Erfahrungsbericht: Ein Monat mit Cyanogenmod 11 auf dem Nexus 5

CM11HeaderSeitdem ich mir das Oneplus One genauer angesehen habe, brannte es mir unter den Nägeln, mich mal wieder selbst mit Cyanogenmod vertraut zu machen. Cyanogenmod (kurz: CM), der wohl bekannteste Vertreter aus dem Custom-Rom-Lager, ist in der Version 11S auf dem OnePlus vorinstalliert und in der normalen 11er-Version für dutzende Smartphones verfügbar. Ich habe mir die neueste Version deshalb vor etwa einem Monat auf mein Nexus 5 geladen und dies sind meine Eindrücke.

Meine letzten Erfahrungen mit Cyanogenmod liegen eine ganze Weile zurück. Zwar habe ich immer mal wieder durch Cyanogenmod neues Leben in alte Geräte von Freunden und Bekannten gehaucht. Selbst genutzt habe ich es aber zum letzten Mal vor ca. 2 Jahren in der Version 9 auf meinem Galaxy S2. Damals war ich von der Stabilität nicht besonders überzeugt und bin nicht zuletzt wegen des ewigen Aufwandes, ein CustomRom zu pflegen, zum iPhone 5 gewechselt.

Der Einstieg: Installation von Cyanogenmod

Seitdem ist eine ganze Menge passiert. Cyanogenmod hat mit der Entwicklung von Android Schritt gehalten und bietet mit Version 11 mittlerweile die Version an, die Android 4.4.2 „KitKat“ entspricht. Vor allem aber ist die Installation leichter geworden. Für sehr viele Geräte (welche genau, lest ihr hier) gibt es mittlerweile den Cyanogenmod Installer, ein Programm für Windows, das mit einem Klick eine aktuelle, stabile Version auf dem Smartphone installiert. Das Nexus 5 wird vom Installer unterstützt und meine Erfahrung mit dem Programm war wirklich gut: Binnen Minuten hatte ich eine blanke Version von Cyanogenmod 11 auf dem Handy. Kein Vergleich zu dem teilweise fummeligen Prozedere, das heute wie damals bei so manchen Geräten nötig ist.

Mit dem Cyanogenmod Installer ist die Installation ein Kinderspiel

Mit dem Cyanogenmod Installer ist die Installation ein Kinderspiel

Bleibt nur die übliche Frage nach der Gewährleistung und Garantie. Letztere wird von vielen Hersteller, zum Beispiel HTC, ausgeschlossen, wenn das Gerät gerootet wurde oder der Bootsloader entsperrt wurde. Beides passiert im Installationsprozess von Cyanogenmod in der Regel. Ob der Hersteller das später nachvollziehen kann oder ob man spurlos wieder auf den Ausgangszustand zurückkommt, ist sehr abhängig vom Gerät. Insoweit muss jeder wissen, was ihm der Schritt zu einem Custom-Rom Wert ist. Auf die Gewährleistung hat das zwar weniger Einfluss, aber auch hier würde ich mich im Zweifel nicht darauf verlassen, dass die Abwicklung mit einem gemoddeten Gerät reibungslos funktioniert.

Was bringt Cyanogenmod?

Cyanogenmod bringt im Grunde dreierlei: Erstens bekommt man damit neuere Android Versionen auf Geräte, die vom Hersteller nicht mehr unterstützt werden. Zweitens bringt Cyanogenmod viele eigene Verbesserungen und Features mit und drittens wird das Gerät bei der Installation gerootet, was weitere Freiheiten erlaubt.

Der erste Punkt ist natürlich beim Nexus 5 nicht der Rede Wert. Ganz im Gegenteil: Im Laufe meiner Zeit mit Cyanogenmod 11 hat Google Android 4.4.3 veröffentlich. Diese neueste Android Version ist bei Cyanogenmod noch nicht in die stabilen Versionen eingepflegt, so dass ich dank CM momentan sogar weniger aktuell bin als ich es ohne wäre. Der klassische Prozess, mit dem Google seine Updates für die Nexus Geräte verteilt, wird durch CM nämlich gesperrt. Ich habe also nur die Wahl, entweder auf das Update von CM zu warten (auch das läuft bei CM mittlerweile komfortabel drahtlos) oder zurück auf pures Android zu gehen. Zu letzterem, dem Weg zu zurück, später mehr.

An eigenen Verbesserungen bringt Cyanogenmod 11 als erstes den deutlich verbesserten Datenschutz mit. Anders als bei normalem Android 4.4. kann ich dank Cyanogenmod nämlich über das werkseitig mitgelieferte Datenschutz-Menü für jede einzelne App festlegen, welche Daten die App sehen darf und welche nicht. So kann ich beispielsweise IMDb untersagen, meine Kontakte zu lesen, oder Google+ verbieten, meinen Kalender zu durchforsten. Diese auch in iOS lobenswerterweise vorhandene Option zeigt, dass Android auch mit einem solchen Berechtigungs-Management-Tool gut funktionieren kann. Google lässt dies schlicht nicht zu, um seine kostbaren Werbekunden nicht zu verprellen.

Sehr sinnvoll: Schnellzugriffe in der Benachrichtigungszentrale

Sehr sinnvoll: Schnellzugriffe in der Benachrichtigungszentrale

Als nächstes wären da all die kleinen Funktionserweiterungen zu nennen. Zwar lässt CM die Optik von Android weitgehend unangetastet, erweitert es aber trotzdem hier und da um sinnvolle Extras. So kann in den Einstellungen beispielweise die Batterianzeige mit einer Prozentzahl versehen werden, USB-OTG ist standardmäßig aktiviert, die Zugriffsoptionen in der Benachrichtigungszentrale sind direkt erreichbar, die Navigationstasten können (wie beim neuen LG G3) frei erweitert werden, die Lautstärketasten können bei gesperrten Bildschirm als Skip-Tasten benutzt werden, man kann ganz neue Themes nachinstallieren … und, und, und. Hier alles aufzuzählen, würde den Artikel sprengen. CM erweitert Android insgesamt sehr sinnvoll um viele kleine und große Details, die das Gesamtbild aber angenehm unverändert lassen. Neben all den Extras räumt CM zudem auch mit all der Bloatware auf, die so manche Hersteller auf ihren Geräten mitliefern.

Rootrechte sind mit dabei, bei mir aber ungenutzt

Rootrechte sind mit dabei, bei mir aber ungenutzt

Was den Root-Zugriff angeht, bin ich mittlerweile nicht mehr so ein glühender Verfechter wie früher. Natürlich sind Apps wie zum Beispiel Adblock oder Titanium BackUp sehr sinnvoll. Viele der Funktionen, die früher durch Root überhaupt erst zugänglich wurden, sind heute aber standardmäßig in Android vorhanden. Insofern gleicht die Situation hier der vom iOS-Jailbreak, der seit iOS 7 (und bald mit iOS 8) mehr und mehr an Bedeutung verloren hat. Zudem war meine Erfahrung mit Root nicht immer nur positiv. Abgesehen von möglichen Sicherheitsrisiken funktionieren die Root-Apps nicht immer problemlos. Das bereits angesprochene Adblock zum Beispiel hat bei mir alle paar Tage zu einem Freeze im Firefox-Browser geführt und Titanium BackUp ist bekannt dafür, Probleme mit der Systemstabilität hervorzurufen, wenn man zu viele Versionen von Android überspringt. Ich persönlich habe aktuell keinerlei Root-Rechte an Apps vergeben und denke auch, dass CM nicht unbedingt wegen Root installiert werden muss. Root-Rechte sind auch ohne CM zu bekommen. Cyanogenmod ist für mich eher ein gut vorsortiertes Komplettpaket.

Insgesamt ist CM also vor allem eine Möglichkeit, nahezu pures Android auf Geräte zu kriegen, die nicht mehr vom Hersteller supportet werden. Aber auch auf dem Nexus 5 hat es seine Berechtigung. Es sieht aus wie pures Android, verhält sich wie pures Android, bietet aber dutzende Extras, die ich vermutlich bei blankem Android vermissen würde. Meine Meinung insoweit: Ausprobieren, sofern man nicht Angst um seine Garantie hat!

Stabilität und Alltagsnutzung

Wie oben angesprochen, war ich mit der Version 9 auf meinem Galaxy S2 nicht wirklich zufrieden. Das lag aber vor allem auch daran, dass Samsung die nötigen Treiber für das S2 nicht herausrücken wollte und die Cyanogenmod Jungs keine passende Softwaregrundlage zur Verfügung hatten.

Bei Version 11 hat sich das insofern geändert, als dass einerseits das Nexus 5 als quelloffenes Entwicklergerät natürlich bestens dokumentiert ist. Vor allem aber hat CM mittlerweile seine Veröffentlichungen etwas klarer strukturiert. Zusätzlich zu den täglichen experimentellen Nightlies und den stabilen Versionen gibt es nun monatliche „Monthly“-Versionen. Eine solche spezielle stabile Version wird auch mit dem Installer installiert. Man kann also sicher gehen, dass jedenfalls die gröbsten Bugs ausgemerzt sind. Auf meinem Nexus 5 lief zuletzt Version 11.0-InstallerXNPQ24Q und mein Eindruck war über den gesamten Testverlauf recht ordentlich, aber nicht perfekt.

Cyanogenmod 11 lief stabil, aber nicht fehlerfrei

Cyanogenmod 11 lief stabil, aber nicht fehlerfrei

Die Kamera fror einmal komplett ein, es gab zwei Reboots, einmal Fehler 495 im Play Store und einige Konflikte mit Adblock Plus (die nicht notwendigerweise an CM liegen müssen) und Google+. Alles in allem ist CM 11 in dieser Version sicher alltagstauglich, aber wer mit derartigen Problemen nicht umzugehen weiss, dem ist eher abzuraten. Teilweise muss der Cache der entsprechenden App geleert werden, teilweise das Gerät nur neu gestartet werden. Gerade Alltagsnutzern, die dank CM nur wieder ein flottes Smartphone haben sollten, wären besser beraten, auf eine stabilere fertige Version zurückzugreifen: Eine offizielle stabile Stable-Version gibt es für das Nexus 5 nämlich noch nicht.

Ansonsten lief CM bei mir im Alltag aber sehr gut. Die angesprochenen Extras finde ich äußerst nützlich. Gerade die Schnellzugriffe in der Benachrichtigungszentrale, die Datenschutzoptionen und USB-OTG finde ich persönlich sehr praktisch. Die daneben bei CM immer mitinstallierten Apps Apollo (Musikspieler), Dateimanager (wie der Name schon sagt), Galerie (Fotomanagement) und Kamera (CMs eigene Kamera-App) waren nie mein Fall und ich nutze lieber die Google-Standards. Der Google Now Launcher läuft glücklicherweise auch problemlos unter Cyanogenmod.

Einbahnstraße?

Was aber, wenn man dann später doch zurück will? Das hängt wie gesagt stark vom Gerät ab. Beim Nexus 5 ist es allerdings extrem einfach. Über das Nexus Toolkit, ein kleines mächtiges Helfertool von WugFresh, ist es ein Kinderspiel, Nexus Geräte zurück in Ihren Ausgangszustand zu bringen, den Bootloader wieder zu sperren etc.

Mit dem Nexus Root Toolkit ist auch der Rückweg bei Nexus-Geräten kein Problem

Mit dem Nexus Root Toolkit ist auch der Rückweg bei Nexus-Geräten kein Problem

Softwaremäßig ist danach dann keinerlei Unterschied zu einem jungfräulichen Gerät zu erkennen. Bei anderen Geräten kann das natürlich deutlich komplizierter werden. Im Zweifel empfehle ich deshalb, vorher das Netz nach dem Rückweg abzusuchen.

Lohnt es sich?

Mein Fazit aus meinem Monat mit Cyanogenmod ist sehr positiv. Die Extras, allen voran der verbesserte Datenschutz und die kleinen Tweaks an allen Ecken, würde ich in jedem Fall vermissen. Der Installationsprozess ist endlich keine Hürde mehr, sofern das Gerät vom Installer unterstützt wird, und im Alltag läuft es für mich ausreichend stabil. Die mitgelieferten Root-Rechte sind mir persönlich nicht ganz so wichtig. Viel entscheidender ist bei CM die Möglichkeit, alte Geräte auf den neuesten Softwarestand zu bringen. Allein dafür gebührt den Mädels und Jungs der Cyanogen Inc. großes Lob. Die Berge an Elektroschrott, die durch dieses Custom-Rom verhindert oder zumindest verzögert werden, sind Beweis genug. Ich werde CM 11 jedenfalls vorerst auf meinem Nexus 5 laufen lassen.

Wie sind eure Erfahrungen mit Cyanogenmod und Custom-Roms im Allgemeinen? Was sind eure Gründe, zu modden oder was spricht für euch dagegen?

See you in the comments!

6 Kommentare
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