Der Intel NUC als HTPC: Die ideale Kombination?

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Vor einiger Zeit hat mir Intel einen aktuellen Vertreter seiner NUC Plattform zur Verfügung gestellt und seit meinem ursprünglichen Review zum Intel NUC5i5RYH hat der Mini-PC im Office-Betrieb gehalten, was ich erwartet habe. Mein eigentliches Interesse galt aber einem anderen Anwendungsszenario: dem Home Theater PC. Intel selbst bewirbt seine Mini-PC-Reihe aktiv als Multimedia-Alleskönner. Ich habe meinen NUC daher die letzten Wochen vor allem als HTPC verwendet und mich der Frage zugewandt, ob der NUC tatsächlich die ideale Plattform für das Wohnzimmer ist.

Infrarot-Port und Fernbedienung

In meinem Erfahrungsbericht, in dem ich auf meine letzten 5 Jahre HTPC-Nutzung zurückgeblicke, habe ich bereits gesagt, dass – jedenfalls für mich – der Erfolg eines HTPC wesentlich vom Couchfaktor abhängt. Einer der wichtigsten Bestandteile eines Multimedia PCs ist für mich deshalb die Fernbedienung. Auch den Intel NUC habe ich kaum per Maus und Tastatur (obwohl via Bluetooth problemlos), sondern per Fernbedienung bedient. Freundlicherweise hat mir Logitech Deutschland zu diesem Zweck eine Harmony Ultimate One zur Verfügung gestellt, die ich mit dem Intel NUC zusammen benutzt habe. Dafür an dieser Stelle besten Dank an das deutsche Logitech Team.

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Im UEFI lässt sich zwischen Generic, RC6 und MCE Fernbedienung wählen

Die Harmony Serie ist sicher jedem ein Begriff, der sich mit dem Thema HTPC befasst. Die Ultimate One gehört dabei zu den höherpreisigen Universalfernbedienungen aus dem Hause Logitech. Für diesen Artikel ist zunächst aber nur eines wichtig: Die Harmony Ultimate One funktioniert problemlos mit dem Infrarotempfänger des Intel NUC. Dessen Nuvoton CIR Port an der Front ist kompatibel mit RC6- und MCE-Fernbedienungen. Im UEFI habe ich den Empfänger lediglich auf RC6 eingestellt und danach wurde die Logitech Fernbedienung sofort erkannt. Die weitere Einrichtung der Ultimate One funktioniert typisch Logitech entweder über ein Webportal oder über das My Harmony Programm. Zur Einrichtung musste lediglich die Typenbezeichnung des NUC eingegeben werden und schon landete das passende Profil auf der (per USB angeschlossenen) Fernbedienung. Binnen 10 Minuten konnte ich den NUC mit der Ultimate One starten, herunterfahren und natürlich in diversen Programmen steuern. Besonders erfreulich ist, dass der Infrarotempfänger des NUC das Gerät auch aus dem „Soft-Off-Modus“(S5 Power State) starten kann. Man kann den NUC also komplett herunterfahren und sogar vom Netz nehmen und trotzdem danach mit der Harmony booten. Das ist für die bereits erwähnte Couch-Kompatibilität extrem wichtig.

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Neben dem NUC lassen sich mit den Harmony Universalbedienungen natürlich auch andere Geräte im Wohnzimmer steuern.

Natürlich lassen sich mit der Harmony Ultimate One neben dem NUC auch alle möglichen anderen Geräte, wie Audio-Receiver und Fernseher, steuern. Das ist schließlich einer der Hauptanwendungsbereiche der Universal-Fernbedienungen von Logitech. Über die Einrichtung von „Aktivitäten“ kann man so mit einem Tastendruck den NUC booten und TV sowie AVR auf den richtigen Kanal einstellen. Das klappt alles tadellos. Mein einziger Kritikpunkt an der Fernbedienung ist der Touchscreen. Natürlich verfügt die Ultimate One auch über diverse programmierbare Tasten, aber blinde taktile Bedienung und ein volles Nummernpad sind mir persönlich bei Fernbedienungen doch lieber, zumal der Touchscreen der Ultimate One nicht gerade zu den präzisesten gehört. Das ist aber Geschmackssache und das Sortiment von Logitech gibt ja für jeden Geschmack etwas her. Mit dem NUC arbeiten die Logitech Fernbedienungen jedenfalls problemlos zusammen.

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Die Harmony Ultimate One: Nicht ideal finde ich den Fokus auf Touch-Bedienung.

Mit anderen Fernbedienungen hatte ich leider weniger Glück. Obwohl zum Beispiel die Apple TV Fernbedienung angeblich nach dem RC6-Standard funkt oder meine Veris RM200 eigentlich dem MCE-Standard folgt, konnte ich beide nicht einmal ansatzweise zur Zusammenarbeit mit dem Intel NUC bewegen. Das gilt sowohl für Windows 8.1 als auch Windows 10, mit dem mein NUC für die meiste Zeit dieses Artikels lief. Ob ich hier einem grundlegendem Denkfehler erliege oder schlicht irgendwelche versteckten Einstellungen nicht gefunden habe, kann ich nicht sagen.

Video- und Audiowiedergabe: Ein HTPC mit Format?

Die zweite Hürde, die der NUC aus meiner Sicht nehmen muss, wenn er sich als Wohnzimmer-tauglich beweisen will, ist die Fähigkeit, mit üblichen Multimedia-Formaten umzugehen. Die wohl wichtigste Eigenschaft ist dabei eine saubere Wiedergabe von Full HD 24p Material. Wer damit nichts anzufangen weiß, dem empfehle ich die Zusammenfassung bei Hifi-Regler.de. Kurz gesagt, läuft aktuelles HD-Material von BluRays & Co meist mit einer Bildwiederholrate von 23,976 Bildern pro Sekunde (Hz), nicht 24 Hz, wie der Begriff 24p suggeriert. Damit das Material der eingelegten BluRays auf dem NUC ohne Zuckeln und Ruckeln läuft, muss die integrierte Grafikeinheit also exakt diese Bildwiederholrate beherrschen. Das war bei Intel nicht immer der Fall. Die vorhergehenden Core-i-Generation etwa lieferten lange nur exakte 24 Bilder pro Sekunde, was zu einem fehlenden Frame alle 42 Sekunden führte. Die Grafikeinheit der Broadwell-Generation (in meinem Testgerät eine HD 6000) zeigt hier glücklicherweise keine Schwächen mehr. Die Wiedergabe von 24p Material läuft einwandfrei. Es gibt keinen unsynchronen Frameverlauf, wie die Detailansicht im MPC-HC-Player bestätigt.

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Der Broadwell Grafikchip liefert saubere 23,976 Bilder pro Sekunde (Rechte am Film liegen bei Universal Pictures)

Auf 4K Wiedergabe bin ich schon in meiner vollen Review zum Intel NUC eingegangen. Diesbezüglich hat sich nichts geändert. Mangels HDMI 2.0 kann 4K Material maximal mit 24 Hz ausgegeben werden. Während das für Medien ohne Kopierschutz wie z.B. 4K Youtube-Videos noch ausreichend sein könnte, wird es spätestens dann ein Problem, wenn der neue Ultra HD Standard in die Gänge kommt. Die Broadwell Plattform – und wenn ich anandtech.com richtig verstehe – auch die neuere Skylake Plattform können von Haus aus noch kein HDCP 2.2. Dieser neue Kopierschutzstandard wird dann relevant, wenn der NUC im Wohnzimmer die neuen Ultra HD BluRays abspielen soll. Zwar dürften die Hersteller in Kürze passende Abspielgeräte und -software vorstellen, aber spätestens das fehlende HDCP 2.2 dürfte dem NUC dann einen Strich durch die hochauflösende Rechnung machen.

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Mit passender Audiotechnik liefert der NUC 7.1 Ton in allen gängigen digitalen HD Formaten

Die Audio-Wiedergabe erledigt im NUC ein (von mir nicht näher benennbarer) Chip von Realtec. Der beherrscht alle gängigen digitalen Formate und kann HiFi-Systeme bis hin zu einem 7.1 Setup versorgen. Die Tonausgabe erfolgt dabei entweder über HDMI oder Displayport. Mein 5.1 Setup bestehend aus Mirage Boxen und Marantz AVR wurde mit Formaten von Dolby Digital bis DTS-HD einwandfrei versorgt. Wie bereits im ersten ausführlichen Review gesagt, ist der NUC bei all diesen Aufgaben auch stets flüsterleise. Die im UEFI einstellbaren Lüfterprofile halten die Lautstärke während der Medienwiedergabe stets im kaum wahrnehmbaren Bereich.

Aufrüstbarkeit und Einsatzszenarien

Die Grundvoraussetzungen für eine hervorragende HTPC-Erfahrung bietet die NUC Plattform also auf jeden Fall. Aber die beste Technik bringt nichts, wenn man kein Material zum Abspielen hat. Und in dieser Hinsicht zeigt sich leider, dass die Stärke des NUC auch seine Schwäche ist: seine kompakte Größe.

Im Multimedia-PC Bereich gibt es klassischerweise vier Anwendungsbereiche: Lokale Medien-Datenbanken, klassisches Fernsehen über DVB-TV, Streamingdienste und natürlich optische Medien. Lokale Datenbanken erfordern Speichermedien, für die der NUC naturgemäß nicht viel Platz bietet. Lediglich die Samsung Spinpoint M9T bietet mit ihrer Bauhöhe von 9,5 mm die Möglichkeit bis zu 2 TB in den NUC zu quetschen. Was ich in meinem ursprünglichen Review für Office-Anwender noch gelobt habe, kann für Multimedia-Anwender etwas knapp werden. Wer gerne TV-Sendungen mitschneidet, sammelt im Laufe der Zeit schnell Datenmengen an, für die eine einzige 2 TB Platte zu klein wird. Wer also vor allem auf die Nutzung von Anwendungen wie KODI schielt, der wird beim Intel NUC nicht um externe NAS-Systeme herumkommen.

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Nur ein 2,5 Zoll Slot (max. 9,5 mm): Für ausufernde Videodatenbanken ist der NUC nur begrenzt gerüstet.

Für Datensammler hat der Intel NUC dann aber doch ein kleines Geschenk in petto: Videokonvertierung via Quicksync. Ich nehme regelmäßig Sendungen im .ts Format auf. Um diese Dateien universell abspielen zu können, wandle ich sie allerdings stets zu H.264 Dateien in .mkv oder .mp4 Container um. Das Programm meiner Wahl ist dafür Handbrake, das seit einer Weile den Intel QuickSync Codec unterstützt.

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Ein großer Vorteil im HTPC-Bereich: Intels QuickSync Codec (hier bei Handbrake)

Dieser Codec greift für die Umwandlung von Videodaten nicht auf die CPU, sondern die GPU zu. Da Videoverarbeitung ein hoch-pa­r­al­le­li­sie­rbarer Vorgang ist, profitieren die Arbeitszeiten enorm von den 48 Recheneinheiten in der Grafikeinheit des NUC, der HD 6000. Statt die Dateien mit nur 2 oder 4 Kernen langwierig zu kodieren, ist die Umwandlung einer großen .ts Datei mit mehreren Tonspuren in rasanter Zeit erledigt. Allein aus diesem Grund halte ich Intel Systeme meist für die bessere Wahl, wenn es um die Ausstattung eines HTPC geht.

Das zweite Szenario ist das klassische Live-TV über DVB-Empfang. In meinem selbstgebauten HTPC arbeitet eine interne DVB-S2 Karte mit Dual Tuner über die ich das frei empfangbare Satellitenprogramm schauen und aufnehmen kann. Eine interne TV-Karte ist im NUC natürlich nicht möglich und das Konzept der austauschbaren Deckel hat auch 10 Monate nach Release noch keine nennenswerte Bedeutung erlangt. Wer also irgendeine Form von DVB-Signalen empfangen will, muss beim NUC zu externen USB-Lösungen greifen.

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Viele HTPC-Einsatzszenarien müssen mit USB-Zubehör nachgerüstet werden

Der Support von Hauppauge wies mich diesbezüglich übrigens darauf hin, dass es bei NUC-Systemen, die nur USB 3.0 Ports haben, mit dem Nova-HD-USB Stick zu Unverträglichkeiten kommt. In jedem Fall machen externe USB-Lösungen aber den Raumvorteil des Mini-Rechners zunichte. Das gleiche Problem gilt für optische Medien. Mangels Platz für ein internes Laufwerk muss auch hier mit USB-Erweiterungen gearbeitet werden. Wer also das volle Programm aus BluRay-Laufwerk und TV-Karte möchte, begräbt seinen NUC schnell in einem Gewirr aus Kabeln und Erweiterungsgeräten.

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Die üblichen Streaming-Dienste machen dem NUC keine Probleme

Für die üblichen Streaming-Dienste hingegen ist der NUC natürlich bestens geeignet. Ich habe zunächst unter Windows 8.1 und nun unter Windows 10 insbesondere Netflix und Youtube genutzt und kann von keinen Problemen berichten. Die Power des Core i5 macht auch browserbasierte Portale wie Watchever und Amazon Prime Video problemlos genießbar (für beide fehlt leider noch eine eigene Universal App für Windows 10).

Fazit: Ist der NUC ein idealer HTPC?

Ist der Intel NUC nun die ideale Wahl, wenn es um den Einstieg in das Thema Wohnzimmer- und Multimedia-PC geht? Die Antwort hängt deutlich mehr von den eigenen Ansprüchen ab, als ich zunächst gedacht hatte.

Wer – wie ich – eine eierlegende Wollmilchsau aufbauen will, wird bei der NUC-Plattform die Nachteile der kompakten Bauform zu spüren bekommen. Optische Medien, TV-Empfang und große Filmdatenbanken müssen über USB-Laufwerke, -Sticks und -Festplatten samt zugehörigem Kabelsalat realisiert werden. Der Charme des winzigen NUC-Systems geht dabei ein Stück weit verloren. Für Alleskönner-Systeme führt daher wenig an kompakten Eigenbau-Systemen vorbei. Über interne PCI-Steckkarten und normale Laufwerkschächte können dort tatsächlich alle Fähigkeiten in einem einzigen Gerät vereint werden. Interne Komponenten wie optische Laufwerke und TV-Karten sind zudem meist auch günstiger als deren USB-Brüder.

Die NUC-Plattform eignet sich daher eher für jene Nutzer, die im Wohnzimmer vor allem Streaming-Dienste und (überschaubar große) lokale Datensammlungen genießen wollen. Anstatt sich dafür einen kleinen Multimedia-PC selbst zurecht fummeln zu müssen, bietet Intel mit dem NUC eine sehr leistungsfähige und optische gelungene Alternative zum Selbstbau-HTPC. Das Problem dabei ist natürlich, dass in diesem Anwendungsbereich die Konkurrenz groß ist. Vom Raspberry Pi bis zu aktuellen Streaming-Boxen beherrschen viele Geräte diese Fähigkeiten, kosten aber einen Bruchteil des NUC. Trotzdem: Die NUC-Systeme bieten dank vollem Desktop-Betriebssystem die größere Flexibilität und dank Broadwell-Chips auch deutlich mehr Leistungsreserven.

Für mich persönlich fehlt dem NUC das letzte bisschen Aufrüstbarkeit, um meinen HTPC ersetzen zu können. Sehr gern würde ich es etwa in Zukunft sehen, wenn die NUC-Plattform Platz für ein Slot-In-Laufwerk böte. Dafür müsste Intel seine Mini-Plattform zwar auf die Ausmaße eines Mac Mini aufblasen, aber so könnte man sich jedenfalls einen Teil des externen Kabelsalats sparen. Derzeit bietet Intel ja mit dem H- und dem K-Modell bereits unterschiedliche Größen für Nutzer mit und ohne Bedarf nach mehr Laufwerkplatz. Da wäre ein noch größeres Modell doch gar nicht so abwegig, oder? Was denkt ihr?

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