Macbook Pro Retina (2015) im Test: Warum ich nicht zu Windows (10) zurückgekehrt bin

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Seitdem ich Ende 2012 von meinem wassergekühlten High-End-Gaming-PC auf ein Macbook umgestiegen bin, habe ich die Windows Welt zwar nicht vermisst, aber trotzdem sehr genau beobachtet, in welche Richtung sich Microsoft mit seinem Desktop-Betriebssystem entwickelt. Als Mitte 2015 langsam ein neuer Laptop fällig wurde, habe ich mich natürlich ausführlich auch im Windows Lager umgesehen und wäre dabei fast zu Microsoft und Windows 10 zurückgekehrt. Letztlich bin ich dann aber doch beim Macbook Pro Retina (2015) mit 13 Zoll gelandet. Wie es dazu kam, was ich nach einem halben Jahr von dem aktuellen Macbook-Lineup halte und warum ich nicht zu Windows zurückgekehrt bin, lest ihr in den kommenden Zeilen.

Trotz Staingate, Preisanstieg und Konkurrenzdruck?

Anfang des Jahres machten Berichte von einem Problem mit Apples Displaybeschichtung die Runde, denen zufolge abhängig von Behandlung, Witterung und Zufall bei einigen Geräten grässliche Flecken auf dem Display auftraten. Gleichzeitig erhöhte Apple zusammen mit vielen US-Unternehmen die Preise seiner Produkte, was die im April 2015 vorgestellten Macbooks deutlich teurer als ihre Vorgänger machte. Während Apples Ultrabook-Linie also eher an Attraktivität verlor, brachten viele Windows PC Hersteller sehr verlockende Konkurrenzprodukte auf den Markt. Vor allem das Dell XPS 13, das ich dank Dell im Mai 2015 ausführlich testen konnte, hat mich dreimal überlegen lassen, ob ich wirklich wieder zu einem Macbook greifen sollte.

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Vor allem das XPS 13 hätte mich fast zu Windows zurückgeholt.

Während meiner Zeit mit dem XPS 13 habe ich allerdings gemerkt, dass es hardware- und softwareseitig nicht das bieten konnte, was ich für meine tägliche Arbeit voraussetze. Vor allem das Trackpad konnte meinen Macbook-verwöhnten-Erwartungen nicht gerecht werden. Zusätzlich war mir auch klar, dass ich – wenn überhaupt – nur mit Windows 10 zu Microsoft zurückkehren würde. Und eben jenes Windows 10 war im Sommer 2015 noch derart frisch, dass ich mich im Alltag noch nicht 24/7 darauf verlassen wollte.

So griff ich also nach reiflicher Überlegungen doch wieder zum Macbook, trotz all der genannten Hemmschwellen und trotz der erstarkten Windows Konkurrenz.  Nach über sechs Monaten würde ich heute noch immer sagen, dass ich (für mich) richtig gewählt habe. Sowohl hinsichtlich Hardware als auch Software sind die Macbooks für mich (noch) die Spitze der Ultrabooks. Im Detail:

Hardware: Force Trackpad, Broadwell und Thunderbolt 2

Als jahrelanger Nutzer des Pro Modells (ohne Retina-Display) von 2012 war das Upgrade vor allem in Sachen Gewicht, Abmessungen und Display eine Veränderung. Die Verschlankung von knapp 2 kg runter auf 1,6 kg war für mich deutlich spürbar. Das Gewicht von ca. 1,6 kg ist im Vergleich zur Ultrabook Konkurrenz aber nichts Besonderes mehr. Vergleichbare Technik gibt es bei Dell, HP oder Lenovo längst in noch leichterer Verpackung. Ein großer Sprung war für mich natürlich auch das Display, dessen Auflösung im Vergleich zum alten 2012er Modell von 1280 x 800 Pixel auf 2560 x 1600 Pixel beziehungsweise von 113 PPI auf 227 PPI anwuchs.

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Das „Retina“-Display überzeugt, hat aber deutlich Konkurrenz bekommen

Zusammen mit den Verbesserungen, die der Wechsel von einem TN- auf ein IPS-Panel bedeuten, ist das neue Retina Macbook für mich in Sachen Displayqualität eine reine Freude. Genau dieses Upgrade war auch der primäre Antrieb, mich nach fast 3 Jahren Krümeldisplay nach etwas Neuem umzusehen. Aber auch hier gilt: In der Windows-Welt gibt es längst Displays von noch höherer Schärfe. Ich bestreite es nicht: Hinsichtlich Gewicht und Displayqualität ist das Macbook LineUp mittlerweile von seinen Windows Konkurrenten eingeholt und überholt worden.

In Sachen Verarbeitungsqualität, Akkuleistung und vor allem der Eingabegeräte hat Apple meiner Meinung nach die Nase hingegen noch immer vorn. Selbst neueste High-End-Vertreter aus dem Windows Lager erreichen in meinen Augen nicht den schlanken, eleganten Charme des Aluminium-Unibodys der Macbooks. Zudem stimmen die Akkulaufzeitangaben von Apple meist deutlich mehr mit der Realtiät überein, als es bei Windows-Ultrabooks der Fall ist. Verlässliche 7 bis 8 Stunden sind bei mir in typischer Office-Nutzung möglich. Auch für eine 5 Stunden-Präsentation packe ich selten mein Ladekabel ein, einfach weil ich mich darauf verlassen kann, dass ein voll geladener Akku damit problemlos fertig wird.

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Auf den Akku des Macbooks kann ich mich verlassen

Definitiv unerreicht ist für mich weiterhin das Trackpad der Macbooks. Der Mauszeiger klebt praktisch am Finger. Das Scrollen durch Webseiten ist herrlich flüssig, präzise und kontrolliert. Gesten für Mission Control oder um den Schreibtisch freizuräumen sind mir längst in Fleich- und Blut übergegangen und auch das Zoomen von Fotos funktioniert ohne den kleinsten Hänger. Für meinen Workflow ist das Trackpad des Macbooks praktisch unersetzlich geworden. Das Multi-Window-Arbeiten oder das Wechseln zwischen verschiedenen Anwendungen ist dank der intuitiven Gesten für mich fast ein Ersatz für einen externen Monitor geworden und unterwegs ein so großer Gewinn, dass ich mich mit Windows Systemen tatsächlich hin und wieder ausgebremst fühle.

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Das große und präzise Trackpad ist für mich noch immer unerreicht

Die 2015er Pro Modelle haben zusätzlich das neue Force Touch-Trackpad erhalten. Das „Klicken“ ist dort nicht mehr das Resultat mechanischer Bewegungen des Trackpads, sondern nur noch die Simulation eines  Vibrationsmotors. Die ausgeübte Kraft wird stattdessen über einen Drucksensor erfasst. So sehr ich das Trackpad gerade gelobt habe, so sehr ist das neue Force Trackpad für mich im Alltag irrelevant. Technisch mag es eine beachtliche Leistung sein, nun diverse Druckstufen unterscheiden zu können, aber die damit verbundenen Funktionen in OS X stellen für mich keinen Mehrwert dar. Das Einzige, was ich positiv bemerken kann, ist die Tatsache, dass das Trackpad nun überall gleich klickt, da es kein mechanisches Gelenk mehr gibt. Auch mag ich die Option, das haptische Feedback in seiner Intensität zu regeln. Letztlich ist das Force Touch-Trackpad für mich zwar nur eine beeindruckende Illusion (ich könnte es blind wohl wirklich nicht von einem mechanischem Trackpad unterscheiden), aber im Alltag fehlt es mir an einer praktischen Rechtfertigung. Gleiches habe ich bereits zum neuen „3D-Touch“ des iPhone 6S gesagt und empfinde es beim Force Trackpad der Macbooks nicht anders.

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Force Touch: Eine hübsche Illusion ohne Mehrwert

Die restlichen Upgrades der aktuellen Macbook Generation haben für mich nur kleine, in Details aber wichtige Effekte. Dass in meinem neuen Macbook Pro Retina (2015) jetzt ein Broadwell Core i5 mit 2,7 GHz statt eines Ivy Bridge Core i7 mit 2,9 GHz arbeitet, spüre ich beispielsweise weder in negativer noch in positiver Hinsicht. Sehr wohl spürbar ist aber die neuen Grafikeinheit in den Broadwell-Chips. Die verbaute Iris Pro GPU von Intel schafft es nämlich endlich, 4K (UHD) Monitore mit vollen 60 Hz anzusteuern. Dank dieses Upgrades konnte ich meinen Dell U2715H mit Quad-HD Auflösung endlich gegen einen Dell P2715Q mit 4K-Auflösung austauschen. Auch die mittlerweile auf PCI-E umgesattelte interne Speicherausstattung lässt noch einmal spürbar Freude aufkommen. Mit über 1100 MB/s Lese- und Schreibgeschwindigkeit stellt der interne Speicher nicht nur meine alte – selbst nachgerüstete – SSD in den Schatten. Der Geschwindigkeitszuwachs, den die neuen Thunderbolt 2 Ports mitbringen, bedeutet mangels Zubehör hingegen keinen praktischen Nutzen für mich.

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Der interne Speicher ist rasend schnell

Alles in allem hat das Macbook Pro Retina (2015) mit 13 Zoll alles gehalten, was ich von dem Hardwareupgrade erwartet habe. Tatsächlich ist das Macbook Pro Retina (2015) wohl sogar leistungsmäßig mehr als ich brauche. Persönlich könnte ich sicher problemlos mit der Leistung der kleineren Air-Ableger leben. Solange Apple dort aber noch mit krümeligen TN-Displays arbeitet und das neue 12 Zoll Modell mit nur einem Port auskommen muss, führt für mich am Pro-Modell kein Weg vorbei.

Software: Warum bin ich nicht zu Windows 10 zurückgekehrt?

Obwohl bereits die Hardware der Macbooks gute Gründe dafür liefert, es einem Windows Ultrabook vorzuziehen, ist die Technik der Macbooks doch nicht der entscheidende Grund, warum ich wieder zu Apple gegriffen habe. Entschieden hat es sich stattdessen an Windows 10. Das neue Microsoft OS wurde zwar erst Ende Juli 2015 auf die Welt losgelassen, von mir aber bereits ausgiebig in der Preview genutzt. Und auch während ich jetzt schon länger mit meinem neuen Macbook unterwegs bin, nutze ich Windows 10 weiter regelmäßig auf meinem Intel NUC im Wohnzimmer. Ganz grundsätzlich halte ich von Windows 10 auch sehr viel. Der neue Look ist eine gelungene Kombination aus der Effizinenz von Windows 7 und dem modernen Look von Windows 8. Auch leistungsmäßig habe ich rein gar nichts auszusetzen. Auf meinem Intel NUC läuft Windows 10 wie Butter. Endlich gibt es auch die Option unterschiedliche Skalierungen auf verschiedenen Monitoren einzustellen und generell ist der Support für hohe Displayauflösungen durchaus verbessert worden.

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Grundsätzlich empfinde ich Windows 10 als sehr gelungen

In meinem Rückblick nach zwei Jahren Umstieg von Windows auf Mac OS X habe ich bereits zusammengefasst, wie Microsoft mir die Rückkehr schmackhaft machen könnte: Einfachere Updates für Firmware und Treiber, konsistente Bedienoberfläche, bessere Skalierung für hohe Auflösung sowie eine benutzerfreundliche BackUp-Lösung. Zwar gibt es in allen Bereichen tatsächlich mehr oder weniger Fortschritte, aber überzeugen konnte mich Windows 10 letztlich nicht.

Was die Installation von Treibern angeht, führt leider noch immer nichts an Eigeninitiative vorbei. Ich habe das Hin- und Her zwischen Microsoft und Dell noch gut in Erinnerung als es um Treiber- und Firmwareupdates für das Trackpad ging. Auch die Intel-GPU meines NUCs brauchte einige Monate bis diverse Bugs durch ständiges manuelle Updaten der Treiber gelöst wurden. Windows 10 ist schlicht noch immer nicht in der Lage, sich ohne Mithilfe des Nutzers um perfekten Treibersupport zu kümmern. Und selbst dort, wo Microsoft tiefer in die Hardware involviert ist (vor allem bei den Surface Geräten), hat Microsoft die Verteilung der Updates noch nicht hundertprozentig im Griff. Viel zu oft klemmt bei mir irgendein Update, irgendein Treiber oder irgendein Patch und sind Reboots nötig, um den Prozess neu anzustoßen. Apple ermöglicht mir als Macbook-Nutzer hingegen den Komfort, mich mit derartigen Dingen überhaupt nicht befassen zu müssen. Treiber und Firmware kommen direkt von Apple und passend für mein Gerät ohne dass ich auch nur einen Klick tätigen müsste. Microsoft hingegen kämpft selbst bei den eigenen Surface Flagschiffen mit anhaltenden Bugs hinsichtlich Grafiktreibern, Energiemanagement und Stabilität.

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Noch immer recht holperig: Updates unter Windows 10

So richtig perfekt ist zudem auch die Skalierung auf hohe Auflösungen noch nicht. Allen Verbesserungen bei Windows 10 zum Trotz gibt es immer noch viel zu oft Programme, die durch grässliche Klötzchen-Optik aus dem Rahmen fallen oder schlicht jede Schriftformatierung aus dem Ruder laufen lassen. Unter Mac OS X hingegen ist das Okosystem seit Jahren auf hochauflösende Displays eingestellt und das gesamte Bediengefühl ist auf die hohe Pixeldichte homogen und umfassend abgestimmt.

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Windows 10 ist noch immer ein Wandler zwischen den Design-Welten

Auch hat Windows 10 es noch immer nicht geschafft, seine Desktop-Wurzeln mit den mobilen und modernen Ansprüchen zu vereinen. Das zeigt sich für mich am Deutlichsten in dem Nebeneinander von modernem Einstellungen-Menü und dem bekannten Systemsteuerung-Fenster. Zugegeben: Apple versucht diesen Spagat nicht einmal und scheitert damit auch nicht an ihm, aber da ich mein Notebook nun einmal primär als Tastatur-Arbeitstier benutze, kann ich Microsofts Vereinheitlichungsbemühungen nun einmal kaum würdigen. Mac OS X wirkt derzeit einfach noch deutlich koheränter und übersichtlicher.

Mein größtes Problem ist letztlich aber das neue „System As A Service“-Motto von Microsoft. Positiv ausgedrückt, ist Windows 10 niemals fertig: Es kommen ständig neue Funktionen hinzu und das Betriebssystem entwickelt sich weiter. Negativ ausgedrückt, ist Windows 10 eben niemals fertig: Es fehlen ständig Funktionen, die ich längst erwartet hätte. Letzteres ist leider derzeit meine primäre Wahrnehmung. Grundlegende Features wie Addons im neuen Edge-Browser oder die ehemals gute Integration von OneDrive werden auf immer spätere Updates verschoben. Statt diese längst versprochenen Features zügig nachzuliefern, heißt es derzeit, dass Microsoft neue Features erst einmal pausiert, um an der Stabilität von Windows 10 zu arbeiten. Statt nach einem verlockenden Versprechen wirkt der „System As A Service“-Gedanke auf mich bisher vor allem wie eine Ausrede. Für mich zählt ein verlässliches System. Ich möchte kein Beta-Tester sein. Neue Funktionen mit klarer Terminankündigung waren noch nie Microsofts Stärke und bei Windows 10 scheint sich das nicht geändert zu haben.

Fazit: Derzeit ist Mac OS X für mich das Richtige

Das Macbook Pro Retina ist nicht perfekt. Es könnte beispielsweise gern noch leichter sein und vor allem der gestiegene Kaufpreis raubt ihm ein Stück seiner Konkurrenzfähigkeit. Aber insgesamt bietet mir derzeit nur das aktuelle 13 Zoll Macbook Pro Retina ein Gesamtpaket, mit dem ich mich wohl fühle. Das Display ist klasse und wird vor allem nicht durch schlecht angepasste Software ausgebremst. Das Trackpad ist noch immer Spitzenklasse und für mich fast im Alleingang ein Kaufgrund. Die Akkulaufzeit hält, was Apple verspricht und alles in allem hat mich das 2015 Modell seit über sechs Monaten nicht einmal im Stich gelassen, enttäuscht oder mir das Gefühl vermittelt, ich hätte mich für ein anderes Gerät entscheiden sollen.

Vor allem der – für mich – noch immer recht wechselhafte Eindruck, den Windows 10 in einzelnen Bereichen hinterlässt, hat mich aber dabei bestärkt, vorerst bei Mac OS X zu bleiben. War ich Anfang 2015 noch unsicher, ob ich dauerhaft bei Apple Laptops würde bleiben wollen, ist derzeit klar: Ich bin Mac-Nutzer. Mit dieser Erkenntnis ist im Übrigen auch der Plan pas­sé, ein im Haushalt noch vorhandenes Dell Latitude Modell durch ein XPS 13 zu ersetzen. Stattdessen wird auch die nächste Ersatzbeschaffung ein Einsteiger-Macbook werden. So abgedroschen der alte Marketing-Slogan sich auch anhört, so sehr ist er für mich doch gelebte Erfahrung: Die Macbooks funktionieren einfach. Genau das erwarte ich und genau das bietet mir Apple derzeit mehr als die Konkurrenten.

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