Digital oder gedruckt? Wie ich Comicbücher lese

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Zu meinen ältesten Hobbys zählt neben technischen Themen und der Vorliebe für Heavy Metal das Lesen von Comicbüchern. Die beiden ersten Leidenschaften sind schon lange durch mobile Technologie beeinflusst worden: Aus Gebastel an PC-Wasserkühlung wurde das Bloggen über Smartphones. Aus einer Plattensammlung wurde eine Ansammlung von Playlisten bei Spotify. Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch Hobby Nummer Drei vor die Gretchenfrage gestellt werden würde: Analog bleiben oder digital werden?

Meine Liebe zu Superhelden und Comicbüchern wurde in jungen Jahren durch Fernsehserien wie die animierte 1993er Spiderman TV-Serie und vor allen das animierte DC-Universum rund um Batman, Superman und die Justice League geweckt. Zwar habe ich zunächst eher die Marvel Veröffentlichungen in gedruckter Form verfolgt, vor allem Spidey, Wolverine und die X-Men hatten es mir angetan. Aber bald gab es für mich nur noch Batman und die DC-Welt. Noch heute erscheinen mir die Geschichten aus dem Hause Detective Comics purer, tiefgründiger und weniger schrill.

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Die DC Comics App für iOS

Seit einigen Jahren kaufe ich nun keine gedruckten Hefte mehr, sondern bediene mich im Online-Katalog der DC Comics App für Android und iOS. Für alle, die sich mit diesem Thema nur am Rande befassen, eine kleine Erklärung vorab: Das Monopol auf digitale Comicbücher hat im Grunde der Anbieter Comixology (mittlerweile Teil des Amazon-Konzerns). Es gibt zwar eigene Apps von Marvel und DC Comics, beide sind aber nichts anderes als Ausschnitte aus der Comixology App. Sogar die Nutzerkonten sind überall gültig. Für Windows Phone gibt es leider seit 2012 keine Comixology App mehr. Anders als bei Spotify „kauft“ man bei Comixology übrigens Ausgaben von einzelnen Comicbüchern dauerhaft; ein Abo-Modell nach dem Vorbild Audible gibt es nicht.

Und noch was: Wer sich wundert, warum ich von Comicbüchern und nicht von Comics rede, dem empfehle ich die wertvollen Ausführungen von Dr. Sheldon Cooper, nachzuhören in Folge 20 von Staffel 2 der „Big Bang Theory“ 🙂

Bytes zerknittern nicht

Für mich sprechen vor allem drei Gründe für digitale Comicbücher. Der erste und wohl langweiligste Grund ist, dass digitale Comicbücher nicht zerknicken, verbleichen und verfransen. Die Pflege einer Comicbuch-Sammlung erfordert einiges an Arbeit, wenn man auch Jahre später noch etwas von den Druckwerken haben möchte. Spezielle Schutzhüllen, Pappeinlagen und Sammelkartons im passenden Format sind für engagierte Sammler eine selbstverständliche Notwendigkeit. Für mich kam ein derartiger Aufwand nie in Frage. Allein aus Platzgründen schied eine eigene Sammlung dutzender und hunderter Comicbücher aus. Nicht vergessen darf man dabei natürlich, dass nicht alle Veröffentlichungen es überhaupt nach Europa schaffen. Digitale Ausgaben können damit sogar die einzige Möglichkeit sein, überhaupt seine Lieblingsserie lesen zu können.

Aber es ist nicht nur das: Mein iPad oder mein Nexus habe ich immer dabei und sie speichern mehr Einzelausgaben als je in meine Tasche passen würden. So vergesse ich weder, mein aktuelles Heft einzustecken, noch ärgere ich mich mit kiloweise Papier im Rucksacke herum. Die App synchronisiert außerdem Geräte-übergreifend meinen Lesefortschritt und ein Display ist unabhängig von Lichtquellen auch im Dunkel ablesbar. Für mich ist das digitale Lesen also vor allem mobiler, komfortabler und flexibler als das Lesen gedruckter Hefte

Spoilerfreies Lesen

Puristen kriegen bei obiger Argumentation sicher einen Schreianfall. Schließlich geht doch nichts über das raue Gefühl bedruckten Papiers oder den Geruch von Tinte und Farbe beim ersten Aufschlagen von Seite Eins. Ich will nicht bestreiten, dass ich auch heute noch hin und wieder Sammelbände kaufe, weil ich gewisse Klassiker einfach „besitzen“ möchte. Aber im Alltag des Lesens hat das digitale Format einen weiteren entscheidenden Vorteil: Spoilerfreies Lesen.

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Guided View zeigt nur ein Panel zur Zeit an

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich konnte mich schon als Kind nicht beherrschen. Sobald ich eine neue spannende Seite aufblätterte, schielte ich auf das letzte Panel unten rechts und ruinierte mir damit so manchen Spannungsbogen. Die Apps aus der Comixology-Gruppe bieten dafür einen eigenen „Guided View“ Modus, der stets nur ein Panel anzeigt und mich quasi wie eine Art Stop-Motion-Film durch die Handlung führt. Erst wenn die Seite fertig ist, wird sie bei mir im Ganzen dargestellt. Das ist für die Verlage natürlich etwas Arbeit, weil für jedes Buch erst ein Lesepfad erstellt werden muss. Außerdem kann es vorkommen, dass auch der Guided View Modus an seine Grenzen kommt, wenn die Autoren klassische Panelformen völlig verlassen und kreuz und quer über eine Seite zeichnen. Aber zum allergrößten Teil empfinde ich diese Art, Comicbücher zu lesen, als großen Vorteil und ziehe sie gedruckten Heften vor.

A propros Lesen: Digitale Comics brauchen natürlich ein Wiedergabemedium. Bei mir ist das derzeit zumeist ein iPad Mini mit Retina Display oder ein Nexus 5. Aber auch auf dem iPhone 5S und seinem 4 Zoll Display ist das Lesen noch erträglich, weil eben nicht Seite für Seite, sondern nur Panel für Panel durchgeblättert wird. In jedem Fall beeinflusst das Display aber natürlich den Lesespaß: Pixeldichte, Helligkeit und Kontrast sollten schon ein gewisses Qualitätsniveau haben, damit man seine Augen nicht ruiniert.

Wallpaper inklusive

Der dritter Grund dafür, warum ich digitale Comicbücher vorziehe, ist sehr aus meiner Fan-Eigenschaft geboren. Oft genug dachte ich, wie toll es wäre, dieses oder jenes Bild aus Heft XY als Wallpaper nutzen zu können. Bei digitalen Comics ist das nur einen Screenshot entfernt und so zieren nicht selten Motive aus Comicbüchern meinen Desktop-Hintergrund oder meinen Smartphone-Lockscreen. Sobald man aber den privaten Bereich verlässt und die Motive etwa von kommerziellen Anbietern auf Tassen und T-Shirts drucken lässt, begibt man sich leider in einen Konflikt mit dem Urheberrecht. Dazu will ich hier natürlich nicht anstiften.

Für mich sind digitale Comicbücher schließlich so normal geworden wie Musik-Streaming und On-Demand-Fernsehen. Abseits weniger Sammelausgaben habe ich lange nicht mehr das Bedürfnis verspürt, ein echtes Heft zu kaufen. Genauso wie ich nur noch selten zu tatsächlichen CDs oder Blu-Rays greife, hat das physikalische Medium bei Comicbüchern für mich seine Bedeutung verloren.  Wie bei Musik und Filmen stelle ich mir aber doch die Frage der Langzeitverfügbarkeit. Ohne Internet, Strom und funktionierende Displays sind alle meine Comicbücher unerreichbar. Und wenn jeder so handeln würde wie ich, dürfte es in 50 Jahren sehr viel schwerer werden, die Erstausgabe von Batman – The New 52 als gedrucktes Heft zu finden. Das digitale Zeitalter kann schnell ein vergessenes Zeitalter werden. Die Erstausgabe von Superman in Action Comics Nummer 1 ist schließlich auch deshalb über 70 Jahre später überhaupt noch vorhanden, weil es davon Ende der 30er Jahre sehr viele gedruckte Exemplare gab.

Obwohl ich also mit dem Lesekomfort digitaler Comicbücher glücklicher bin als mit gedruckten Heften, scheint mir das reine digitale Lesen nicht immer die ideale Lösung zu sein. Am liebsten wäre mir daher ein Dienst, wie ihn Amazon bereits bei seiner Musik anbietet: Kauft man das physische Medium, bekommt man die digitale Version gratis dazu. Als Teil der Amazon-Gruppe scheint es mir auch gar nicht so abwegig, dass Comixology ähnliche Angebote einführen könnte. Jedenfalls bei meinen Lieblingsserien würde ich so ein Angebot sicher annehmen und hätte gewissermaßen das beste zweier Welten: Den digitalen Lesespaß und die physische Langzeit-Verfügbarkeit.

Habt ihr den Sprung ins digitale Lesen auch vollzogen und eigene Erfahrungen gemacht? Habe ich vielleicht entscheidende Nach- oder Vorteile übersehen? See you in the comments!

Disclaimer: Die Rechte an den abgebildeten Figuren und Logos liegen bei den entsprechenden Verlagen und Unternehmen.

 

8 Kommentare
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  8. Malte

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