Mehr Speicher fürs Macbook: Nifty Drive und JetDrive Lite im Vergleich

Der SD-Kartenslot ist tot, es lebe der SD-Kartenslot. Wer sich über das Timing dieses Beitrags wundert, der hat nicht ganz Unrecht. Schließlich hat Apple bei den aktuellen Macbook Pro (2016) Modellen den SD-Kartenslot gerade erst gestrichen. Und trotzdem halte ich den Zeitpunkt gerade jetzt für geeignet, um einen Blick auf Speichererweiterungen am Macbook zu werfen. Immerhin ist das Fehlen des SD-Slots für viele Kunden ja sogar ein Grund, sich das Upgrade auf die neuen 2016er Macbooks noch einmal zu überlegen. Die 2015er Modelle sind derzeit günstig zu haben und auch das kultige Macbook Air verkauft Apple weiterhin. Beide bieten die Option auf eine Speichererweiterung via SD-Karte. Aber selbst wer nicht vor einer Neuanschaffung steht, sondern – gar aus Enttäuschung über die neuen Macbooks – sein vorhandenes Macbook erst einmal weiternutzen will, kommt jetzt vielleicht in die Verlegenheit, den knapp werdenden Speicher noch einmal strecken zu müssen.

Bekanntermaßen ist – bis auf wenige ältere Modelle – kein aktuelles Macbook so gebaut, dass man den internen Flash-Speicher nachträglich erweitern soll. Für einige Macbooks gibt es zwar Drittanbieter-Lösungen, z.B. von OWC, die den proprietären Apple-SSD-Standard nachbauen, aber der Einbau ist mit einem möglichen Verlust der Garantie und mit teilweise hohen Kosten verbunden. Eine verhältnismäßig günstige externe SD-Karte ist da natürlich komfortabler und in der Regel auch deutlich günstiger. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Wie gut ist eine SD-Karte als dauerhafte Speichererweiterung geeignet? Genügt der SD-Slot gar als ausschlaggebendes Kaufargument?

Für diesen Beitrag schaue ich mir daher zwei bekannte SD-Karten-Lösungen an, die sich speziell an Macbook-Nutzer richten: Das Nifty MiniDrive (von Nifty) und die JetDrive Lite Serie (von Transcend). Beide wurden privat beschafft und es gab – obwohl ich bei Transcend tatsächlich kurz angefragt hatte – keinerlei Testexemplare für diesen Beitrag. Beide Lösungen gleichen sich insoweit, als dass man sie in den SD-Slot eines Macbook Air oder Macbook Pro Retina (bis 2015) steckt und dann als dauerhaft gesteckte Speichererweiterung nutzen kann. Unter der Haube unterscheiden sich beiden allerdings doch in einigen Details.

Kandidat 1: Nifty MiniDrive

Das MiniDrive von Nifty startete ursprünglich als Kickstarter-Kampagne, wurde von den Machern aufgrund seines Erfolgs dann später aber auch regulär verkauft und findet sich mittlerweile problemlos bei einschlägigen Online-Händlern. Dort habe ich auch mein Exemplar gekauft. Das große Argument für das MiniDrive von Nifty ist sein Design. In der silbernen Variante (es gibt auch bunte Versionen) passt es exakt zum Look der Macbooks und schließt optisch mit dem Gehäuse ab. So richtig perfekt sitzt das MiniDrive allerdings nie, was laut Angaben des Hersteller vor allem daran liegt, dass der SD-Slot bei Macbooks im Gehäuse immer auch minimal Versatz hat. Bei mir sitzt das eingesetzte MiniDrive deshalb auch ganz leicht linkslastig und lässt rechts einen sichtbaren Spalt stehen. Immerhin wird das MiniDrive aber nie anderen Steckern in die Quere kommen wird. Der bei meinem Macbook Pro Retina (2015) benachbarte HDMI-Port wird also auch bei sehr ausladenden HDMI-Steckern nicht blockiert.

Das Nifty Mini Drive sitzt (fast) perfekt im Macbook

Betonen muss man aber direkt, dass das MiniDrive nur ein Adapter ist. Wer sich also für eine der vielen Versionen entscheidet (für jedes Macbook gibt es angepasste), der bekommt für etwa 30 € im Grunde nur einen (sehr hübschen) Adapter von SD auf micro-SD. Man muss folglich stets eine micro-SD Karte seiner Wahl hinzukaufen, um überhaupt Speicherplatz zu erhalten. Bei mir steckt im MiniDrive derzeit eine Class 10 64 GB Karte von Sandisk, die hier noch herumlag.

Ohne zusätzliche micro-SD ist das Mini Drive erstmal zu nix zu gebrauchen.

Je nach gesteckter micro-SD, liefert das Mini Drive unterschiedliche Geschwindigkeit.

Das ist einerseits von Vorteil, weil man dadurch auch in der Lage ist, Daten z.B. mit Smartphones zu tauschen, wenn diese ihrerseits über einen micro-SD-Slot verfügen. Andererseits führen mehr bewegliche Teile immer auch zu mehr Verschleiß. Anders als bei reinen SD-Karten gibt es beim MiniDrive eben zwei Kontaktstellen, die für den Betrieb funktionieren müssen. Darum lässt sich im Übrigen auch keine Aussage über die Geschwindigkeit des MiniDrives von Nifty treffen. Die hängt schließlich primär von der eingesetzten micro-SD-Karte ab. Meine Sandisk Karte kommt formatiert mit Mac OS Extended (Journaled) auf etwa 16 MB/s Schreib- und 42 MB/s Leserate, was eher mau ist.

Mit einem offiziellen Icon wird das Nifty Drive aufgepeppt

Ein sehr nettes Detail ist aber, dass Nifty für seine MiniDrive-Adapter eigene Icons bereitstellt. Unter macOS kann man recht einfach die Symbole für eingebundene Laufwerke ändern und wer, wie ich, die SD-Karte dauerhaft im Mac stecken lässt, der freut sich dann über ein optisch klar erkennbares NiftyDrive-Laufwerk. Spürbare Auswirkungen auf meinen Akkuverbrauch konnte ich trotz dauerhaft gesteckerter SD-Karte übrigens nicht feststellen. Nifty spricht aber davon, dass die dauerhaft gesteckte SD-Karte zu einer etwa 5-10 Minuten verkürzten Gesamtlaufzeit führen kann. Auch hatte ich keine Probleme mit dem Einhängen („Mounten“) und Erkennen der Karte. Egal ob nach einem Reboot oder nach Standby: Das Nifty Drive war immer sofort verfügbar.

Kandidat 2: Transcend JetDrive Lite

Die JetDrive Lite Serie von Transcend ist in gewisser Weise das Gegenteil des MiniDrive. Es ist kein Adapter, sondern eine vollwertige SD-Karte. Es passt sich farblich nicht dem Macbook an, sondern hebt sich mit schwarzem Plastik deutlich vom edlen Metallgehäuse ab. Und zudem versinkt das JetDrive Lite nicht im Gehäuse, sondern ragt ein Stück heraus. Trotzdem sind die JetDrive Lite Karten immer noch auf die einzelnen Macbooks angepasst und ragen stets nur mit dem gleichen kleinen Stück aus dem SD-Slot heraus. Anders als das MiniDrive haben die JetDrive Lite Karten nämlich keinen kleinen Haken, um die gesteckte Karte aus dem Slot zu ziehen, sondern müssen dem Finger anders halt bieten. Diese kleinen aber feinen Unterschiede haben Vor- und Nachteile.

Das JetDrive Lite ragt etwas heraus.

Mit dem matt-schwarzen Finish passt das JetDrive Lite aber gut zu den Tasten der Macbooks.

Ich persönlich würde zunächst vermuten, dass ein JetDrive Lite langfristig die zuverlässigere Lösung ist, da als volle SD-Karte nur eine Kontaktfläche dem Verschleiß ausgesetzt ist. Zudem bekommt man bei den JetDrive Lite Karten verlässliche Lese- und Schreibraten, da der Hersteller kontrollieren kann, welche Speicherchips verbaut werden können. Rein optisch bin ich schließlich auch gar nicht so sicher, ob die kleine matt-schwarze Fläche, die im gesteckten Zustand herausragt, so ein Drama ist. Sie passt eigentlich recht gut zum matten Look der Macbook-Tasten und verdeckt den SD-Slot auch komplett, während das MiniDrive im Slot immer ein wenig Spielraum erkennen lässt.

In der 128 GB Version liefert das JetDrive Lite gute Schreib- und Lesewerte.

Die JetDrive Lite Karten gibt es – wie gesagt – für die jeweiligen Bauformen der Macbooks in seperaten Varianten und zudem in unterschiedlichen Speichergrößen. Bis zu 256 GB konnte ich ausfindig machen. Diese größte Ausführung schlägt dann mit 160 € und aufwärts zu Buche. Allerdings: Ähnlich leistungsstarke micro-SD Karten sind nicht  günstiger und zusammen mit den 30 € für den MiniDrive Adapter kommt man bei der Nifty-Lösung am Ende also meist teurer weg. Das von mir getestete JetDrive Lite 330 mit 128 GB für das Macbook Air erreichte im Speedtest tatsächlich gute 90 MB/s Lesen und 60 MB/s Schreiben. Werte, mit denen meine oben erwähnte micro-SD von Sandisk nicht einmal ansatzweise mithalten kann. Alles in allem neige ich – trotz der optischen Pluspunkte des Mini Drive – deshalb insgesamt eher zum JetDrive Lite.

Fazit

Am Ende bleibt natürlich immer noch die Frage: Lohnt sich das Ganze? Darauf kann man unterschiedlich antworten. Wer keine Lust hat, den eigenen Mac aufzuschrauben und – möglicherweise unter Garantieverlust – den interenen Speicher mit Drittlösungen nachträglich zu erweitern oder dauerhaft eine externe Festplatte mit sich herumzuschleppen, hat schlicht kaum eine andere Wahl, als auf den SD-Kartenslot zurückzugreifen. Je nach Speichergröße bekommt man bei Transcend und Nifty dafür zwei gelungene und erschwingliche Optionen. Beide können dauerhaft verbaut werden und erweitern so den knappen internen Speicher, ohne die mobile Natur der Macbooks in Frage zu stellen. Ich persönlich nutze die gewonnenen 64 GB nun, um meine gesamte iTunes Bibliothek auszulagern. Lange hatte ich die auf meinem NAS gespeichert, mich aber oft unterwegs geärgert, dass iTunes ohne zugriffsbereite iTunes-Bibliothek praktisch unbenutzbar war. Um meine fast 50 GB große Musiksammlung abzuspielen und aufs iPhone zu synchronisieren, reichen die recht mikrigen Schreib- und Leseraten meiner alten Sandisk Karte auch aus.

Es kann aber natürlich nicht bestritten werden, dass nichts über echten internen Speicher geht. Von den irrsinnigen schnellen Lese- und Schreibraten der internen PCI-SSDs in den aktuellen Macbooks ist jede SD-Karte meilenweit entfernt. Wenn man sich dann die Preisunterschiede zwischen den verschiedenen Speicherausstattungen der Macbooks anguckt, dann sieht man, dass z.B. zwischen einem Macbook Air mit 128 GB und 256 GB SSD etwa 150 € bis 200 € liegen. Die JetDrive Lite Variante mit 128 GB hingegen liegt bei nur 80 €. Das ist im Vergleich eine ordentliche Ersparnis, aber mit der Leistung und Zuverlässigkeit einer internen SSD kann eine SD-Karte eben nie mithalten. Wer von vornherein damit rechnet, dass der interne verfügbare Speicher knapp werden könnte, sollte deshalb die später anfallenden Kosten für eine Erweiterung via SD-Karte genau prüfen und vielleicht lieber gleich in eine größere interne SSD investieren. Wer aber trotz vorausschauender Planung irgendwann das Ende seiner internen Speicherkapazitäten erreicht hat, der kann dank des SD-Kartenslots sehr unkompliziert neuen Platz schaffen. Für mich jedenfalls bleibt der SD-Slot deshalb vorerst ein sehr wertvoller Port und ist einer der Gründe, warum ich mein Macbook Pro Retina (2015) auf jeden Fall bis zum Ablauf seiner (verlängerten) drei Jahre Garantie weiternutzen werde. Wer weiß, vielleicht besinnt sich Apple im nächsten Jahr noch und beschert uns in den 2017er Macbooks ein Revival dieses Pro-Features. Allzu optimistisch bin ich da zugegebener Maßen aber nicht.

See you in the comments!

 

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