Tool (mittels „ShareX„). Andere Funktionen wie Time Machine (also eine nutzerfreundliche BackUp-Lösung) sind hingegen nicht ganz so einfach zu ersetzen. Abgesehen davon, muss ich aber zugeben, das Windows 10 wirklich immense Fortschritte gemacht hat. Das User-Interface ist modern, schnell und elegant. Dagegen nagt an macOS doch langsam arg der Zahn der Zeit. Das Matebook 13 bootet auch binnen Sekunden in das Betriebssystem und loggt sich dank des integrierten Fingerabdrucklesers auch sofort und ohne Umwege ein. Das ist wirklich komfortabel.

Fazit: Wenige, aber kritische Schwächen

Insgesamt fallen mir kaum Gründe ein, warum ich das Matebook 13 nicht empfehlen würde. Die Verarbeitung ist zwar nicht über jeden Zweifel erhaben und die Akkulaufzeit ist definitiv keine Glanzleistung, aber für 900 € (für die Core i5 Version) und flexibel nachrüstbarer SSD bekommt man ein kompaktes Ultrabook mit gutem Display, Fingerabdrucksensor und schickem Design. Für alle, die ein Displayformat abseits des 16 : 9 Standards suchen, gibt es ohnehin kaum Konkurrenz.

Leider gibt es für mich persönlich aber eindeutig ein K.O. Kriterium: Die absurde Situation um die USB-C Ports. Der Vorteil von USB-C war gerade die universelle Einsetzbarkeit und Vielseitigkeit. Warum Huawei sich hier unnötig die Blöße gibt, die Funktionialität (Laden links, Display rechts) aufzuspalten, ist mir ein Rätsel. Wer sein Notebook auch viel im gedockten Zustand am Schreibtisch nutzt, sollte sich dieser Einschränkungen sehr bewusst sein. Für mich ist das – leider – ein Ausschlussgrund und meine persönliche Suche nach einem Nachfolger für mein 12 Zoll Macbook dauert an.

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